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 BurnOut-Syndrom 

 

Für den Begriff BurnOut existieren unterschiedliche Bezeichnungen und Schreibweisen: Burn-Out, Burnout, Burnoutsyndrom, BurnOut-Syndrom. Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet "ausbrennen" oder "ausgebrannt sein". Gemeint ist ein berufsbezogenes Erschöpfungssyndrom. Das Wort Syndrom weist darauf hin, dass es bei dieser Erkrankung typische Symptome gibt, die auftreten können aber nicht müssen. Der Psychoanalytiker Herbert Freudenberg beschrieb 1974 erstmalig die Krankheit als einen Zustand völliger körperlicher, geistiger und emotionaler Erschöpfung und meinte damit nicht eine normale Arbeitsmüdigkeit, die jeder Mensch einmal erlebt.
 
Bisher ist das BurnOut-Syndrom medizinisch nur unzureichend erforscht. So existiert bisher keine medizinisch verbindliche Definition noch ein allgemeingültiges Instrument für die Diagnostik. Durch diese Unsicherheit wird der Begriff sehr inflationär benutzt und ist eine häufige "Modediagnose".
 
Besonders anfällig für das BurnOut-Syndrom sind Menschen in sozialen Berufen wie beispielsweise Gesundheits- und Kranken-, Alten-, Heilerziehungs-, Kinderpfleger, Erzieher, Lehrer, Therapeuten. Es betrifft also überwiegend die Berufe, die eng mit Menschen zusammenarbeiten, wobei die Übernahme der Verantwortung sehr einseitig ist. Es können  aber auch zum Beispiel Manager oder Arbeitslose betroffen sein.
 
BurnOut ist eine schwerwiegende Stresserkrankung, die aber nicht von einem einzigen Stressfaktor verursacht wird, sondern durch eine Kombination von arbeitsbedingten und persönlichen Stressfaktoren. Man "brennt" nicht von einem Tag zum anderen "aus", sondern es ist ein schleichender Prozess, der in mehreren Stufen oder Phasen abläuft mit typischen Symptomen. Es gibt unterschiedliche Modelle des BurnOut-Syndroms mit drei bis 15 Phasen und da wiederum mit unterschiedlichen Bezeichnungen, was die Verwirrung perfekt macht. Die amerikanischen Psychiater Jerry Edelwich und Archie Brodsky stellten 1980 ein Fünf-Phasen-Modell vor. Später fassten sie die zweite und dritte Phase zusammen, sodass ab 1984 ein Vier-Phasen-Modell favorisiert wird, wobei durch unterschiedliche Übersetzungen unterschiedliche Phasenbezeichnungen existieren.
 
 
  
 
 
Fördernde Bedingungen für ein BurnOut-Syndrom
 
 
Fördernde Bedingungen eines BurnOut-Syndroms durch die Arbeit:
 
Zeitdruck, fehlende Verantwortungsteilung, unklare Rollen, unstrukturierte Aufgaben- und Kompetenzbereiche,  ungenaue Ziele, mangelhafte Organisation, hoher Krankenstand und häufiges “Einspringen” oder Überstunden, mangelnde Informationen, ständige Über- oder Unterforderung, fehlende Akzeptanz oder Anerkennung der geleisteten Arbeit durch Vorgesetzte, fehlende Supervision.
 
Fördernde Bedingungen eines BurnOut-Syndroms durch die eigene Persönlichkeit:
 
Zu hoher Idealismus, fehlende oder fehlerhafte Selbsteinschätzung, hohe Emotionalität, Perfektionismus, überhöhte Ansprüche an sich selbst, Helfersyndrom, mangelhafte Selbstpflege, Doppelbelastung durch Familie (Hausarbeit) und Beruf, fehlende professionelle Distanz.
 
Fördernde Bedingungen eines BurnOut-Syndroms durch die Umwelt:
 
Fehlende persönliche und berufliche Anerkennung durch Bekanntenkreis, Familie und Gesellschaft, übermäßige Erwartung der Gesellschaft an die sozialen Berufe.
 
 
Vermeidung eines BurnOut-Syndroms
 
Vermeidung eines BurnOut-Syndroms durch die Arbeit:
 
Regelmäßige Supervision: Das Wort Supervision kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "Über-Blick". Es ist eine Form der Beratung für Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen. Diese Beratung wird durch einen Supervisor geleitet, der möglichst nicht aus dem internen Arbeitsbereich kommt sondern von außerhalb (Neutralität, Objektivität). Der Supervisor hat eine Schweigepflicht und muss den Datenschutz gewährleisten. Ziel der Beratung ist die gestützte Reflexion (Z.B. Rolle, Zusammenarbeit im Team, Organisation), Verbesserung des Arbeitsalltags und Zielvereinbarungen. 
 
 
Unabdingbar sind außerdem kompetente und informierte Führungspersönlichkeiten (Z.B. Pflegedienstleitung, Heimleitung), regelmäßige Teamsitzungen, gemeinsame Veranstaltungen (Z.B. Betriebsausflüge, gemeinsame Feiern), Fortbildungsmaßnahmen, angepasste Arbeitszeiten (Z.B. Teil- oder Gleitzeit), Unterstützung bei der Kinderbetreuung und ein funktionierendes Qualitätsmanagement.
 
