Suchprogramme, HTTP-Protokoll"> Berufsfachschule für Sozialpflege
 
 
 
 
 
 
 

Beratungsarbeit

Angesichts der demographischen Entwicklung in Deutschland wird sich das Berufsbild der Pflege, insbesondere Altenpflege, ändern müssen, bzw neue Berufsbilder entwickeln. Doch bisher wird darauf in der Pflegeausbildung wenig eingegangen. 

Schwierigkeiten in der Beratungsarbeit ist die Vielfalt der Beratungsangebote und oft das fehlende Wissen der Ratsuchenden, um das richtige Angebot zu finden. Flyer oder andere Hinweise sollten daher Umfang und Leistung der Beratungsarbeit kurz, aber möglichst präzise formulieren.

Oftmals haben Klienten, besonders alte Menschen, Vorbehalte gegen eine Beratung. Zum einen durch persönliche Erfahrungen mit der "Bürgerferne" sozialer Verwaltungen, zum anderen durch individuelle Vorraussetzungen wie Scham, Ängste, Bevormundung, Isolation, etc.

 
Eine Beratung von Hilfesuchenden oder Angehörigen "zwischen Tür und Angel" ist unangebracht und unprofessionell. Dazu kommt, dass eine derartige "Beratung" nicht überprüfbar ist und bei Streitigkeiten Aussage gegen Aussage steht. Eine Beratung im "Vorbeigehen" könnte auch nicht nachweisen, dass Schweigepflicht und Datenschutz gewahrt blieben.
 
Vorraussetzungen für ein gutes Beratungsgespräch:
 
  • Für ein Beratungsgespräch sollte ein ruhiger Raum zur Verfügung stehen mit ausreichenden Sitzgelegenheiten.
  • Die Einrichtung des Raumes sollte eine freundliche, aber auch sachliche Atmosphäre vermitteln. Das ist besonders wichtig für schwierige Gespräche, um Emotionen zu senken und eine objektive und sachliche Auseinandersetzung zu ermöglichen.
  • Der Raum muss über ein Telefon und PC mit Internetzugang verfügen zur Vernetzung, aber auch um nötige Informationen sofort abrufen zu könen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass keine Anrufe während des Beratungsgespräches durchgestellt werden und auch sonstige Störungen unterbleiben. 
  • Der Berater muss ausreichend Zeit einplanen. Unter Zeitdruck werden wichtige Aspekte nicht einfließen und das Beratungsziel kann dadurch nicht erreicht werden.
 
Vorbereitung eines Beratungsgespräches:
 
  • Es sollte immer für das Beratungsgespräch ein Termin vereinbart werden, der auch telefonisch vereinbart werden kann.
  • Der Beratungstermin sollte immer zeitnah erfolgen. Der Beratungsbedarf tritt oft unerwartet ein oder wurde lange verdrängt. Meistens sind die Ratsuchenden unter erheblichen Zeitdruck.
  • Dabei sollte sich der Berater bereits Notizen machen. So kann man sich auf das Beratungsgespräch vorbereiten und der Ratsuchende weiß, dass man informiert ist und beim Erstkontakt nicht "mit dem halben Ohr" hinhörte.
  • Auch wenn ein Angehöriger eine Beratung wünscht, sollte der Berater darauf bestehen, dass der Betroffene in der Regel im Beratungsgespräch zugegen ist. Eine Beratung "über den Kopf hinweg" des Klienten fördert bei diesem Misstrauen, Ängste und er ist nicht mehr zur Zusammenarbeit bereit, was das Beratungsziel im Ansatz infrage stellt.
 
Persönliche Vorraussetzungen des Beraters:
 
Der Beratende benötigt umfangreiche Fähigkeiten: Fachkompetenz, soziale Kompetenz und kommunikative Kompetenz. Außerdem sollte er gut vernetzt sein, um weiterführende Hilfs- und Beratungsangebote anbieten und entsprechend die Medien nutzen zu können.
 
Gegenüber dem Ratsuchenden sollte er wertschätzend, respektvoll, empathisch und kongruent auftreten.

"Bürgernähe" bedeutet nicht Kumpanei. Ein allzu vertraulicher Ton ist unpassend. Eine Versachlichung dient der Erkennung des Problems. 

Bevormundung oder Vorwürfe drängen den Ratsuchenden in die Ecke und lassen die Beratung scheitern.

