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9. AEDL Sich beschäftigen können 

9. ATL Raum, Zeit gestalten, arbeiten und spielen 

 

Eines der Grundbedürfnisse des Menschen ist es, sich in die von der Natur vorgegebenen Rhytmen des Lebens wie Tag/Nacht oder Wechsel der Jahreszeiten einzugliedern. Dazu gehört auch die individuelle Gestaltung des eigenen Lebensraumes und der eigenen Zeit mit dem Ziel, Organisation und innere Ausgewogenheit zu erlangen und eine Rhytmisierung des Alltags zu erreichen mit dem Wechselspiel zwischen Aktion und Besinnung, Arbeit und Erholung.

 

Einflussfaktoren auf die Beschäftigung:

 

  Grundsätze der Beschäftigung

 
Keine Über- oder Unterforderung, situations- und klientelgerecht, jahreszeitliche Orientierung, Ziele (Förderung der Wahrnehmung, Motorik, kognitiven Fähigkeiten, Unterhaltung)
 
Beschäftigungen mit alten Menschen
 
Beschäftigungsangebote sollten ihre Biographie und Erlebniswelt berücksichtigen. Gerade bei körperlichen Einschränkungen ist ein Augenmerk auf das Selbsthilfetraining.Sollten besondere Fähigkeiten oder Talente vorliegen, muss es in Beschäftigungsmaßnahmen berücksichtigt bzw die Beschäftigungsmaßnahmen darauf ausgerichtet werden. Auch Unterhaltung oder Medienkonsum ist eine Beschäftigungsmaßnahme. Alte Menschen verlieren nicht durch das Alter das Recht, sich einfach mal amüsieren oder berieseln lassen zu dürfen. 
 
Lehrproben zur Beschäftigung mit alten Menschen, auch bei Vorliegen körperlicher Behinderungen, können nicht angeboten werden aufgrund der Vergleichbarkeit der Prüfungen betreffs Schwierigkeitsgrad. 
 
 
Beschäftigung mit dementen Menschen
Beschäftigungsangebote sollten ebenfalls ihre Biographie und Erlebniswelt berücksichtigen. Hier gilt vor allem, dass der Mensch mit Demenz einen Sinn in seiner Beschäftigung sieht, was bei reinen Bastelarbeiten oftmals nicht gegeben ist. Einen Sinn in einer Beschäftigung wird am ehesten dann erkannt, wenn es eine Tätigkeit aus der Alltagsbewältigung ist. 

Für Lehrproben zur Beschäftigung sollten Klienten mit fortgeschrittener Demenz gewählt werden. Eine angebotene Lehrprobe mit Demenz im Anfangsstadium führt zu Punktabzügen, bzw wird gegebenenfalls abgelehnt. 

 

 

Beschäftigung behinderter Menschen

Beschäftigungsangebote müssen das Alter und die Behinderung, bzw den Förderbedarf berücksichtigen. Dadurch ist das Beschäftigungsfeld erheblich weit. Es ist ein Unterschied, ob eine Beschäftigung mit einem schwermehrfachbehinderten Menschen oder mit einem Menschen mit Lernbehinderung durchgeführt wird. Ganz besonderer Schwerpunkt ist stets die Zielsetzung.

Für Lehrproben gilt: je besser und leichter der Klient zu beschäftigen ist, umso mehr steigt der Schwierigkeitsgrad für die Maßnahme. 

 

Immer zu beachten:

  • Rituale
  • Traditionen
  • Integration in den Tagesablauf
  • Feste und Veranstaltungen
 
Planen von Beschäftigungsangeboten
 
Zeit (Dauer der Beschäftigung, Klientelorientierierung, Zeit planen und Erstellung eines Zeitplans)
Material allgemein (Einrichten eines Beschäftigungsschrankes, Beschaffung, Berücksichtigung des Budgets, etc)
Material (Eignung, Klientelorientierung)
Regeln (Festsetzung, Anpassung)
Ablauf (Auswertung)
 
 
Milieu
 
Gärtnern (auch erraten von Gewürzen, Kräutern, Früchten, etc durch sehen, schmecken riechen), Projekt Kräutergarten, Zimmerpflanzen, etc
Hauswirtschaft (gemeinsames backen, kochen, einkaufen, etc), Trockenbacken, Kleidung
Berufe
Alltagspraktische Übungen
 