Vermeidung eines BurnOut-Syndroms durch die eigene Persönlichkeit:
 
Intensive Selbstpflege (Z.B. Tagesplan, Wochenplan), Reflexion, Wissen, erlernen vom richtigen Verhältnis Nähe und Distanz.
 
Vermeidung eines BurnOut-Syndroms durch die Umwelt:
 
Realistische Einschätzung der sozialen Berufe (Z.B. Informationen, Aufklärung, Wissen, Aufwertung der Berufe, Abbau von Vorurteilen)
 
Die Gesellschaft müsste ein großes Interesse an der Vermeidung eines BurnOut-Syndroms haben. Denn ein BurnOut erfordert langwierige und teure Therapien mit oft zweifelhaftem Ausgang. Denn viele Patienten mit BurnOut sind über lange Zeiträume, schlimmstenfalls für immer, arbeitsunfähig. Vergeudete Ausbildungskosten, teure Kranken-, Kurbehandlungen und Therapien, krankheitsbedingte Ausfallzeiten, Frührenten, Ausfall von Steuergeldern stellen einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden dar, ganz abgesehen von dem Leid der Betroffenen. Die physischen Belastungen am Arbeitsplatz sind in den letzten Jahrzehnten spürbar zurückgegangen, doch die psychischen Belastungen und Arbeitsverdichtung erheblich gestiegen. Experten schätzten, dass 2011 etwa neun Millionen Menschen vom BurnOut-Syndrom betroffen waren. Das kostete Deutschland im Jahr etwa 6,3 Milliarden Euro.
 
 
Süddeutsche.de                                                                                       27.09.2011, 14:50
 
Burn-out
"Hier tickt eine gesellschaftliche Zeitbombe"
 
Überlange Arbeitszeiten, unfähige Chefs und ein kaum zu bewältigendes Arbeitspensum: Immer mehr Arbeitnehmer leiden nach Erkenntnissen der IG Metall unter psychischen Erkrankungen. Die Gewerkschaft fordert gesetzlichen Schutz vor zu viel Stress - in anderen Ländern gibt es das längst.
 
Die "explosive Zunahme" psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmern wird nach Einschätzung der IG Metall zunehmend zur Gefahr für Wirtschaft und Gesellschaft. "Hier tickt nichts Geringeres als eine gesellschaftliche Zeitbombe", warnte IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban in Berlin. Immer häufiger litten Beschäftigte am Burn-out-Syndrom, Hilfsangebote oder gar Prävention am Arbeitsplatz gebe es aber kaum.
 
Um die Arbeitnehmer vor immer mehr Arbeitsverdichtung, vor psychischer und physischer Erschöpfung zu schützen, forderte er deshalb vom Gesetzgeber eine Anti-Stress-Verordnung nach dem Vorbild anderer Länder. Ähnlich wie bei Vorschriften zum Lärmschutz müssten daher von Arbeitgebern und Politik belastbare Vorgaben ausgearbeitet werden, um Angestellte besser vor Stress zu schützen.
 
In einer Blitzumfrage hatte die Gewerkschaft knapp 4000 Betriebsräte in ihrem Organisationsbereich zu Stress und Burn-out am Arbeitsplatz befragt. Dabei gaben 86 Prozent an, dass der Anstieg psychischer Erkrankungen in ihrem Betrieb als ernstes Problem wahrgenommen werde. Etwa 40 Prozent der Betriebsräte hätten von einer starken oder sehr starken Zunahme psychischer Erkrankungen berichtet.
 
69 Prozent der Befragten beklagten fehlende oder nicht ausreichende Hilfsangebote für Erkrankte, und 73 Prozent waren der Meinung, es müsse mehr für den Gesundheitsschutz getan werden.
 
Die Studie sei zwar nur eine Momentaufnahme, bestätige aber andere Studien etwa von Krankenkassen, sagte Urban. So seien nach Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der AOK 2010 knapp 100.000 Menschen mit einer Diagnose krankgeschrieben worden, die auf ein Burn-out-Syndrom hindeute. Psychische Erkrankungen verursachten jährlich Behandlungskosten von 27 Milliarden Euro, der Produktionsausfall belaufe sich auf weitere 26 Milliarden.
 
"Die Kosten zahlen die Beschäftigten"
 
Um hier gegenzusteuern, forderte Urban gesetzlichen Druck auf die Unternehmen zur Verbesserung der Bedingungen. So gebe es in Frankreich, Italien und mehreren skandinavischen Ländern Vorschriften zum Arbeitsschutz gegen Stress, sagte er. Bekannte Auslöser für psychische Erkrankungen seien etwa überlange Arbeitszeiten, Über- oder Unterforderung, ein schlechtes Führungsverhalten der Vorgesetzten sowie ein zu hohes Arbeitspensum.
 
Zudem habe die Wirtschafts- und Finanzkrise und die damit verbundene Unsicherheit viele Arbeitnehmer belastet. "Die Wirtschaft hat die Krise überwunden, aber die Kosten zahlen die Beschäftigten", sagte Urban. Mit 68 Prozent gaben mehr als zwei Drittel der Betriebsräte in der Umfrage an, Stress und Leistungsdruck in ihrem Unternehmen seien seit der Krise erheblich gestiegen. Die Gesundheit dürfe aber nicht hinter betriebswirtschaftlichen Erfolgszahlen zurückstehen, sagte Urban.
 
 
(dapd/dpa/gal/mri)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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