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5. AEDL Essen und Trinken

4. ATL Essen und Trinken

 

Die lebensnotwendige Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme erhält alle Körperfunktionen aufrecht. Nährstoffe liefern dem Körper die für den Stoffwechsel nötigen Energien. Mit der Nahrung werden außerdem wichtige Spurenelemente, Vitamine, Eiweißstoffe, Kohlenhydrate, Fette und Wasser aufgenommen. 

 

Einflussfaktoren auf Essen und Trinken:

 

 

Essen und Trinken sind elementare Bedürfnisse des Menschen. Eine wohlschmeckende Mahlzeit, die auch optisch erfreut, vermittelt Wohlbefinden und Zufriedenheit. 

 

  • Speisen sollten schonend zubereitet werden, um besonders die Vitamine zu erhalten
  • Lebensmittel müssen überlegt ausgesucht werden, um eine gesunde Ernährung zu gewährleisten
  • Essen und Getränke sollten durch Geschmack, Duft und Aussehen die Sinneswahrnehmung positiv beeinflussen

 

 

     Essen hält Leib und Seele zusammen.

 

 

Soziale Bedeutung
  • Kommunikation und soziale Kontakte
  • Abwechslung im Tagesablauf (besondere Höhepunkte)
  • Zeitliche Strukturierung im Tagesablauf
  • Geborgenheit, Wohlfühlen in ansprechender Umgebung

 

„Das Auge ist mit!“ 

 

 
 

Begünstigende Faktoren für eine gute Ernährung der Gepflegten

  • Esskultur wie schön gedeckter Tisch
  • Tischschmuck
  • unbeschädigtes Geschirr
  • angenehme Atmosphäre
    • essen in Gesellschaft (Speisesaal)
    • auch das Essen im Privatbereich zulassen
  • individuelle Vorlieben und Abneigungen berücksichtigen
  • Essenszeiten möglichst flexibel anpassen
  • Kommunikation, aber auch Abgrenzungen tolerieren
  • Wahlmöglichkeiten bei Speisen und Getränke
  • Temperatur der Getränke und Speisen

 

Kennzeichen eines guten Ernährungszustandes:

Die Fettpolster unter der Haut sind gleichmäßig verteilt, die Haut ist elastisch, abgehobene Hautfalten glätten sich sofort beim Loslassen.

 

Brocaformel: Körpergröße - 100 = Normgewicht!

 

Body-Mass-Index (BMI):     

Gewicht kg  


(Größe m X Größe m)
 

 

Zieht man eine Linie zwischen Körpergröße und Gewicht, ergibt der Schnittpunkt dieser Linie mit der Skala in der Mitte den BMI.

 

Untergewicht                                        BMI < 20

Normal                                                  BMI 20 - 24,9 kg/m²
 
Adipositas Grad I                                  BMI 25 - 29.9 kg/m²
 
Behandlungsbedürftige Adipositas       BMI > 30 (bei zusätzlichen Risikofaktoren auch ab 25)

 

 

Möglichkeiten zur Beobachtung von Gewicht und Appetit

Gesunde Menschen halten ihr Gewicht relativ stabil. Bei unstabilem Gewicht und Gewichtsproblemen sind regelmäßige Kontrolle (Wiegen) und Dokumentation (Gewichtsprotokolle) nötig. 

 

 

Der MDK beanstandet bei Prüfungen immer wieder, dass oft Gewichtskontrollen nicht regelmäßig stattfinden. 

 

Wiegen

Auffällige Änderungen des Körpergewichts liefern Hinweise auf Erkrankungen oder Fehlernährung. Bei einer kontinuierlichen, scheinbar geringfügigen Gewichtsabnahme besteht die Gefahr dies zu übersehen (Wahrnehmungsfehler).

 

Die Waage sollte zuverlässig sein und bewohnergerecht.

 

  • Stehwaage
  • Stehwaage mit Haltegriffen
  • Sitzwaage
  • Bettwaage
  • Patientenheber mit integrierter Waage

 

Zu beachten:

  • möglichst zur gleichen Zeit
  • möglichst mit der gleichen Waage
  • möglichst mit der gleichen Bekleidung

 

 

Bei mechanischen Waagen das Austarieren nicht vergessen.

Bei Schiebewaagen auf die Wiegezungen achten,

dass sie eine Waagerechte bilden.    

 

 

Überernährung   

Mehr Nährstoffe werden zugeführt, als zur Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen erforderlich sind. Stetige Überernährung führt zu Fettleibigkeit (Adipositas).

 

Kennzeichen einer Adipositas:

Eine große Menge an Fettgewebe ist am Körper gleichmäßig oder ungleichmäßig verteilt. Trotz Überangebot an Nahrung, oft in Verbindung mit Bewegungsmangel, kann bei einer Fettleibigkeit auch eine Mangelernährung vorliegen. Hormonelle oder stoffwechselbedingte Ursachen für eine Adipositas sind eher selten (5%).

