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Christliche Bestattungskultur in Deutschland
 
 
Totenfahne bei einer kirchlichen Begräbnisfeier, © Bene16, http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begräbnisfeier
 
Die christliche Bestattungskultur ist ein "Werk der Barmherzigkeit" mit dem Ziel, die Würde der Toten zu achten und zu bewahren. Die Bestattung ist für die Gemeinde die Begleitung zur letzten Ruhe. Die Heilige Schrift hält Christen zur Nächstenliebe an. Deshalb steht man Trauernden bei und gibt ihnen Kraft. Die Trauer muss nicht im Verborgenen stattfinden und darf gezeigt werden, auch durch Weinen.
 
Für Christen ist der Tod die alles vollendende Begegnung zwischen Gott und Mensch. Mit dem Tod kehrt jeder Mensch nach christlichem Glauben zu Gott zurück, findet dort die ewige Heimat und erfährt die Vollendung seiner Identität. Daher kann der Verstorbene nicht anonym sein, auch nicht, wenn er verschollen ist oder anonym bestattet wird.
 
In der katholischen Kirche leben nur diejenigen im Jenseits weiter, die an Gott glauben und rein sind. Sünder kommen in das Fegefeuer. Das Fegefeuer, auch Reinigungsort genannt, ist nach der Römisch-Katholischen Kirche ein Prozess der Läuterung. Die Seele des Verstorbenen wird dort auf den Himmel vorbereitet. Im Fegefeuer spüren die Verstorbenen bereits die vollkommene Gegenwart und Liebe Gottes, fühlen sich aber aufgrund ihrer Sünden nicht würdig. Aber sie haben die Gewissheit, nicht ewig im Fegefeuer zu bleiben, sondern nach ihrer Läuterung und Reinigung durch Gott in den Himmel zu kommen. Wer nicht im Stand der Gnade gestorben ist, kommt gemäß der 1336 in der Bulle Benedictus Deus entfalteten Lehre in die Hölle. Die evangelische Kirche hat diese Vorstellung vom Fegefeuer nicht und lehnt sie sogar ab.
 
 
St. Patricks Fegefeuer, elsässischeLegenda Aurea von 1419, Universitätsbibliothek Heidelberg, public domain
 
Es gibt keine einheitliche orthodoxe Kirche, doch sie haben viele Gemeinsamkeiten, sodass man sie allgemein beschreiben kann mit dem Bewusstsein möglicher Abweichungen.
 
Bei den Orthodoxen Christen wird die unsterbliche menschliche Seele durch den Tod vom Körper getrennt. Danach befindet sie sich in einer Art Zwischenzustand bis zum Jüngsten Gericht mit der allgemeinen Auferstehung. Nach ihrem Verständnis erfahren die Seelen der Gerechten ein Paradies und einen Vorgeschmack auf Gottes himmlischer Herrlichkeit. Die Seelen derjenigen, die im Stande der Todsünde sterben, kommen sofort nach dem Tod in den Scheol oder Hades. Dort werden sie durch die Erinnerung an ihre irdischen Taten gequält.
 
Am Jüngsten Tag nach der allgemeinen Auferstehung entscheidet das endgültige Gericht über die Taten und ob die Seelen die ewige Seligkeit oder endgültige Qual erfahren. In der Stunde des Todes entscheidet sich also, welchen Weg die Seele vorerst nimmt nach den Taten im irdischen Leben.
 
Einen Seelenschlaf oder Fegefeuer kennen die orthodoxen Kirchen nicht. Daraus ergibt sich, dass die Kirche für ihre Verstorbenen beten muss, um eventuelle Qualen der Seele nach dem Tod zu mildern. Dabei erinnert sie Gott daran, die Toten ewig in seinem Gedächtnis zu behalten.
 
Bei der allgemeinen Auferstehung vereinen sich Körper und Seele wieder und werden zugleich engelhaft verwandelt, frei von Schwächen, Gebrechen und körperlichen Bedürfnissen. Die Orthodoxen Christen sehen Gottes Barmherzigkeit als grenzenlos an, aber nach ihrer Theologie hat der Mensch zu seinen Lebzeiten die Freiheit, diese Barmherzigkeit abzulehnen oder anzunehmen. Gott kann nicht in denen erstrahlen, die in ihrer Sünde verharren. Einige orthodoxe Kirchenväter vertreten die Lehre von der Allversöhnung, die besagt, dass es Gott vorbehalten sei, möglicherweise doch alle Menschen am Ende zu erlösen. Diese Ansicht hat das 5. Ökumenische Konzil im Jahr 553 offiziell verurteilt.
 
