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Übersicht

1. Apoplex  2. Ursachen  3. Risikofaktoren  4. "Warnzeichen" Symptome  5. Pflegerische Ziele und Maßnahmen

6. Bobath-Konzept  7. Lagerung nach Bobath  8. Positionierung  9. Aufsetzen "en bloc"  10. Basal stimulierende Ganzkörperwäsche bei Hemiplegie

 

Apoplex (Schlaganfall, Insult, Hirnschlag)

 

 

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Ursachen:

 
Gefäßverschluss oder  Verschleppung von Blutgerinnseln in die Gehirngefäße (etwa 80 % aller Schlaganfälle, sogenannter Ischämischer Infarkt )
Hirnblutungen  (knapp 20 %, sogenannter hämorrhagischer Hirninfarkt)
Sehr selten Entzündungen der Gefäßwand
 
Die Gehirnzellen in angrenzenden Teilen des Gehirns werden, egal welche Ursache, nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt  und sterben ab.
 
Risiko für einen Apoplex (auf Deutschland bezogen)
 
55 bis 65 Jahre = circa 300 von 100.000 Menschen
65 bis 74 Jahre = circa 800 von 100.000 Menschen
 
Mit zunehmenden Alter steigt das Risiko, in seltenen Fällen können aber auch jüngere Menschen und sogar Kinder betroffen sein.
 
  • Apoplexe sind die häufigste Ursache von dauerhafter Behinderung
  • Apoplexe sind die dritthäufigste Todesursache nach dem Herzinfarkt und bösartigen Tumoren
  • 30% der Überlebenden sind dauerhaft pflegebedürftig
  • Volkswirtschaftlich ist der Apoplex die teuerste Erkrankung aufgrund enormer Behandlungs- und Pflegekosten

 
 
  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Rauchen
  • Adipositas (Übergewicht)
  • Hohe Blutfettwerte (Cholesterin und Triglyzeride)
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • östrogenhaltige Verhütungsmittel
  • Herzerkrankungen wie Vorhofflimmern, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkte, Herzklappenfehler.
  • Bluterkrankungen
  • Lebererkrankungen
  • Gefäßmissbildungen 
  • Veränderungen der Blutgefäße
  • Bewegungsmangel
  • Diabetes mellitus
  • Stress
  • Depressionen
 

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Häufig im Vorfeld leichtere Symptome wie kurzzeitige Sprachstörungen, Gedächtnisverlust, Sehstörungen, Missempfindungen, kurz andauernde Lähmungserscheinungen, Schwindel und/oder Kopfschmerzen, die häufig nicht ausreichend beachtet werden, da sie sich schnell zurückbilden. Dafür verantwortlich sind vorübergehende Durchblutungsstörungen des Gehirns, auch bezeichnet als TIA (Transitorische ischämische Attacke). Diese „Warnzeichen“ schädigen bereits auch das Gehirn.
 
Symptome:
 
Die Bewegung einer Körperhälfte wird von einer Gehirnhälfte gesteuert. Die linke Gehirnhälfte steuert die rechte Körperseite, die rechte Gehirnhälfte steuert die linke Körperseite. Je nachdem, in welcher Hirnhälfte der Apoplex auftritt, kommt es auf der gegenüberliegenden Körperseite zu einer Hemiparese (halbseitige unvollständige Lähmung) oder einer Hemiplegie (halbseitige vollständige Lähmung).  Das heißt, dass auf dieser Körperhälfte der Mundwinkel herabhängt und die Gliedmaßen erschlaffen. Ob Hemiparese oder Hemiplegie und der Grad einer Lähmung (leichte Taubheit oder Schwäche bis zur vollständigen Bewegungsunfähigkeit) richtet sich nach Zahl der betroffenen Gehirnzellen. 
 
 
Spastiken treten häufig Wochen nach dem eigentlichen Apoplex durch eine erhöhte Spannung in den Muskeln der gelähmten Gliedmaßen auf. Die physiotherapeutische Behandlung ist entscheidend, ob und in welchem Umfang eine Spastik auftritt.  
 
Die Empfindungsfähigkeit auf der gelähmten Seite ist beeinträchtigt. Das äußert sich in Schweregefühlen, Kribbel- oder Taubheitsgefühlen und/oder dem Verlust der Wärme- oder Kälteempfindlichkeit der Haut. Häufig wird der gelähmte Teil des Körpers als nicht mehr dazu gehörig empfunden. 
 
Das Sprachzentrum liegt beim Rechtshänder in der linken Gehirnhälfte und des Linkshänders in der Rechten. Ist das Sprachzentrum betroffen, kann sich eine Aphasie bilden. Eine Aphasie bedeutet Sprachverlust oder Sprachstörung. Sprachverständnis, aber auch die Produktion der Sprache können gestört sein. Die Sprachstörungen gehen von leichten Wortfindungsstörungen bis zum vollständigen Verlust der Sprache.
 
