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Anton Semjonowitsch Makarenko

 

Anton Semjonowitsch Makarenko, geboren 1888 im ukrainischen Städtchen Belopole (Gouvernement Charkow), gestorben 1939 in einer Eisenbahn auf der Station Golizyno an einem Herzanfall, war ein sowjetischer Pädagoge. Er stammte aus einer Arbeiterfamilie, sein Vater war Anstreicher in den Eisenbahnwerkstätten. Zunächst besuchte er die vierklassige Elementarschule und absolvierte anschließend eine einjährige Ausbildung zum Volksschullehrer. Ab 1905 arbeitete er als Lehrer an der Zwei-Klassen-Schule der Eisenbahnwerkstätten in Krjukov. 1914 bis 1917 besuchte er das Lehrinstitut in Poltawa. Anschließend war er bis 1919 an der gehobenen Eisenbahnelementarschule in Krujkow stellvertretender Direktor. 

Nach dem I. Weltkrieg und der Oktoberrevolution gab es in der Sowjetunion Millionen verwahrloster Kinder und Jugendliche, die sich bettelnd, prostituierend oder mit Kriminalität durchschlugen. Die Sowjetunion versuchte auf diese Situation mit Resozialisierungsprogrammen zu reagieren. So verpflichtete sich der Staat, Kinder bis zum 16. Lebensjahr kostenlos zu ernähren.Dennoch verschlimmerte sich die Situation der Kinder und Jugendlichen, zum Beispiel durch eine Hungersnot 1921, der schätzungsweise fünf Millionen Menschen zum Opfer fielen. 1922 galten nach amtlichen Schätzungen sieben bis neun Millionen Kinder als eltern- oder obdachlos. Dem standen etwa eine halbe Million traditionell geführter Heimplätze gegenüber, teilweise im verheerenden Zustand. Erst Ende der 30iger Jahre bekam die Sowjetunion das Problem der Kinderverwahrlosung halbwegs in den Griff. Makarenko leistete dazu einen wesentlichen Anteil.

Er, der seine Schule und Ausbildung stets mit Auszeichnungen beendete, war bereits durch seine Arbeitsweise als Pädagoge aufgefallen. 1920 gründete er die Gorkij-Kolonie. Die Gorkij-Kolonie wurde nach dem bekannten Schriftsteller Maxim Gorki benannt, mit dem Makarenko jahrelang freundschaftlich verbunden war. In der Gorkij-Kolonie wurden verwahrloste Kinder und Jugendliche aufgenommen. Später beschrieb er das Leben in dieser Kolonie, die er bis 1928 leitete, in dem Buch „Ein pädagogisches Poem – Der Weg ins Leben“. Ab 1928 übernahm er die Arbeitskommune „Felix Dzierzynski“, über die er ebenfalls ein Buch schrieb, wodurch er 1934 in den russischen Schriftstellerverband aufgenommen wurde. 1935 wurde er stellvertretender Leiter der Abteilung Arbeitskolonnien der ukrainischen Sowjetrepublik. Ab 1936 arbeitete er als freier Schriftsteller, veröffentlichte über 60 Publikationen, zumeist mit sozialpolitischen und pädagogischen Inhalten, und erhielt 1939 den Rotbanner-Orden der Sowjetunion in dieser Funktion, obwohl er und sein Werk sehr umstritten und massiver Kritik ausgesetzt war.

Die Gorkij-Kolonie wich von der traditionellen Pädagogik der damaligen Heime ab. In der Kolonie lebten hauptsächlich verwahrloste, auch straffällig gewordene Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von zehn bis zwanzig Jahren. Auch Mädchen waren dort untergebracht, allerdings in der Minderheit. Aufnehmen konnte die Gorkij-Kolonie nicht jeden Anwärter, weil er zum Beispiel zu aggressiv war. Makarenko entwickelte und erprobte dort eine Kollektiverziehung. Das Kollektiv war für Makarenko ein wesentlicher Bestandteil zur Erziehung einer sozialistischen Persönlichkeit. In einem Kollektiv waren Menschen zusammengefasst mit einem gemeinsamen Ziel, das Kollektivziel, Durch gemeinsame Arbeit sollte das Kollektivziel erreicht werden.   