Anfertigung einer Beschäftigungsmappe zu Berufen
 
 
Biographisch
 
Böhm
10-Minuten-Aktivierung
Filme, Fotoalbum, Erinnerung (alte Geldscheine, Bücher, alte Geräte etc)
alte Schlager und alte Filme (Gespräche, Veranstaltungen)
 
Anfertigung von Material für die 10-Minuten-Aktivierung
 
 
Orientierung
 
Rituale, jahreszeitliche Dekoration, Feste, Veranstaltungen
 
Herstellung jahreszeitlicher Dekoration (in der Planung berücksichtigen: warum das Material gewählt wurde und für welche Bewohner die Herstellung durchführbar ist)
 
 
Motorik
 
Geschicklichkeitsspiele
Tanz
Gymnastik
Fangen, Werfen (z.B. in Verbindung mit Gedächtnistraining)
 
 
Gedächtnistraining
 
Gedächtnisstraining in Form von Sprichwörtern, Singen (alte Volkslieder)
Laienspiel, Aufführungen
 
Anlegen einer Beschäftigungsmappe mit Sprichwortsammlung und Liedtexten.
 
 
Spiele
 
Gesellschaftsspiele (Karten- und Brettspiele)
 
 
Ratespiele
 
(Anfertigung individueller bewohnerorientierter Spiele. Berücksichtigung der Behinderung (z.B. ein großes Kartenspiel für einen Sehbehinderten, ein Memory, dass geeignet ist zum Gedächtnistraining, etc). Erarbeitung einer Beschreibung des Spiels mit Regeln und für welchen Bewohner, damit das Spiel auch von Anderen genutzt werden kann.)
 
 
 
Bedingungen für eine Beschäftigungsmaßnahme in der Lehrprobe oder Prüfung
 
 
Einrichtung der Heilerziehungspflege
 
Zum Beispiel: Wohnheim, WG, Behindertenwerkstatt, Internat, familienentlastender Dienst, etc
 
Klient: körperlich oder geistig behindert
 
Einrichtung der Altenpflege
 
Zum Beispiel Ergotherapie, Physiotherapie, Beschäftigungstherapie, Seniorentreffpunkt, Tagesstätte (Keine Grundpflege)
 
Klient: nur Demenzerkrankte (Demenz gehört zur Altenpflege und Heilerziehungspflege)
 
Pädagogische Einrichtung
 
Zum Beispiel Schulvorbereitende Einrichtung, Integrationskindergarten, SOS-Kinderdorf, Internat, Kinderheim, etc
 
Klient: Behinderung oder von Behinderung bedroht
 
 
Die Beschäftigung
 
- muss klare und erkennbare Förderziele haben
- muss gegliedert sein in Einstieg, Durchführung der eigentlichen Beschäftigung und Ausstieg
- hat eine zeitliche Gliederung (Einstieg 5 - 10 Minuten, Durchführung 25 bis 35 Minuten, Ausstieg 5 - 10 Minuten = Zeit des Einstiegs)
- dauert insgesamt mindestens 40 Minuten und maximal 45 Minuten 
- darf für den Klienten nicht alltäglich sein, sollte etwas Neues und Besonderes sein
- darf keine Über- oder Unterforderung des Klienten sein, muss an seinen Ressourcen und Problemen orientiert sein
- muss altersgerecht sein
- muss mindestens eine lebenspraktische Übung enthalten
- muss mit einer erkennbaren Ergebnissicherung enden
- darf nicht ergebnisorientiert sein (Obstsalat schmeckt!), sondern muss zielorientiert sein (Obstsalat schmeckt nicht wie gedacht, aber die Förderung der Feinmotorik ist gelungen.)
- sollte die Sinne ansprechen und die Wahrnehmung fördern 
 
Die Erfahrung lehrt, dass Klienten, die sehr fit, gut lenkbar und "leicht" zu beschäftigen sind, für eine Lehrprobe oder Prüfung eher ungeeignet sind. "A und O" der Beschäftigungsmaßnahme sind die Förderziele. Was möchte ich fördern bei einem Klienten, der kaum einen oder nur geringen besonderen Förderbedarf hat?
 
 

Jeder Klient hat das Recht, eine Beschäftigung abzulehnen!