Häufig treten auch Schluckstörungen (Dysphagien) auf. Das kann sich in gelegentlichem Verschlucken äußern, im schlimmsten Fall ist eine orale Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich. Es besteht die Gefahr einer Aspirationspneumonie. 
 
Kognitive Störungen treten oftmals auf wie Defizite in der Aufmerksamkeit, der Erinnerung, Lernen, Kreativität, Planen oder Orientierung. Eine schwerwiegende Folge ist die Apraxie, die eine Störung der Ausführung willkürlicher zielgerichteter und geordneter Bewegungen bezeichnet. Betroffene sind dann nicht oder nur unter großen Bemühungen in der Lage, komplizierte Bewegungsabläufe zu vollführen. Das Anziehen eines Pullovers bereitet beispielsweise Probleme, weil die Fähigkeit fehlt, die notwendigen Bewegungen im Gehirn zu entwerfen und Einzelbewegungen zu einem flüssigen Ablauf zusammenzusetzen.
 
Psychische Veränderung wie Labilität, Aggressivität, Anzüglichkeit, Rückzug, gesellschaftliche Isolierung, Depressionen, gestörtes Selbstbewusstsein oder Selbstwertgefühl sind häufige Folgen.
 
Ein Apoplex kann auch chronische Kopfschmerzen auslösen und/oder anhaltende Übelkeit und Erbrechen. Ein schwerer Apoplex führt zu Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit bzw Koma. 
 
 

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  • Vermeidung der Risikofaktoren durch eine gesunde Lebensführung, Einstellung des Rauchens, Gewichtsreduktion bei Adipositas, normale Blutfett- und Blutdruckwerte, Bewegung
  • Anwendung vom Bobath-Konzept und dadurch Regulierung des Muskeltonus, Förderung der funktionellen Bewegung und Wahrnehmung auf der mehr betroffenen Seite
  • Sekundärerkrankungen vermeiden durch exakte Durchführung der Prophylaxen
  • Angemessene Unterstützung bei den AEDL´s

 

Zusammenfassung: Schlaganfallpatienten sind in den verschiedensten Bereiche verändert: Motorik, Sensorik, vegetatives System (Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Funktionen ) und Psyche. Reize der betroffenen Seite werden nicht oder nur schwach wahrgenommen. Betroffene leiden unter Konzentrationsschwäche, Affektstörungen und zum Teil an Depressionen. Lähmungen können schlaff bleiben oder zu einer Spastik (schmerzhafter Muskelkrampf) werden.

 

 Die Skizze einer linken Gehirnhälfte zeigt sehr grob, in welchen Arealen bestimmte Funktionen sind.  

 

Linke Hirnhälfte: rechtsseitige Lähmung. Sprachstörungen (Wortfindungsstörungen, aber auch totaler Sprachverlust).

  

Rechte Hirnhälfte: linksseitige Lähmung. Schwierigkeiten, sich räumlich oder zeitlich zu orientieren.  

 

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Bobath-Konzept 

„Bewegung wird eigentlich nicht gelehrt. Vielmehr soll das Gefühl für Bewegung vermittelt werden, und zwar so alltagsnah wie möglich.“ (Zitat: Berta Bobath)

 

Vor dem  
Bobath-Konzept
Bobath-Konzept  
zu Beginn 1940  
Bobath-Konzept in der Entwicklung ab 1978   Bobath-Konzept ab 1986

Spastizität durch Apoplex ist unveränderlich.

Trainieren der "gesunden Kör-perseite" im Sinne von Kräftigung und Geschicklichkeit

Versorgung der betroffenen Körperseite mit Hilfsmitteln für Arm und Bein (z.B. Schienen). 

Krankengymnastin Berta Bobath entdeckte, dass bei bestimmten Lagerungen die Spastizitäten verschwanden.
Arbeiten mit reflexhemmenden Ausgangsstellungen ermöglicht das Anbahnen von Bewegung. Ihre Überlegung: Ein Patient mit Zustand nach Apoplex hat keine gesunde Seite. Wahrnehmungsstörungen führen zu Schwierigkeiten in der Bewegung.  

Ihr Mann Karel Bobath, Neurologe, untermauerte die neurophysiologischen Grundlagen des Konzepts.

Hemmung der abnormalen Reaktionen durch Erleichterung normaler Bewegungen.

Erarbeitung eines angepassten Muskeltonus, Anbahnung physiologischer Bewegungsabläufe und Verbesserung der Körper-Wahrnehmung.

Wiedererlernen verlorener Bewegungsfähigkeiten.

Behandlungsansatz: 

Problemorientiert  
Prozessorientiert
Ganzheitlich
24-Std.-Konzept
fachübergreifend

Nicht geschädigte Bereiche des Gehirns nutzen, da Gehirn lebenslang lernfähig ist.

Konzept: kein starres Rezept! Veränderbar! Anpassbar!