Lange war die Erdbestattung die traditionelle Form der Bestattung. Der Körper musste für die Auferstehung aufbewahrt werden. Eine Verbrennung galt Hexen, Ketzern oder Verbrechern. Es gibt aber eigentlich keine zwingend vorgeschriebene oder schriftlich festgehaltene Bestattungsform. So akzeptierte die evangelische Kirche eine Einäscherung bereits in den 1920er Jahren. 1963 hat auch das Heilige Offizium die Feuerbestattung gestattet und Alternativen wie die Seebestattung oder Baumbestattung. Das geschah allerdings eher aus praktischen und nicht aus religiösen Gründen und streng katholische Gläubige lehnen die Feuerbestattung meist weiterhin ab. Die Bestattung ist nach orthodoxer Auffassung kein Sakrament, sondern eine kirchliche Amtshandlung. Es sollte ein Geistlicher anwesend sein, wenn nicht aus der orthodoxen Kirche, dann wenigstens aus einer anderen Kirche. Die Wiedervereinigung der Seele mit dem Körper verbietet eine Feuerbestattung. 
 
 
Urnenbestattung, © Fernost, http://de.wikipedia.org/wiki/Bestattung
 
Bei den Katholiken und Orthodoxen wird zu einem Sterbenden ein Geistlicher zur Krankensalbung gerufen, bei den Protestanten zum Abendmahl. Die gesamte Gemeinde ist vom Tod eines Christen betroffen, sodass die Bestattung von einem Geistlichen begleitet wird, um den Trauernden Halt und Hoffnung für die Auferstehung zu geben. Die Bestattungen sind in der Regel öffentlich. Bei der Bestattung wird auf traditionelle Texte und Musik zurückgegriffen, aber auch die Angehörigen betreffs der Gestaltung der Trauerfeier einbezogen und auf die Vita des Verstobenen eingegangen. 
 
Das Requiem ist die Heilige Messe der katholischen Kirche für Verstorbene. Der Begriff bezeichnet sowohl die Liturgie der Heiligen Messe bei der Begräbnisfeier als auch kirchenmusikalische Kompositionen für das Totengedenken. Er leitet sich vom ersten Wort des Introitus Requiem aeternam dona eis, Domine ab, übersetzt „Ewige Ruhe schenke ihnen, o Herr“.
 
Die Aussegnung ist bei den Protestanten üblich als Verabschiedung oder Abschiedssegen im Sterbehaus. Eine Kerze wird entzündet und in einem kurzen Gottesdienst wird in der Bibel gelesen, der Abschiedssegen, das Vaterunser und ein abschließender Segen erteilt. Der evangelische Bestattungsgottesdienst ist in der Regel ein öffentlicher Gemeindegottesdienst. Im Zentrum steht die Botschaft des Evangeliums für die Lebenden, um ihnen die Hoffnung auf die Auferstehung Christi zu geben. Der Sarg oder die Urne sollte bei der Feier anwesend sein. Meistens trifft sich die Gemeinde in einer Kirche, Kapelle oder Aussegnungshalle, die in Friedhofsnähe oder auf dem Friedhof steht. Der Sarg oder die Urne steht im Altarbereich unter einem Kreuz, geschmückt mit Kerzen und Blumen. Der Aussegnungsgottesdienst wird zumeist von einem Geistlichen geleitet. 
 
 
 
 
In der Orthodoxen Kirche erhält der Verstorbene eine Totensalbung, wird eingekleidet und mit weißen Blumen geschmückt, die als Symbol für die Überwindung des Todes gelten. Oft wird auch auf die Stirn ein Papierstreifen mit der Aufschrift „Heiliger Gott – Heiliger Starker – Heiliger Unsterblicher, erbarme Dich!“ gelegt. Mit einem sogenannten "Totentuch" wird der Verstorbene bedeckt. Es folgt ein Gebet. Ihm wird eine kleine Ikone der Gottesmutter, Namenspatron oder des Schutzheiligen in die Hände gegeben.
 
Zunächst wird der Verstorbene mit dem Gesicht nach Osten im offenen Sarg in seinem Haus und dann in der Kirche aufgebahrt. Der Sarg muss offen bleiben, bis alle von dem Verstorbenen Abschied nehmen konnten und der Geistliche die vorgeschriebenen Absolutionsgebete am offenen Sarg vollzogen hat. Die Feier der Aussegnung dauert etwa 45 Minuten. Die Trauergäste halten kleine brennende Kerzen während der Feier in der linken Hand.
 
