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ATL = Aktivitäten des täglichen Lebens

 
 

Liliane Juchli, geb. 1933 in Baden/Aargau, Schweizer Krankenschwester und Lehrerin für Krankenpflege („Thiemes Pflege“) übertrug Virginia Hendersons Konzept der "Activities of daily living" und erweiterte es um das Sterben als ebenfalls sinnstiftend im Alltag. 

 

 

ATL´s

1.   Wach sein und schlafen 
2.   Sich bewegen 
3.   Sich waschen und kleiden 
4.   Essen und Trinken 
5.   Ausscheiden 
6.   Körpertemperatur regulieren 
7.   Atmen 
8.   Für Sicherheit sorgen 
9.   Raum und Zeit gestalten, arbeiten und spielen 
10. Kommunizieren 
11. Kind, Frau, Mann sein 
12. Sinn finden im Werden, Sein, Vergehen (auch: Lebenssinn, 
      Sinnkrise, sterben)

 

 

AEDL = Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens 

 

 

Monika Krohwinkel, geboren 1941 in Hamburg, Krankenschwester und Hebamme, Lehrkraft, ab 1993 Professorin für Pflege, erweiterterte das Konzept von Liliane Juchli um existentielle Erfahrungen. 

 

 

AEDL´s

 

1.   Kommunizieren 
2.   Sich bewegen 
3.   Vitale Funktionen des Lebens aufrecht erhalten 
4.   Sich pflegen 
5.   Essen und Trinken 
6.   Ausscheiden 
7.   Sich kleiden 
8.   Ruhen und schlafen 
9.   Sich beschäftigen 
10. Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten 
11. Für eine sichere Umgebung sorgen 
12. Soziale Bereiche des Lebens sichern 
13. Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen 
 · die Existenz gefährdende Erfahrungen 
 · die Existenz fördernde Erfahrungen 
 · Erfahrungen, welche die Existenz fördern oder gefährden

 

Beide Modelle sind sogenannte Bedürfnismodelle. Das heißt, im Mittelpunkt dieser Pflegemodelle steht die Befriedigung der Grundbedürfnisse (davon hängt Wohlbefinden, im Extremfall das Weiterleben ab) des Klienten. Es wird davon ausgegangen, dass Pflegebedürftige ihre Grundbedürfnisse nicht selbst befriedigen können, also müssen Pflegende die Bedürfnisse erkennen und befriedigen. 

Die ATL´s und AEDL´s sind die zur Zeit dominierenden Pflegemodelle in Deutschland. Mit der unterschiedlichen Wichtung schien es lange Zeit, dass sich das Pflegemodell der AEDL´s durchsetzt. Durch die kurzen Verweilzeiten in den Krankenhäusern rückte das Pflegemodell der ATL´s in der Krankenpflege wieder verstärkt in den Mittelpunkt.

  

ABEDL

 

Aktivitäten, Beziehungen und Existenzielle Erfahrungen des Lebens

 

 

Monika Krohwinkel entwickelte 1999 das Pflegemodell der ABEDL. Sie ging davon aus, dass die Sichtweise der Pflegenden zu problemorientiert sei. Es müsse eine andere Sichtweise entwickelt werden: Was können die Menschen, welche Erfahrungen bringen sie mit usw.? Daher sollte die Infosammlung fähigkeitsorientiert sein und die Pflegeplanung sich an den Problemen orientieren.
 
Das Handlungssystem umfasst drei Kategorien, denen die 13 ABEDL zugeordnet sind: 
 
I. Primäres pflegerisches Interesse:
  • gerichtet auf pflegebedürftige Person und wichtigste Bezugspersonen mit Sicht auf Fähigkeiten, Bedürfnisse und Problemen in den AEDL`s
  • das Rahmenmodell definiert handlungsorientierend das primäre pflegerische  Interesse fördernder Prozesspflege und die entsprechenden Zielsetzungen
  • Einbeziehen von primären Einflussfaktoren ins pflegerische Interesse: Lebens-  und Entwicklungsprozesse, Umgebung, Lebensverhältnisse, Gesundheits-  und Krankheitsprozesse, externe Ressourcen und Defizite
 
II. Primäre pflegerische Zielsetzung:
 
  • Zielsetzung ist Erhalten, Erlangen, Wiederherstellen der Unabhängigkeit, Wohlbefinden und Lebensqualität
 
III. Primäre pflegerische Hilfeleistung:
 
  • mit Gepflegten und ihren Bezugspersonen fördernd kommunizieren
  • sie individuell und in ihrem Beziehungssystem ermutigen
  • sie unterstützen, anleiten, beraten und fördern.
 
Die Kategorien müssen zueinander in Beziehung gesetzt werden und die ABEDL´s werden zugeordnet. Die ABEDL`s und ihre Wechselwirkungen sind im Vordergrund. 
 

 

 

Kategorie 1: 

Lebensaktivitäten realisieren können

  1. Kommunizieren 
  2. Sich bewegen 
  3. Vitale Funktionen aufrechterhalten
  4. Sich pflegen 
  5. Sich kleiden
  6. Ausscheiden
  7. Essen und trinken
  8. Ruhen, schlafen, sich entspannen
  9. Sich beschäftigen, Lernen, sich entwickeln
  10. Die eigene Sexualität leben
  11. Für sichere und fördernde Umgebung sorgen

 

Kategorie 2: 

12. Soziale Kontakte und Beziehungen aufrecht erhalten können 

mit Zusatzerklärungen:

  1. in Kontakt sein und bleiben
  2. Mit belastenden Beziehungen umgehen
  3. Unterstützende Beziehungen erhalten, erlangen, wiedererlangen

 

Kategorie 3: 

13. Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen und sich dabei entwickeln können 

mit Zusatzerklärungen:

  1. Fördernde Erfahrungen machen
  2. Mit belastenden Erfahrungen umgehen
  3. Erfahrungen welche die Existenz fördern oder gefährden unterscheiden
  4. Lebensgeschichtliche Erfahrungen einbeziehen
 
 

Kritik

Prof. Krohwinkel vergab an eine einzige Firma, GODO Systems GmbH, die Lizenz für Dokumentationssysteme und Formulare. Diese Firma sollte auch die Schulung des Pflegepersonals übernehmen. Für Prof. Krohwinkel war eine gute Schulung mit dem neuen Pflegemodell ausschlaggebend. Viele Pflegeeinrichtungen lehnten aber die Einführung der ABEDL ab, weil sie sich nicht dazu zwingen lassen wollten, ihren Anbieter zu wechseln und fürchteten eine Monopolstellung der Firma GODO Systems GmbH.

Eine weitere Kritik ist ihre Einteilung in Ressourcen und Fähigkeiten. Diese Einteilung empfanden viele Pflegende als verwirrend.

Dazu kam die Kritik, dass viele Pflegende bemängelten, dass jetzt bereits der Aufwand für Dokumentationen zu groß sei, wodurch Zeit für direkte Pflegetätigkeiten beim Klienten verloren ginge. Ihrer Meinung nach würde die Pflegequalität nicht steigen, indem die Dokumentationen weiter aufgebläht werden, sondern eher sinnvoll verringert. Dazu käme, dass die psychosoziale Betreuung derart individuell sei, dass man es nicht sinnvoll als Checkliste bearbeiten könne.