Die Pädagogik sollte den sozialistischen Menschen fördern, der als zufriedener Mensch ein Einzelziel daran ausrichtet, als produktives Mitglied seines Kollektivs, in das er sich nach besten Können zum Wohle aller wirtschaftlich kulturell und persönlich einbringt, dieses Kollektivziel zu verwirklichen. Sein Kollektiv sollte er als Teil des großen Kollektivs der sozialischen Gesellschaft, des sozialistischen Staates begreifen. Die Pädagogik war für Makarenko eng mit Politik, Ökonomie und Ideologie verknüpft, die wechselseitig aufeinander einwirken und daher auch ständige Veränderungen und Anpassungen erfordern, sodass pädagogische Methoden und Mittel konzeptionell sein müssen. 

Damit wollte Makarenko allerdings keinen Einheitsmenschen schaffen, der sich roboterhaft dem Kollektiv unterordnet. Dem Individuum gestand er individuelle Einzelziele zu. Für ihn war das Kollektiv ein sozialer Verbund, der seine Mitglieder auch in ihrer Individualität so fördert, dass das Kollektiv durch den Einzelnen bereichert und dadurch noch erfolgreicher wird. 

Das Kollektiv war der Rahmen, die Orientierung für seine Mitglieder durch feste Regeln, Traditionen, Disziplin, seine Zielsetzung und festen Aufgabenbereiche. Die Organisation, Zielsetzung, Inhalte des Kollektivs war von allen Mitgliedern entwickelt und mitbestimmt. Jeder Kollektivangehöriger hatte Sicherheit, weil sein Kollektiv in der Lage war, die Interessen seiner Mitglieder nach außen zu vertreten. Somit war das Kollektivziel als oberstes Ziel für jedes Individuum nachvollziehbar, zumal Makarenko darauf bestand, dass es nur ein freiwilliges Kollektiv geben kann. Das Prinzip der Unterordnung und der Verantwortlichkeit beschrieb Makarenko als einen Grundsatz des Kollektivs, in dem alle Mitglieder sich selbst und dem Anderen gegenüber verantwortlich sind. Makarenko sah übrigens auch eine Familie als Kollektiv an. 

Die kollektive Erziehung unterschied sich massiv von den traditionellen Erziehungsstilen, in denen der Lehrer die alleinige Verantwortung für die Erziehung des Schülers hatte. Die Schüler erzogen sich gegenseitig durch die geforderte Verantwortlichkeit. Neue Kollektivmitglieder kamen in die Obhut erfahrener Kolonisten. Das Kollektiv organisierte sich selbst, hatte starke Entscheidungsbefugnisse und erzog in erster Linie seine Mitglieder selber.

Der Lehrer rückte mehr und mehr in den Hintergrund und nahm innerhalb des Kollektivs eher eine Rolle des freundschaftlichen Beraters ein. Er ernannte Kommandeure auf Vorschlag des Kollektivs, machte bei Strafen des Kollektivs seinen Einfluss geltend und vertrat das Kollektiv nach außen. In der Gorkij-Kolonie herrschte eine raue, aber herzliche Atmosphäre und es zeigte sich bald, dass die vorher als asozial geltenden Jugendlichen sehr wohl in der Lage waren, in das Kollektiv sich einzufinden und für jüngere Kolonisten Verantwortung zu übernehmen.

Die damalige Situation in der Sowjetunion zwang zum Umdenken in der Erziehung. Makarenko hatte „in dieser Stunde Null“ keine Vorbilder für sein Erziehungskonzept. Er entwickelte es durch Beobachtung der Zöglinge und durch die Erfarungen, die er mit ihnen machte. Zu Lebzeiten wurden seine Publikationen stark kritisiert, seine praktische Tätigkeit anerkannt. Nach seinem Tode fanden auch seine pädagogischen Schriften breite Anerkennung.

Mit Glasnost und offenen Grenzen wurde Makarenko auch in nichtsozialistischen Ländern zunehmend bekannt und besonders für die Heilerziehungspflege interessant.

Bewohnergruppen sollten in stationären Einrichtungen sorgfältig ausgesucht und gebildet werden.
Das Prinzip der Unterordnung und der Verantwortlichkeit soll übertragen werden.
Werden die Ressourcen und Probleme ausreichend berücksichtigt, können die Bewohner sich gegenseitig umfangreich zu einem tragbaren Verhalten erziehen. 
Gemeinsamkeiten und gemeinsame Ziele sollen die Bewohnergruppen stärken.
Die Bewohnergruppen sollen größtmögliche Autonomie entwickeln.
Der Heilerziehungspfleger soll sich soweit wie möglich in der Rolle des Aufsehers zurücknehmen und stärker die Rolle des freundschaftlichen Beraters ausfüllen.


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