Suchprogramme, HTTP-Protokoll"> Berufsfachschule für Sozialpflege
 
 
 
 
 
 
 

 

Die 5 Säulen des Islam

 

Mit den 5 Säulen des Islam sind die Pflichten gemeint, die jeder Muslim erfüllen mus.

 

  • Die erste Säule ist der Glaube und Bekundung an die Einheit Allahs.
  • Die zweite Säule ist die Pflicht zu den fünf täglichen Gebeten vor Sonnenaufgang, am Mittag, am Nachmittag, nach Sonnenuntergang und in der Nacht.
  • Die dritte Säule ist die Verpflichtung zur Wohltätigkeit. Dazu gehören freiwillige Spenden und die einmalige jährliche Almosen-Steuer (Zakat). Sie beträgt ungefähr 2,5 Prozent des Einkommens und ist die Basis für die Sozialarbeit.
  • Die vierte Säule ist die Pflicht zur Einhaltung des Fastens im Ramadan.
  • Die fünfte Säule ist die Pflicht, wenigstens einmal in seinem Leben nach Mekka zu pilgern.

Gebet in Kairo, Jean-Léon Gérôme 1865, gemeinfrei

 

Gebete

 

Gläubige Muslime verrichten fünf Pflichtgebete am Tag. Die Gebetszeiten sind festgelegt und in einem Kalender verzeichnet, den jeder Gläubige besitzt.

Freitags sind Männer verpflichtet, in der Moschee zu beten.

Der Ort des Gebetes muss ruhig, ungestört und sauber sein. Die Gebete finden in Richtung Mekka statt, in Deutschland ist das ungefähr die südöstliche Richtung. Geht jemand an dem Betenden vorbei, ist die Verbindung mit Mekka gestört und das Gebet muss von vorne begonnen werden.

In einer Pflegeeinrichtung sollte daher ein abgeschlossener Raum mit Teppich für Gebete zur Verfügung stehen, getrennt nach Geschlechtern. Logischerweise sollte dort und im Zimmer des Gepflegten keine religiösen Symbole anderer Religionen hängen. 

Für die rituelle Waschung vor dem Gebet kann die Nasszelle des Gepflegten genutzt werden, besser wäre ein separater Waschraum beim Gebetsraum mit fließendem Wasser.

Bettlägrigen Klienten muss auch das Gebet ermöglicht werden. Die rituelle Waschung kann auch im Bett erfolgen mittels Kanne und Schüssel zum Wasser auffangen. Im Notfall könnte auch eine symbolische Waschung vollzogen werden. Der Klient berührt dazu die Wand und deutet die Waschung an. Es geht darauf zurück, dass auch Stein oder Sand zur Reinigung genutzt werden darf, wenn kein Wasser vorhanden ist. Da in deutschen Pflegeeinrichtungen aber überall Wasser vorhanden ist, sollte dieser Notfall nicht eintreten. Es bedeutet lediglich Mehrarbeit, was bei dem Anspruch an die Individualpflege  oder ganzheitlichen Pflege geleistet werden muss.

Der einfachste Weg zur Unterstützung der Gebete ist, die Angehörigen oder die Gemeinde um Hilfe zu bitten. Es hätte auch den Vorteil, dass eine gläubige Person den Klienten unterstützt. 

Für gläubige Muslime sind Krankenbesuche eine religiöse Pflicht. Man kann sich über die zahlreichen Besucher aufregen, sinnvoller ist es jedoch, die Vorteile zu sehen und zu nutzen.

Freitags sollte dem Klienten der Besuch einer Moschee ermöglicht werden. Auch dafür kann man Angehörige oder Gemeindemitglieder einbinden. 

Ein Leitbild einer Einrichtung, das betont, dass die Pflegeeinrichtung offen für alle Konfessionen ist und obendrein mit ganzheitlicher Pflege oder Individualpflege wirbt, verpflichtet sich nicht nur, auch muslimische Mitbürger aufzunehmen. Es hat dann auch die Bedingungen und Voraussetzungen zu schaffen, dass dieses Klientel entsprechend seinen Bedürfnissen leben kann. 

Dazu gehört auch die Akzeptanz der Besucherströme. Bekommen alte Menschen in Altenheimen keinen Besuch, regt sich das Pflegepersonal darüber auf. Bekommen alte Menschen in ihren Augen zuviel Besuch, regt man sich ebenfalls auf und signalisiert, dass die Besucher stören. Störend sind in erster Linie die festgefahrenen Strukturen und Vorurteile. Das kann man auch strukturelle Gewalt nennen.