 

Besondere Gefährdung durch Adipositas:

  • Störungen des Herz- Kreislaufsystems, wie z. B. Herzinsuffizienz
  • Bluthochdruck
  • Neigung zu Venenentzündungen
  • Arteriosklerose (schleichende, entzündliche Gefäßerkrankung, Hauptursache für Herzinfarkt und Schlaganfall)
  • Erhöhte Belastung des Stützapparates, besonders der Gelenke 
  • Störungen des Verdauungssystems (Obstipation) 
  • Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus, Hautprobleme)

 


Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) überprüft im Auftrag der Pflegekassen die Qualität der Pflege in ambulanten Pflegediensten und Pflegeheimen. Es wurde 2005 festgestellt, dass bei 41% pflegebedürftiger Menschen Mängel bei der Ernährung und Flüssigkeitsversorgung bestanden.

 

Unterernährung    

Ein Mensch nimmt weniger Kalorien am Tag zu sich als er verbraucht. Unter der Haut sind ungenügend vorhandene Fettpolster. Der Bewohner ist blass, mager, meist müde, matt und wenig belastbar. Eine langwährende Unterernährung führt zur Kachexie (hochgradige Abmagerung oder Auszehrung).

 

Kennzeichen einer Kachexie:

Die Fettpolster fehlen. Die Knochenkonturen werden sichtbar, auffallend sind tiefliegende Augen und Hohlwangigkeit. Muskelgewebe, inneres Fettgewebe und körpereigenes Eiweiß wird abgebaut, es kann zu Funkionsausfällen der Organe kommen. Kachexie führt zu nichtumkehrbaren Veränderungen und schließlich zum Tod.

 

Mögliche Ursachen

  • Chronische Unterernährung
  • Auszehrende Erkrankungen
  • Hohes Lebensalter
  • Nahrungsentzug, Hungerstreik, Essstörungen
  • Psychische Erkrankungen
  • Sucht

 

Hohes Lebensalter als Risikofaktor

 

  • Appetitmangel (z.B. abnehmende Sinneswahrnehmung, Immobilität))
  • Soziale Probleme (z.B. Vereinsamung, Altersarmut, Immobilität)
  • Demenzielles Syndrom (z.B. Vergesslichkeit, Nahrungsverweigerung)
  • Erkrankungen (z.B. Medikamenteneinnahme, zehrende Krankheiten)
  • Heimunterbringung (z.B. Fremdbestimmung, ungewohnte Kost)
  • eingeschränkte Kau- und Schluckfähigkeit
  • Mangelernährung

 

Die Mangelernährung ist eine Fehlernährung und bedeutet eine Unterversorgung mit Vitaminen- und Mineralien. Mangelernährte essen häufig zu wenig Obst und Gemüse (Vitamine), Milchprodukte (Calcium), Seefisch (Jod) und Vollkornbrot, Hülsenfrüchte und Kartoffeln (Ballaststoffe). Fast food, Büchsen- oder Fertiggerichte fördern eine Mangelernährung. 

 

Ursachen für Mangelernährung im Alter (nach Leitzmann)

 

Primäre Ursachen

 

  • falsche Essgewohnheiten
  • fehlender Appetit
  • Zahnprobleme
  • erhöhter Nährstoffbedarf
  • Malabsorption
  • Alkoholismus
  • Medikamentenmissbrauch
  • chronische Krankheiten

  

Sekundäre Ursachen

 

  • Unwissen
  • soziale Vereinsamung
  • Isolation
  • körperliche Behinderung
  • psychische Störungen
  • Armut
  • Depressionen
  • Gedächtnisschwächen

 

Folgen einer Mangelernährung:

  • Schwächung des Immunsystems
  • Verstopfung
  • Schilddrüsenerkrankungen (Jodmangel)
  • Knochenentkalkung (Osteoporose) 

 

Eine Mangelernährung geht oft einher mit einer Unterernährung.

Doch auch ein Übergewichtiger kann mangelernährt sein!

 

 

 

   Trinken   

 

Körperwasser bei Erwachsenen etwa 50% - 60% des Körpergewichtes

 

Dehydration = beschreibt chemischen Vorgang, der, umgangssprachlich, zum Verlust von Wasser führt. Resultierender Zustand ist die

  • Exsikkose (lat. siccus) = Austrocknung durch Abnahme des Körperwassers (Ausgeschiedene Flüssigkeitsmengen werden unzureichend ersetzt).

 

Ursachen

  • Erkrankungen
  • verringertes Durstgefühl
  • Gedächtnisschwächen
  • Immobilität
  • Schluckstörungen
  • Angst

 

Symptome 

  • Zunehmende Verwirrtheit, Teilnahmslosigkeit, Antriebshemmung 
  • Schläfrigkeit 
  • Schwindel- und Schwächegefühle 
  • Pulserhöhung 
  • Niedriger Blutdruck 
  • Obstipation 
  • Reduzierter  Spannungszustand der Haut
  • Trockene Zunge und Schleimhäute 
  • Starkes Durstgefühl 
  • Verminderte Urinausscheidung

 

Folgen

  • Anstieg der harnpflichtigen Substanzen im Blut
  • Eintrübung des Bewusstseins

 

 

 

 