 
 
Vier Phasen der Beratung
 
1. Phase Begrüßung: Beim Beratungsgespräch fühlen sich die Hilfesuchenden mit ihrem Problem ernst genommen, wenn der Berater sie mit Namen begrüßen kann. Dass er auch sofort das Problem benennen kann, zeigt den Hilfesuchenden sein Interesse und baut zu Beginn des Gespräches eine Vertrauensbasis (nicht gemeint vertraulich) auf.
 
2. Phase Bedarfsermittlung: Mit offenen Fragen werden die nötigen Informationen für das Beratungsgespräch gesammelt. Durch offene Fragen erfährt der Berater die Wünsche und Meinungen der Hilfesuchenden, gibt aber das Gespräch auch teilweise ab. Hier muss besonders aktiv zugehört werden und gleichzeitig darauf geachtet werden, dass das Gespräch nicht entgleitet und die Gesprächsführung bestehen bleibt. Offene Fragen sind die "W-Fragen" (Was? Wie? Wo? Wann? Welche? Wessen? Wer? Weshalb? Wofür?). Die wesentlichen Aspekte müssen zum Abschluss der zweiten Phase zusammengefasst werden und bilden die Grundlage der eigentlichen Beratung.
 
3. Phase Beratung: Auf Grundlage der 2. Phase werden Lösungsangebote erarbeitet, Einwände, Ängste, Gegenargumente analysiert. In dieser Phase ist besonders der Berater gefragt. Er muss den Hilfesuchenden kompetent begleiten auf der Suche nach Lösungswegen.
 
4. Phase Beratungsziele: Der Abschluss des Beratungsgespräches umfasst eine Zusammenfassung des Gespräches, der Ergebnisse, Lösungen und Zielsetzungen. Ergebnisse und Zielsetzungen sollten schriftlich niedergelegt werden, möglichst mit einer Kopie für den Hilfesuchenden. Die Ziele müssen unbedingt realisierbar sein. Lieber Nahziele setzen als ein Fernziel, was den Hilfesuchenden entmutigt, weil er es als nicht erreichbar begreift. Ein neuer Termin zur Überprüfung der Ziele wird vereinbart. Zum Schluss sollte nocheinmal abgeklärt werden, ob wirklich alle Fragen gelöst werden konnten und ein Feedback wird eingeholt. 
 
Beratungsziele
 
Ein Beratungsgespräch ist dann erfolgreich verlaufen, wenn der Hilfesuchende ein gutes Gefühl zum Abschluss hat, sich ernst genommen fühlt und aus seiner Hilflosigkeit herausfindet. Das heißt, dass ein wesentlicher Punkt im Beratungsgespräch nicht unbedingt die Lösung des Problems ist, also das Anbieten eines "Patentrezeptes". Vielmehr sollen dem Hilfesuchenden Wege und Möglichkeiten aufgezeigt, seine Ressourcen geweckt und gestärkt werden.
 
Hilflosigkeit verunsichert, überfordert, macht orientierungslos und handlungsunfähig. Im Beratungsprozess soll der Hilfesuchende sich weiterentwickeln, sich verändern, sodass er sein Problem und auch kommende Probleme besser integrieren, copings entwickeln kann. Daher auch lieber mehrere Beratungstermine einplanen und Nahziele setzen. Wenn der Hilfesuchende erfolgreich mehrmals diese kleinen Ziele erreicht hat, hat er für sich Lösungsstrategien entwickelt, dass er schließlich sein Problem alleine lösen kann und seine Unabhängigkeit vom Berater bewahrt.     
 
 
 
Die Beratung zur Pflege ist kein Akt der reinen Nächstenliebe, sondern nach § 7a SGB XI ist die Pflegeberatung abrechenbar. Der Hilfesuchende hat einen Anspruch auf individuelle Beratung. Dabei ist es unerheblich, ob er die Leistungen des Beratenden annimmt. Erhält er die Beratung bei einer Pflegeambulanz, muss er nicht die Dienste dieser Pflegeambulanz in Anspruch nehmen. Die Pflegeambulanz ist zur objektiven Beratung verpflichtet. Eine Beratung ist kein "Verkaufsgespäch". Aus der Beratung kann also niemand einen Vorteil für sein Unternehmen ziehen.