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Vitalzeichen beobachten

 

 

Blutdruck messen

 

Es gibt zwei Messmethoden, um den Blutdruck zu bestimmen:

  • Die indirekte, unblutige Blutdruckmessung, die auf den italienischen Kinderarzt Riva- Rocci zurückzuführen ist. (RR)
  • Die direkte, blutige Blutdruckmessung über eine Drucksonde direkt im Blut 

 

Gemessen wird der Blutdruck üblicherweise nach Riva-Rocci. Scipione Riva-Rocci, geboren am 7.8.1863 in Almese, gestorben 15.3.1937 in Rapallo, war ein italienischer Arzt. 1896 wurde auf einem italienischen Kongress ein einfach anzuwendendes Verfahren zur Blutdruckbestimmung vorgestellt, das Riva-Rocci als Erster beschrieb. 

Mit einer pneumatischen Armmanschette für ein Quecksilber-Blutdruckmessgerät, dass die Weichteile und Arterien des Oberarmes gleichmäßig komprimierte, konnte einfach indirekt unblutig der systolische Blutdruck gemessen werden. Diese Form der Blutdruckbestimmung wurde rasch Standard in der ärztlichen Diagnostik. 

Es werden zwei Werte ermittelt. Der erste Wert ist der systolisch arterielle Druck (der Druck im Herzen, wenn sich der Herzmuskel maximal zusammenzieht). Der zweite Wert ist der diastolisch arterielle Druck (der arterielle Druck bei Entspannung des Herzmuskels).

 

 

Benötigte Materialien zum Blutdruckmessen

  • Geeichte Blutdruckmanschette
  • Manometer zum Ablesen des Blutdrucks
  • Stethoskop

 

Blutdruckmessung:

  • Durch Aufpumpen der Oberarmmanschette wird der Blutstrom in der Arterie brachialis unterbrochen. Der Manschettendruck muss höher sein als der systolische Blutdruck. Über das Stethoskop in der Ellenbeuge sind keine Strömungsgeräusche (Korotkow-Töne) mehr zu hören.
  • Manschettenventil langsam (nicht zu langsam) öffnen. Die Luft entweicht, die Korotkow-Töne sind hörbar.
  • Sinkt der Manschettendruck unter den diastolischen Druck, sind die Korotkow-Töne nicht mehr hörbar.

Bei der Messung muss beachtet werden:

  • 15 Minuten vor der Messung ruhen
  • Messung immer unter gleichen Bedingungen (immer im Liegen, Sitzen oder Stehen, am gleichen Arm,  möglichst zur gleichen Tageszeit)
  • Oberarm in Herzhöhe platzieren
  • Beengende Kleidung am Arm entfernen
  • Manschette luftleer und straff am Oberarm etwa 2-3 cm oberhalb der Ellenbeuge anlegen
  • Schläuche nicht in der Ellenbeuge platzieren
  • Ventil schließen
  • Oliven des Stethoskops nicht in die Gehörgänge drücken, locker ins Ohr stecken
  • Membran des Stethoskops locker in der Ellenbeuge auflegen
  • Manschette füllenüber arteriellen Blutdruck
  • Vorsichtiges Ablassen der Luft aus der Manschette
  • Druckwert des ersten Klopftones am Manometer ablesen
  • Druckwert des letzten Klopftones am Manometer ablesen
  • Restluft aus der Manschette entfernen
  • Manschette und Stethoskop vorschriftmäßig desinfizieren

Keine Messung am Arm mit Lymphödem, Parese oder Plegie, bei venösen oder arteriellen Gefäßzugängen, Shunt oder nach Brustamputation

 

Palpatorische Methode

 

Anfangs kann man durch fehlende Übung die Strömungsgeräusche schlecht hören

  • Puls tasten
  • Manschette aufpumpen, bis Puls nicht mehr fühlbar ist
  • Langsam Manschettendruck ablassen, bis Puls wieder tastbar ist
  • Beim ersten tastbaren Puls erhält man den systolischen Blutdruck
  • Der diastolische Blutdruck kann mit dieser Methode nicht bestimmt werden

 

Es gibt außerdem Messgeräte, z.B. für die Selbstmessung und die Langzeitblutdruckmessung. Bei der Langzeitblutdruckmessung wird regelmäßig nach vorher festgelegten Zeiträumen der Blutdruck automatisch gemessen. Bei Geräten für die Selbstkontrolle muss der Patient die Manschette anlegen und das Gerät einschalten. Der Messvorgang wird vom Gerät übernommen. Der systolische und diastolische Blutdruck wird digital angezeigt. 