Maßnahmen zur Sicherung einer ausreichenden Trinkmenge

  • Zu allen Mahlzeiten grundsätzlich Getränke reichen 
  • Zwischen den Mahlzeiten immer wieder ans Trinken erinnern 
  • Getränke anreichen 
  • Leere Gläser und Becher wieder auffüllen 
  • Wünsche, Geschmack, Lieblingsgetränke beachten
  • Gefüllte Trinkgefäße immer in Reichweite stellen 
  • Verschiedene Kalt- und Heißgetränke anbieten
  • Zwischen verschiedenen Getränken immer wieder abwechseln 
  • Einrichtung von „Getränketheken“ oder „Getränkeoasen“
  • Getränke sichtbar platzieren 
  • Demenzkranke: gefärbte oder farbige Flüssigkeiten anbieten 
  • Unterstützung beim Trinken
  • Geeignete Hilfsmittel
  • Andicken der Getränke

Wenn der Verdacht einer Fehlernährung besteht, sollte man die Einfuhr und Ausfuhr kontrollieren. Wird beides in definierten Zeiträumen dokumentiert, nennt man das Bilanzierung oder eine Bilanz erstellen.

 

Datum
Zeit
Einfuhr ml gesamt Ausfuhr ml gesamt Bilanz
               
               

 

Hilfsmittel

 

 

 

ACHTUNG!

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Essgewohnheiten beachten, auch religiöse Überzeugungen und Zeremonien (z.B. Zeit und Gelegenheit für Tischgebet geben, Fastenvorschriften, Schweinefleisch, Vegetarismus). Kulturellen Ursprung des Bewohner berücksichtigen, ferner gewohnte regionale Spezialitäten.

 

Unterstützung der Selbstständigkeit bei der Nahrungsaufnahme

 

Bauliche Vorraussetzungen:

  • Verfügbarkeit von Küchenherd oder Kochplatten
  • Kühlschrank, möglichst mit bewohnereigenen Fächern
  • Stell- und Arbeitsflächen
  • Utensilien zur Nahrungszubereitung

 

Das „Böhmsche Modell“

Prof. Erwin Böhm berücksichtigt besonders demenzkranke Bewohner. Die Einrichtung soll die psychobiografisch gewachsenen Identität des Bewohners reaktivieren.

 

Bild: http://www.eichenhof-christiansfelde.de/ 

In dem Alten- und Pflegeheim Eichenhof Christiansfelde ist beispielsweise die Küche eingerichtet wie in den 50er Jahren. Bewohner mit Demenz werden nicht überfordert beispielsweise durch Küchengeräte, die sie nicht kennen. Die bekannte Umgebung erlaubt eine Orientierung und Selbstständigkeit und damit eine Stärkung des Selbstbewusstseins und der Sicherheit.

 

Wir verabreichen Nahrung, wir füttern nicht.

Wir benutzen Servietten, keine Lätzchen.

Wir entfernen Speisereste mit der Serviette, nicht mit dem Löffel.
 

 

 

Wir pflegen alte Menschen, keine  !

 

Auch falls das Verhalten von Bewohnern an kindliche Verhaltensweisen erinnern sollten: Es sind alte Menschen, die ein Leben hinter sich haben, ihren "Mann" stehen mussten, etwas geleistet haben. Es ist entwürdigend, demütigend, diskriminierend, beleidigend, abwertend, sie im Alter auf die Stufe von Kindern zu stellen. Es spricht ihnen die gesamte Lebensleistung ab und verdeutlicht Hilfsbedürftigkeit und Abhängigkeit. Und auch Menschen mit Behinderung haben ein Alter und ein Recht darauf und bleiben nicht ein Leben lang Kinder. Wer in einer Lehrprobe oder Prüfung das nicht berücksichtigt, muss mit einem satten Punktabzug betreffs Wertschätzung und Kommunikation (fehlende Fachsprache) rechnen.

 

Essenseingabe bei bettlägerigen Bewohnern

  • Hygienische Händedesinfektion 
  • Tablett mit entsprechender Kost vorbereiten (Vorlieben/Abneigungen) 
  • Aufrechtsitzende Stellung, bequem lagern 
  • Bewohner die Möglichkeit geben, sich die Hände zu waschen 
  • Evtl. Hilfsmittel (Schräglöffel, durchsichtigen Schnabelbecher...) 
  • Temperatur der Speisen 
  • Zeit zum Essen lassen, Ruhe
  • Nach Beendigung der Mahlzeit Bewohner säubern, Hände waschen 
  • Mundpflege anbieten bzw. durchführen 
  • Bewohner bequem lagern 
  • Evtl. Raum lüften

 

              

Linkes Bild COPY Thiemes Altenpflege, HG Ilka Köther, Thieme, ISBN 978-3-13-139132-2

 

Aspirationsgefahr !

 

Mit Aspiration ist das Eindringen flüssiger oder fester Stoffe in die Atemwege gemeint.

Bei Bewohnern mit Schluckstörungen gilt besondere Vorsicht bei der Nahrungsaufnahme. 

Kleine Portionen langsam verabreichen.

Auffordern zum sorgfältigen Kauen und Schlucken.

Auf evtl. zurückgebliebene Speisereste bei der abschließenden Mundpflege achten.