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1. AEDL Kommunizieren
10. ATL Kommunizieren
 
Kommunizieren ist lebensnotwendig für alle sozialen Wesen und  Grundlage der sozialen Handlungen. Dabei ist die Sprache ein vielschichtiger Entwicklungs- und Lernprozess. Verbale und nonverbale Kommunikation ermöglicht Emotionen, Entwicklung der Denkfähigkeit, Austausch von Informationen und Orientierung.
 
Einflussfaktoren auf das Kommunizieren:
 
 

Denken basiert auf Sprache.

 

Zum professionellen Arbeiten gehört auch eine professionelle Sprache. Man muss sich darüber bewusst sein, welche Wirkung Sprache hat. Es gibt viele Formen der Sprache: Lautsprache (verbal), Gesten, Mimik, Körperhaltung, Berührung, Schriftsprache, Gebärdensprache, Fingeralphabet (nonverbal). Es ist nicht möglich, nicht zu kommunizieren. Die Kommunikation ist die Basis für jeden Pflegeprozess. Ohne Kommunikation ist keine Verständigung, Informationsaustausch und gemeinschaftliches Leben möglich. 

Das Pflegepersonal ist sprachlich stets in einer Vorbildfunktion, egal, ob es in der Heilerziehungs-, Alten- oder Krankenpflege arbeitet. In der Kommunikation entstehen leicht Störungen. Zur Vermeidung von Störungen in der Kommunikation müssen Regeln beachtet werden.

1. Begrüßung

Der Gruß entscheidet bereits, in welcher Atmosphäre Kommunikation und Interaktion ablaufen wird. Eine freundliche Begrüßung, angepasst am Kommunikationsverhalten des Klienten, sorgt für Offenheit, Vertrauen und Wertschätzung. Ein unangemessener Gruß beispielsweise im Jargon, im geschäftsmäßigen Ton oder kurz angebunden erzeugt Ablehnung, Unverständnis, Misstrauen, Konfrontation.   

 

2. Kommunikationsbereitschaft

Es ist nicht möglich, einen Betreuten kognitiv zu fördern, wenn das Pflegepersonal nicht ausreichend kommuniziert. Dazu gehören nicht nur Gesprächsangebote, sondern auch ein aktives Zuhören. Kommunikation sollte als Dialog stattfinden. Kann der Betreute sich nicht in ein Gespräch einbringen, wird er sich nicht verstanden fühlen. Das gilt auch für Klienten, die sich nicht verbal in die Kommunikation einbringen können. Gerade in diesem Fall ist es die Herausforderung, ihnen nicht nur den Platz zur Kommunikation einzuräumen, sondern ihre Botschaften zu verbalisieren und zu verdeutlichen. Man sollte sich stets vergewissern, ob man den Betreuten richtig verstanden hat, beispielsweise durch nachfragen: „Habe ich sie richtig verstanden?“.  

 

3. Sprache

Das Pflegepersonal muss in der Lage sein, mit den Betreuten zu kommunizieren und seine Sprache auf die Betreuten einzustellen. Die Sprache sollte einfach, allgemein verständlich, klar und am Klienten orientiert sein. Die Verständigung wird erschwert oder verhindert, wenn zum Beispiel Fachbegriffe verwandt werden oder unbekannte Abkürzungen.

Sprachliche Umgangsformen wie "Danke" und "Bitte" sind eine Selbstverständlichkeit. Bei Benutzung dieser Worte wird aus einem Befehl eine Aufforderung. Diese "Zauberwörter" vermitteln Wertschätzung und zeigen gerade alten Menschen, dass die Pflegekraft "Erziehung" hat. Denn in der Jugend dieser Menschen wurde auf Umgangsformen extrem großer Wert gelegt. Werden alten Menschen derartige Umgangsformen versagt, besteht die Gefahr, dass sie sich minderwertig, entmündigt und hilflos fühlen. Meine Erfahrung in den letzten Jahren zeigt leider, dass dieser Hinweis nötig ist.

