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Anatomische Veränderungen

 

Die PTBS wirkt direkt auf das Gehirn ein. Betroffen ist das Limbische System. Das Limbische System in der Mitte des Gehirns umhüllt den Hirnstamm wie ein Saum (Bordüre, Borte, Rand, Saum lat.: limbus). Phylogenetisch (Phylogenese altgr. phýlon „Stamm“ und génesis „Ursprung“)  ist das Limbische System einer der primitiven alten Teile des Gehirns. Es ist vor allem an emotionalen, triebhaften und auch intellektuellen Leistungen des Menschen neben anderen Regionen des Gehirns beteiligt. Betreffs der PTBS interessieren in erster Linie die anatomischen Strukturen Hippocampus und Amygdala.  

 

 

 

 

Dieses Bild wurde durch den Autor, Washington irving, in die Gemeinfreiheit übergeben. Dies gilt weltweit. Washington irving erlaubt jedermann die Verwendung des Werks zu jedem Zweck.

 

Im Hippocampus fließen Informationen verschiedener sensorischer Systeme zusammen, die verarbeitet und zur Großhirnrinde (Cortex) zurückgesandt werden. Der Hippocampus ist zuständig für die Speicherung expliziter Gedächtnisinhalte. Er spielt eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Erinnerungen. Bei Verletzungen oder Schädigungen dieser Hirnstruktur kann die Fähigkeit verloren gehen, neue Informationen aus dem Kurzzeitgedächtnis im Langzeitgedächtnis einzufügen. Das heißt, es kann zwar Neues erlernt werden, aber man weiß nicht, dass man eine neue Fertigkeit erworben hat. Der Hippocampus beeinflusst die räumliche Orientierung. So können sich beispielsweise Menschen mit geschädigtem Hippocampus im Alltagsleben orientieren, sind aber nicht in der Lage, eine Wegbeschreibung abzugeben. Außerdem wirken sich Schädigungen des Hippocampus auch auf Emotionen und vegetatives Nervensystem aus.  
 
Es wurde festgestellt, dass bei PTBS-Patienten der Hippocampus häufig verkleinert, rückgebildet war. Traumata werden dort nicht oder wenig gespeichert. Dadurch gehen Kontextinfos eines Geschehen verloren, die Einordnung in Raum und Zeit ist also nicht mehr möglich. 
 

 

 

 Dieses Bild wurde durch den Autor, Washington irving, in die Gemeinfreiheit übergeben. Dies gilt weltweit. Washington irving erlaubt jedermann die Verwendung des Werks zu jedem Zweck.

 

 

Die Amygdala (abgeleitet von altgriechisch amygdalon = Mandel) wird aufgrund ihrer Form auch als Mandelkern oder lateinisch als Corpus amygdaloideum bezeichnet. In erster Linie besteht ihre Funktion in der Kontrolle der Emotionen und des emotionalen Gedächtnisses. Sie ist eine Schaltstelle im Gehirn zur Stabilisierung der Gemütslage und Steuerung der Agression und des Sozialverhaltens. Ereignisse, die emotional sehr bewegend waren, werden bewertet, analysiert und abgespeichert. Das emotionale Gedächtnis erlaubt das Wiedererkennen von möglichen Gefahren. In diesem Fall verarbeitet die Amygdala externe Impulse und leitet die vegetativen Reaktionen dazu ein. Somit ist sie wesentlich an der Entstehung der Angst beteiligt. Bei Verlust beider Amygdalae wäre ein Angstempfinden nicht mehr möglich, was zum Verlust lebenswichtiger Warn- und Abwehrreaktionen führen würde. Außerdem beeinflusst die Amydala vegetative und sexuelle Funktionen. 

Traumatische Geschehen werden übermäßig in die Amygdala gespeichert, also Speicherung impliziter, affektgeleiteter Gedächtnisinhalte. So werden mit dem Ereignis verbundene Sinnesreize an die Angstreaktion koordiniert. Normalerweise werden bei der Speicherung in der Amygdala das Kontextgedächtnis des Hippocampus mitaktiviert, sodass Situationen durch zeitliche und räumliche Orientierung als neu erkannt werden, von denen keine Gefahr ausgeht.

Aber PTBS-Patienten haben nicht dieses Kontextgedächtnis im Zusammenhang mit dem Trauma. Also können situative Reize nicht gehemmt werden. Benachbarte Regionen vom Amygdala und Hippocampus können zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen werden, unter anderem das Sprachzentrum (beispielsweise Sprachlosigkeit im Schock). Die Folgewirkungen des Traumas richten sich nicht nach der äußeren, also objektiven Intensität des ursächlichen Ereignisses, sondern die innere, also subjektive Wahrnehmung ist ausschlaggebend.

Hat also jemand ein Trauma erlitten, weil sein Haus abgebrannt ist, kann der Anblick des Feuers bei ihm sofort die traumatischen Erinnerungsbilder an das brennende Haus auslösen und die damit verbundene Angstreaktion. Die Erinnerungsbilder können sogar bei gemalten oder stilisierten Flammen auftauchen.

 

 

Konfrontation mit traumarelevanter Info:

 

 

Eingravierte Sinnesfragmente werden durch situative Reize in voller Stärke wiederaktiviert

  • intrusive Erinnerungsbilder
  • Angstreaktion

Normalerweise wird Hippocampus blitzschnell mitaktiviert und erkennt die Situation als neu und nicht bedrohlich. Dadurch werden Amygdala und gerade anlaufende Angstreaktionen ausgebremst. Aber

 

 PTBS-Patienten haben kein Kontextgedächtnis und somit kann die Angst nicht gehemmt oder abgeschwächt werden. 

 

Ein Teufelskreis entsteht, denn das Trauma wird durch die erneuten Angstreaktionen nicht nur vertieft, sondern ein neues Trauma entsteht. Wahrnehmung des traumatischen Ereignisses als gegenwärtige Bedrohung aufgrund:

1. dysfunktionaler Interpretations - Schemata
2. Trauma - Gedächtnis

 

Resultat sind Verhaltensweisen, die die Bedrohung reduzieren sollen, jedoch die Störung aufrechterhalten!
 

 

 

 

Ein Ereignis wie beispielsweise der Verlust des eigenen Hauses und des gesamten Eigentums durch ein Feuer kann ein Trauma auslösen. Doch zufällige Ursachen wie das Abbrennen des Hauses durch Blitzeinschlag, Naturkatastrophen oder beispielsweise ein Autounfall fallen zumeist gelinder aus. Anders verhält es sich bei Traumata, die von Menschen verursacht wurden. Brannte das Haus durch Brandstiftung ab, der Autounfall wurde vorsätzlich herbeigeführt, wird das Trauma tiefgreifender und schlimmer. Vergewaltigung, Folter, Krieg hinterlassen demnach massive Traumata. Besonders schwere Formen der PTBS sind das sogenannte KZ-Syndrom oder das Post-Vietnam-Syndrom (PVS).