 

 

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Lagerung nach Bobath

> Hemmung bzw. Vermeidung von Spastizität
> Korrektur von Fehlhaltungen
> Stimulation der betroffenen Körperhälfte bei Hemiplegie
> Kontrakturenprophylaktisch wirksam
> Förderung der Selbständigkeit des Patienten

 

Angezeigt bei

 > Folgen eines Schlaganfalls
> Folgen anderer Gehirnverletzungen mit Lähmungen
 

Gelähmte Körperteile

> entwickeln häufig nach wenigen Tagen oder Wochen eine Spastik

 

Fördernd wirken:

> Druck auf den Fußballen
> große Anstrengung und Überforderung
> Patientenaufrichter
> keine Spitzfußprophylaxe

  > Lagerungshilfsmittel weich und großflächig
  > gleichmäßige Druckverteilung auf gesamte Fußsohle

 

Lagerung:

> kontinuierlich im 24-Stunden-Rhythmus
> ca. 2-stündiger Wechsel


  > Rückenlage
  > 90-Grad-Seitenlage rechts
  > 90- Grad-Seitenlage links

 

Lagerungsplan!

 

 

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Positionierung:

Beide Rumpfseiten sollten möglichst gleich sein. Becken auf der betroffenen Seite durch Kissen stabilisieren.

Patient sollte so wenig wie möglich im Rollstuhl sitzen.

Patient muss die Tischkante an seinem Rumpf spüren (geschützt durch ein Kissen).

Beide Arme, wenn möglich auf dem Tisch lagern.

Lässt es sich nicht vermeiden, dass der Patient während der Mahlzeiten im Rollstuhl sitzt, unbedingt das betroffene Bein von der Fußstütze nehmen!

Kopfteil des Bettes möglichst nicht erhöhen! Patient rutscht nach unten, Druck auf die Füße löst Spastiken in der Wadenmuskulatur aus. Der Thorax wird eingeengt und damit die Atmung eingeschränkt. Die Lendenwirbelsäule kann geschädigt werden.

Keine Schienen oder Gegenstände in die betroffene Hand! Forcieren Spastizität. Schienen verursachen Ödeme.

Den Patienten parallel zur Bettkante lagern! Dadurch Hemiplegiker Orientierung geben, da dieser eine durch den Schlaganfall verschobene Körpermittelachse hat.

Keine Spitzfußprophylaxe im Bett (Bettkästchen, eingeschlagene Decken, Sandsäckchen etc.)! Löst Spastik in den Wadenmuskeln aus.

 

 

 

   

 

 

 

Schulter: 

 Schlaffe Muskulatur kann Gewicht des Armes nicht halten
 Kein Zusammenspiel zwischen Oberarm und Schulterblatt
 Der Oberarmkopf rutscht aus der Gelenkpfanne 
 Fehlstellung des Schulterblattes


Eine ausgerengte Schulter ist nicht schmerzhaft,
aber höchst verletzbar!


Therapiebedingter Schulterschmerz durch Überschreiten der Schmerzgrenze wird durch Schmerzmittel beeinflusst.

 

Gebrauch falscher Therapieansätze wie z.B.

 falsche Lagerung (Armlagerung auf Antirutschfolie) 
 Fingerverschränken beim Aufstehen
 endgradiges passives Durchbewegen

 

Folgen von Schulterschmerz:

 Mangelnde Konzentration 
  Ablenkung 
 Mangelnder Lernerfolg 
 Handikap in Alltagsabläufen 
 Beeinträchtigung des Gleichgewichts

 

Spastizität der Handinnenmuskulatur

 Finger der hemiplegischen Hand nie aufbiegen (Führt zur verstärkten Kontraktur der gewaltsam gedehnten Muskeln in der Handinnenfläche) 
 Schienen oder Gegenstände in der betroffenen Hand fördern die Spastik
 Lösung der Spastizität der Handinnenmuskulatur durch Lagerung

 

Der Hemiplegiker sollte frühzeitig im Umgang mit seiner Hand geschult werden.

Leichte Massage mit einer Lotion oder Massageöl der Handinnenflächen, Fingerzwischenräume und Fingerausstreifen. 

 

 

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Aufsetzen "en bloc"

 

1. Flache Rückenlage mit gebeugten Knieen

2. Drehung

3. Unterschenkel über die Bettkante, weniger betroffenes Bein führt das mehr betroffene Bein

4. Mit dem weniger betroffenen Arm in Sitzposition stemmen

5. Unterstützung

 

 

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 Basal stimulierende Ganzkörperwäsche bei Hemiplegie

 

 

 Reizverstärkung

 raue Waschlappen (Frotteesocken) oder Handtücher

 

Wahrnehmungsverstärkung der Körperkonturen 

 etwas Druck beim Waschen, in der Mitte Druck verstärken

 Beginn Gesicht, Abschnitt für Abschnitt langsam streichen

 

Orientierung

 Prinzipiell Ansage: „Jetzt wasche ich Ihre...........“

 

Aktivierung

 Bewohner möglichst Bewegungen alleine durchführen

 wenn erforderlich, Hand des Bewohners führen