4. Umgangssprache

Worte und Begriffe ändern sich im Laufe der Zeit. Heute kaufen wir Klamotten, gehen shoppen, chillen, machen uns nicht dreckig, räumen die Bude auf. Beim shoppen und chillen sind die fragenden Blicke noch das harmloseste. Wenn man nicht verstanden wird, ist es zwar für eine Kommunikation nicht förderlich, aber es bedeutet noch keinen direkten persönlichen Angriff. Der alte Mensch begreift eben nur, dass er mal wieder zu "doof" ist, etwas zu verstehen. Aber Klamotten, dreckig, Bude - das ist ein ganz persönlicher Angriff und zwar weit unter die Gürtellinie. Denn diese Worte waren früher ausgesprochen negativ besetzt. Bei Benutzung dieser Begriffe erkläre ich im Grunde genommen dem alten Menschen, dass er ein Penner ist. Umgangssprache hat absolut nichts in der Pflege zu suchen.

 

5. Sprachfüller

Manche Pflegekräfte schaffen es, in fünf Sätzen zehnmal "genau" oder "so" anzubringen. Spitzenreiter Lehrprobe von 45 Minuten und 461 Mal fiel das Wort "so". Was bleibt da von der Kommunikation, die ja kognitiv fördern soll, beim Betreuten im Kopf? Eine Schülerin hatte den Sprachfüller: "Keine Ahnung". Geduldig hörte sich die alte Dame bei der Grundpflege im Minutentakt "Keine Ahnung" an, bis es ihr rausrutschte: "Dann halten sie doch mal den Mund, wenn sie keine Ahnung haben". Sprachfüller sind sinnfrei und stören nicht nur die Kommunikation, sondern stören erheblich das Denkvermögen. Die Sprachfüller unterbrechen nicht nur eine flüssige Kommunikation. Bevor der Betreute eine Botschaft verarbeiten kann, wird er durch den Sprachfüller aus der Bearbeitung herausgerissen. Sprachfüller bedeuten eine Reizüberflutung, wesentliche Botschaften gehen verloren, der Klient kann sich auf das Eigentliche nicht mehr konzentrieren. Durch fehlende Konzentration sind für den Gepflegten Misserfolge vorprogrammiert. In der Kommunikation sind Pflegekräfte angehalten, die eigene Sprache zu kontrollieren und sinnvoll zu steuern.

 

6. Fachsprache

Es wird erwartet, dass eine Pflegekraft weiß, wo sie arbeitet. Obwohl sich Lehrkräfte seit Jahrzehnten den Mund fusslig reden, hat das Pflepersonal nach wie vor eine grobe Orientierungslosigkeit. Lätzchen und Windeln werden auf Säuglingsstationen oder in Krippen benutzt. Solche Begriffe haben in der Arbeit mit Erwachsenen, gleich ob in einer Altenpflege- oder Heilerziehungspflegeeinrichtung, nichts zu suchen. Erwachsene haben einen Anspruch darauf, wie Erwachsene behandelt und angesprochen zu werden. Und wer füttern will, sollte in den Stall gehen. Hühner darf ich füttern, auch Kühe oder Schweine.

Eine unangemessene Sprache und Begriffe, die Erwachsenen, wohlgemerkt ganz besonders bei Menschen mit geistiger Behinderung oder Demenz, die Lebenserfahrung absprechen und sie auf eine Stufe mit Kindern stellen, ist eine Diskriminierung. Die Sprache bestimmt das Denken. Wenn ich einer alten Frau eine "Pampers" ummache, dann ist das eine sehr eindeutige Aussage, die Rückschlüsse auf meine Einstellung zu dem Lebenswerk der alten Frau zulassen. Ich raube ihr die Erfahrung, Jahre ihres Lebens und damit auch ihre Identität. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Pflegequalität, Achtung, Respekt oder Wertschätzung zu tun. Die sprachlichen Gepflogenheiten im Pflegealltag interessieren mich nicht. Von meinen Schülern erwarte ich mehr.   

 

7. Orientierung

"Wir gehen jetzt duschen." Was denn nun? Wer geht duschen? Und wieder ist ein alter dementer Herr um eine herbe Enttäuschung reicher. Mit der Kommunikation werden Betreute nicht nur kognitiv gefördert, sondern sie ist ein wichtiges Instrument für Orientierungspunkte und um Sicherheit zu vermitteln.