Bei der orthodoxen Aussegnung ist Weihrauch üblich. Der Sarg muss frei stehen, damit der Geistliche ungehindert den Sarg umschreiten und von allen vier Seiten beräuchern kann. Auch im Grab soll der Verstorbene mit dem Gesicht nach Osten liegen. In der anschließenden Trauerfeier steht die Verkündigung der Auferstehung im Mittelpunkt. Der Verstorbene erhält einen „letzten Kuss“ auf die Stirn vor dem Gang zum Grab. 
 
Das Totengedächtnis ist ein fester Bestandteil der Tage und Wochen nach der Bestattung. Es ist in den einzelnen orthodoxen Kirchen unterschiedlich, wird aber in den meisten Kirchen am ersten, am fünften, am siebten und am vierzigsten Tag danach gefeiert. Außerdem wird der Todestag jährlich begangen. Es gibt verschiedene Traditionen, eine ist beispielsweise eine Armenspeisung an diesen Tagen. 
 
 
Orthodoxe Beerdigung in der Türkei
 
In Skandinavien, Irland und Island, aber auch in Teilen von Norddeutschland, hielt sich lange der Brauch der Totenwache. Dieses Ritual geht bis in das Mittelalter zurück. Familie, Freunde und Nachbarn versammelten sich unmittelbar nach Eintritt des Todes am Sterbebett. Man hüllte den Verstorbenen in weiße Leinentücher und zündete Kerzen an. Bis zu seiner Abholung wurde er nicht alleine im Raum gelassen, um böse Geister von ihm fernzuhalten. In vielen Gegenden Deutschlands gibt es auch heute noch ein Ritual der Totenwache. Die Totenwache wird am Vorabend der Beerdigung von Angehörigen und Freunden abgehalten. Gebete werden gesprochen und Lieder gesungen. Ein anderes Ritual der Totenwache ist das Abschiednehmen im Trauerhaus, im Leichenhaus oder in der Kirche. 
 
Friedhöfe helfen bei der Trauerarbeit. Christen stellen zur Erinnerung Grabkreuze oder Grabsteine mit dem Namen des Verstorbenen auf dem Grab auf. Katholische Gräber haben oft noch ein Gefäß mit Weihwasser. Die christlichen Kirchen stehen vielen Lockerungen der Friedhofsregelungen skeptisch gegenüber wie beispielsweise den anonymen Bestattungen. Allerdings ist die erneute Nutzung von christlichen Grabflächen seit dem Mittelalter gestattet, was im Judentum und Islam streng verboten ist, wo ewige Gräber vorgeschrieben sind. 
 
 
Die Räumung eines Feldes wird angekündigt.  © Ikar.us (talk), http://de.wikipedia.org/wiki/Friedhof
 
 
 
Anonyme Bestattungen
 
Trotz der Kritik an anonymen Bestattungen nehmen diese besonders in den Städten zu. An der Beisetzungsstelle gibt es keinen Namenshinweis und eine individuelle Gestaltung des Grabes ist ausgeschlossen. Durch den Wegfall des Sterbegeldes und steigende Lebenshaltungskosten sehen sich viele, besonders alleinstehende Menschen der unteren Einkommensschicht, genötigt, eine anonyme Bestattung in Anspruch zu nehmen. Dazu kommt, dass sie anderen Menschen nicht zur Last fallen wollen.
 
Eine alte Dame ohne Angehörige, die sich für eine anonyme Bestattung entschied, sagte dazu, sie hätte in ihrem Leben immer auf Ordnung und Sauberkeit geachtet. Der Gedanke, unter einem verwilderten Grab zu liegen, denn sie habe ja niemanden, der ihr Grab besuchen würde, sei für sie unerträglich.
 
Dazu kommt, dass die sogenannten Sozialbegräbnisse in der Regel anonyme Bestattungen sind. Mittellose Menschen ohne Angehörige werden aus Kostengründen in der Stadt anonym beerdigt, wo sie gestorben sind, was zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt nicht der Heimatort sein muss. Ein Bestattungstermin wird oft auch nicht mitgeteilt, sodass sich Freunde oder Bekannte nicht von dem Verstorbenen verabschieden können.  
 
 
 
Anonymes Urnenfeld in Falkenssee. In der Mitte können Blumen niedergelegt werden.