 

 

Fehlerquellen:

  • Gerät defekt, nicht geeicht
  • Luft zu langsam oder zu schnell abgelassen
  • Manschette ungenügend aufgepumpt
  • beengende Kleidung am Oberarm
  • Manschette zu locker angelegt
  • Manschettenbreite passt nicht zum Armdurchmesser
  • Arm über Herzhöhe gelagert
  • keine Rückenunterstützung
  • zu lange Stauung
  • Geräuschkulisse
  • Ruhephase nicht beachtet (Stress, Weißkitteleffekt)
  • Messung in ungeeigneten Räumen (Kälte, Zugluft)
  • akuter Stuhl- oder Harndrang
  • sprechen
  • überkreuzte Beine

 

 

Die Normalwerte sind altersabhängig.

 

Physiologisch sind:

  • Neugeborene 70/30 mmHg

  • Säuglinge 85/60 mmHg

  • Kinder (bis 10 Jahre) 90/60 mmHg

  • Erwachsene 120/80 mmHg

  • Ältere Menschen 140/90 mmHg

Diese Werte sind nicht immer gleichbleibend hoch oder niedrig. Sie unterliegen natürlichen Schwankungen. So steigt beispielsweise der Blutdruck bei Anstrengung oder Aufre­gung an, bei Müdigkeit oder im Schlaf hat der Mensch dagegen einen niedrigeren Blutdruck.

 

Veränderungen des Blutdrucks können pathologische Ursachen haben. 

Hypertonie = dauerhafte Blutdruckerhöhung von über 160/90 mmHg. (Unterschiedliche Ursachen wie Gefäß- oder Nierenerkrankungen.) 

Hypotonie = dauerhaft niedriger Blutdruck unter 105/60 mmHg. Patient leidet an Beschwerden durch Minderdurchblutung der Organe. (Mögliche Ursachen Blutverlust, Schock, Herzinsuffizienz, etc.)

 

Beobachtung und Dokumentation des Blutdrucks

Psychische Einflüsse können den systolischen Blutdruck bei der Untersuchung um bis zu 40 mmHg ansteigen lassen („Weißkittel-Hochdruck").

Blutdruckkontrollen werden ärztlich angeordnet. Die Pflegenden messen von sich aus auch ohne ausdrückliche ärztliche Anordnung den Blutdruck bei:

  • Neu aufgenommenen Patienten
  • Patienten mit Herz- und Kreislauferkrankungen
  • Nach Operationen
  • Vor der Mobilisation
  • Hypertonie und Hypotonie
  • Gabe von Medikamenten. die (als Haupt- oder Nebenwirkung) den Blutdruck verändern
  • Starken Blutdruckschwankungen
  • Nach Unfällen, Blut- und Flüssigkeitsverlusten, Schock

 

Wird der Blutdruck zum ersten Mal gemessen, so geschieht dies an beiden Armen. Beispielsweise ist bei Patienten mit einer Verengung der A. subclavia (Unterschlüsselbeinarterie) eine Druckdifferenz von mehr als 20 mmHg zwischen rechtem und linkem Arm möglich. Weicht der Blutdruck vom Richtwert oder dem zu erwartenden Wert ab, muss nachgemessen werden. Bei wiederholt pathologischen Befunden informiert die Pflegeperson sofort den Arzt.

 

Direkt nach dem Messen muss der Wert in die Dokumentation eingetragen werden. 

 


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