Dazu gehört, dass jeder einzelne Arbeitsschritt angekündigt wird. Damit ist der Klient informiert und orientiert. Werden Arbeitsschritte nicht angekündigt, wird der Betreute zum Objekt, dass heißt, ihm wird die Identität genommen und er wird in seiner Selbstwahrnehmung  zutiefst verunsichert. Im günstigsten Fall wehrt sich der Betreute, was Konfrontation bedeutet. Schlimmstenfalls reagiert er mit Rückzug.

8. Wertschätzung

Die Kommunikation sollte auf „gleicher Augenhöhe“ stattfinden. Dabei ist es zu vermeiden, seine Sprache gegenüber den Klienten zu verändern wie verniedlichen, mitleidigen Tonfall, besserwisserisch, altklug, etc. Jede Art der Bevormundung entmündigt. 

Ein Zeichen für Wertschätzung ist auch die häufige Anrede mit dem Namen (nebenbei auch eine Orientierungshilfe). Für den Betreuten sollte es erkennbar sein, dass man an ihm ehrlich interessiert ist. Tadel bremst, positive Verstärkung motiviert. Nicht unbedingt das Ergebnis steht im Mittelpunkt, auch Fortschritte sollten honoriert werden.

Zur Wertschätzung gehört auch ein Kritikbewusstsein. Es spricht für den Betreuten und seine Ressourcen, wenn er Kritik formulieren kann. Eine Antwort, die mit „ja, aber .....“ beginnt, würgt die Kritik ab, verunsichert und fördert Rückzug oder Konfrontation.

9. Integration

Menschen mit einer Behinderung, alte Menschen mit Pflegebedürftigkeit oder kranke Menschen bedürfen nicht grundlos einer Pflege. Die Handicaps schränken oft als Folge die Möglichkeiten der Kommunikation ein. Eine eingeschränkte Kommunikation bedeutet für die Betroffenen einen gesellschaftlichen Ausschluss und Verlust an Lebensqualität. Es ist insbesondere die Aufgabe des Pflegepersonals Sorge zu tragen, dass Betreute im sozialen Leben integriert werden, also in die Kommunikation geholt zu werden. Der Kommunikation kommt ein höherer Stellenwert zu als die sogenannten „handwerklichen Fähigkeiten“, auch wenn die „handwerklichen Fähigkeiten“ in der Regel abrechenbar sind, die Kommunikation in dem Sinne nicht. 

Aussagen wie „Die quatscht nur mit den Klienten und drückt sich vor der Arbeit“ sind leider keine Seltenheit. Kommunikationsmangel bedeutet nichts anderes als eine Körperverletzung. Eine erfolgreiche Pflege kann nur stattfinden mit einer guten Kommunikation. Dazu gehört die Systematisierung der Kommunikation, Absprachen im Pflegeteam zu Kommunikationsregeln für den einzelnen Betreuten individuell angepasst. Allgemeine Kommunikationsregeln müssen beherrscht und angewandt werden (Fach Deutsch). Nicht grundlos werden in den Lehrproben und Prüfungen Kommunikation und Wertschätzung besonders hoch bewertet. Erwin Böhm sagte: "Wir pflegen Menschen und keine Betten!". Richtig! Mit Betten brauchen wir nicht kommunizieren, mit Menschen als soziales Lebewesen schon.

 

10. Übersetzung

Es sind Pflegende, die tagtäglich mit den Betreuten zusammen sind. Das Pflegepersonal kennt sein Klientel und sollte mit deren Kommunikationsmöglichkeiten vertraut sein. Von daher besitzt das Pflegepersonal häufig Kenntnisse zu Betreuten, die Ärzte, Therapeuten, Betreuer etc so nicht wahrnehmen, besonders dann, wenn große Kommunikationsstörungen vorliegen. Es ist zwingend erforderlich, Mitteilungen von Betreuten, egal ob verbal oder nonverbal, in den Pflegeberichten zu dokumentieren. Es muss die Aufgabe übernommen werden, die Botschaften des Betreuten zu übersetzen oder zu dolmetschen.