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Christen in der Pflege

 

Den Christen gibt es nicht, denn Christ ist nicht gleich Christ. Katholiken können regional sehr weit voneinander in ihrer Kultur und Tradition abweichen. In der evangelischen Kirche gibt es sehr unterschiedliche Strömungen. Dazu kommen die orthodoxen Kirchen, die sich auch schon untereinander oft sehr stark unterscheiden. Auch christliche Freikirchen, Sekten oder die Zeugen Jehovas bezeichnen sich als Christen.

Das beginnt bereits mit dem Kreuz im Zimmer. Nicht jeder Christ ist begeistert, wenn an der Wand ein Kruzifix hängt, denn eine figürliche Darstellung von Jesus wird nicht von allen Christen toleriert.

 

 

gemeinfrei

 

Sehr gläubige oder alte Katholiken essen freitags kein Fleisch. Die Zeugen Jehovas essen keine Lebensmittel aus Blut und lehnen Bluttransfusionen ab. Viele Christen nehmen es nicht locker, von wem sie gepflegt werden, sondern erwarten eine gleichgeschlechtliche Pflege.

In einer orthodoxen Kirche könnte es einer Christin passieren, dass sie höflich aufgefordert wird, die Kirche zu verlassen, weil sie ihre Haare nicht bedeckt hat. Und ihr Mann dürfte gleich mitgehen, weil er seine Kopfbedeckung nicht abgenommen hat. In einer evangelischen Kirche würde man sich nicht daran stören, dass sie Hosen trägt.

 

Von Petar Milošević - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16365050

Orthodoxe Pilgerin im Kiewer Höhlenkloster: Frauen und Mädchen müssen ihre Haare bedecken, wenn sie eine Kirche oder ein Kloster betreten.

 

Es gibt Christen, die in der Fastenzeit auf Alkohol und Süßigkeiten verzichten und es gibt Christen, die im wahrsten Sinne des Wortes fasten und grundsätzlich keinen Alkohol trinken. Ich möchte nicht dabei sein, wenn einer Mennonitin die Kopfbedeckung verboten oder einem Amischen der Bart abrasiert wird.

In der interkulturellen oder kultursensiblen Pflege reicht es nicht, ausschließlich seine eigene Religion und Generation zu kennen und zu berücksichtigen. 

Beispiel: Eine junge Katholikin geht in Süddeutschland im ländlichen Raum in Hosen in die katholische Kirche und wundert sich über die abfälligen Blicke sehr alter Gottesdienstbesucherinnen. Upps! Pauschal heißt es, dass auch Katholiken die Feuerbestattung inzwischen gestattet ist. Doch wie denkt darüber die katholische 104jährige Almbäuerin, dass sie nach ihrem Tode verbrannt werden soll?  

Um in der Pflege allen christlichen Betreuten gerecht werden zu können, ist erstmal Kommunikation gefragt.

  • Welcher christlichen Kirche gehört der Klient an?
  • Welcher Generation gehört er an?
  • Aus welchem Kulturkreis, Land, Region kommt er?
  • Gibt es Speisevorschriften, Bekleidungsregeln?
  • Wünscht der Klient gleichgeschlechtliche Pflege?
  • Gibt es religiöse Besonderheiten oder Bedürfnisse?
  • Wünscht er eine seelsorgerische Betreuung und wer kommt dafür in Frage?

 

Und eventuell auch die Frage, wo man genauere Informationen erhalten kann. Keine Pflegeperson wird und kann sofort aus dem Ärmel schütten, was sie bei anderen christlichen Gemeinschaften beachten muss. Das spricht nicht für fehlende Fachlichkeit. Die Fachlichkeit ist dann zweifelhaft, wenn man sich nicht mit dem Klienten auseinandersetzt und informiert.

Es ist schon eigenartig, dass in einem christlichen Land pauschal zu Christen in der Pflege geäußert wird: eventuell freitags keinen Fisch, in der Fastenzeit Verzicht auf Alkohol und Süßigkeiten, Krankensalbung oder Herrenmahl - fertig. Einfach mal über den eigenen Tellerrand schauen wäre schon wünschenswert.