Die zahlreichen Besucher bringen mehr Vor- als Nachteile mit:

  • Die Klienten fühlen sich wohl und geborgen
  • Da der Islam für Christen eher eine fremde Religion ist, hat man vor Ort Ansprechpartner, die sich in der Religion auskennen
  • Es besteht eine große Bereitschaft der Besucher, den Alten oder Kranken bei religiösen Verrichtungen zu unterstützen
  • Die meisten Besucher sind sehr zugänglich und lassen sich gerne anleiten und in Pflege und Betreuung im Interesse des Klienten einbinden
  • Kulturen treffen sich und es besteht die Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern
  • In der Regel ist der Umgang der Besucher mit anderen Klienten, auch anderer Religionen, ausgesprochen respektvoll und wertschätzend
  • Es kommt Leben in die Bude

 

In den meisten Einrichtungen gibt es bestimmte Bettgehzeiten, die sich allerdings nicht immer mit dem letzten Gebet der Muslime (nach Sonnenuntergang) decken. Deswegen muss hier auch eine Regelung getroffen werden, wie Bewohner diese Gebetszeit einhalten können. Wichtig ist auch, dass beim Gebet Ruhe gegeben ist.

Von Cem Topçu - Eigenes WerkCC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1223319

Sultan-Ahmed-Moschee in Istanbul mit traditioneller Ramadan-Beleuchtung

 

Der Fastenmonat Ramadan

 

Der Fastenmonat ist der neunte Monat nach dem islamischen Mondkalender. Dadurch verschiebt sich der Fastenmonat um zehn oder elf Tage pro Jahr nach vorne. So erlebt ein Muslim im Laufe seines Lebens diesen Monat in allen Jahreszeiten. Im Winter mit den kurzen Tagen ist das Fasten logischerweise leichter.

Im Monat Ramadan wurde nach islamischer Auffassung der Koran herabgesandt. Die Gläubigen sollen sich durch das Fasten wieder ganz auf Gott besinnen. Das Fasten ist eine der sogenannten fünf Säulen des Islam und Pflicht. Zum Fasten gehört auch das Lesen des Korans.

Viele Muslime, die sonst eher eine lose religiöse Bindung haben, halten meist auch das Fasten ein.

Gefastet wird täglich vom ersten Morgengrauen bis zum Abend. Die Zeiten sind in einem Kalender festgelegt. In diesem Zeitraum darf nichts von außen in den Körper eindringen. Somit entfällt essen, trinken, rauchen und der Geschlechtsverkehr. Das wird als "äußeres" Fasten bezeichnet. Das  "innere" Fasten soll die Seele reinigen, indem der Gläubige darauf achtet, sich von Sünde fernzuhalten und sich von Abhängigkeiten loszulösen.

Eine Injektion, Infusion oder Verwendung von Salben oder Tropfen würde das Fasten brechen. Nasen-, Augentropfen, Injektionen und Infusionen ohne Nährwert sind im Ramadan erlaubt.

Eine wichtige islamische Regel besagt, dass der Mensch nichts tun darf, was ihm Schaden zufügt. Das bedeutet, dass die regelmäßige Einnahme einer Medizin tagsüber erfolgen kann, wenn sie erforderlich ist.

Außerdem dürfen Schwangere, stillende Mütter, Altersschwache und Kranke nicht fasten. Altersschwache und chronisch Kranke sollen statt zu fasten einen Fastenersatz leisten (fidya) durch Speisung eines Bedürftigen oder einer entsprechenden Spende. Die Spende oder Speisung sollte der Aufwendung für das eigene Fastenbrechen entsprechen. Andere holen die Fastentage zu einem späteren Zeitpunkt nach.

Das erklärt sich aus der Regel zur Gesunderhaltung. Man kann also auch als Ungläubiger Kranke darauf hinweisen, dass sie nach dem Koran von der Fastenpflicht entbunden sind, wenn sie durch das Fasten dem Gesundungsprozess schaden. Es wäre gegen den Willen Allahs, da jeder Muslim gehalten ist, seine Gesundheit zu schützen und zu erhalten. Bei uneinsichtigen Klienten: Wozu gibt es die zahlreichen Krankenbesucher?

Kinder fasten ab der Geschlechtsreife, vorher können sie innerhalb ihrer Möglichkeiten freiwillig fasten.

Am Abend beginnt das Fastenbrechen normalerweise mit einem Schluck Wasser oder einer Dattel. Nach dem Abendgebet werden die eigentlichen Speisen gegessen. Oft laden sich Gläubige gegenseitig zum Essen ein. Häufig findet in den Moscheen ein gemeinsames Fastenbrechen statt. Ein ganzjähriges Fasten ist verboten.

Der Ramadan endet am ersten Tag des Folgemonats (türkisch: Ramazan Bayramı; arabisch: Īd-ul-fitr). Nach dem Sonnenaufgang beginnt das dreitägige Fest mit einem Festgebet. Es ist dann üblich, sich gegenseitig zu besuchen, wobei die Jüngeren meist den Älteren durch ihren Besuch Respekt zollen. 

Muslimische Kollegen kann man während des Fastens unterstützen, indem man ihnen nicht während der Fastenzeit schwere Arbeiten zumutet und den Dienstplan danach ausrichtet.