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Das Christentum

 

Meister der Reichenauer Schule, Christus spricht zu den Jüngern (Public domain)

 

Religionsstifter war der Jude Jesus von Nazareth, der vor circa 2000 Jahren in Galiläa, Palästina, geboren wurde. Bekannt wurde Jesus, als er mit etwa 30 Jahren als Wanderpediger durch das Land zog, Nächstenliebe predigte und den Ausgestoßenen der Gesellschaft, Kranke, Gebrechliche, Arme, aber auch sozial ausgegrenzten Frauen wie Prostituierten oder Witwen, aber auch Gesetzesbrechern, Gehör schenkte. Seine Anhänger sahen in ihm den von Propheten angekündigten Messias. Die damals Herrschenden hielten ihn für einen Aufrührer und verurteilten ihn schließlich zum Tode. Seine Anhänger glaubten, dass Jesus drei Tage nach seinem Tod auferstanden ist. 
 
Das Christentum basiert auf dem Alten Testament, dass der Thora (die fünf Bücher Mose) entspricht, und dem Neuen Testament. Das Neue Testament enthält unter anderem die vier Evangelien, die von den Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes zwischen 70 und 120 n. Chr. aufgeschrieben wurden. 
 
Das Christentum ist wie der Islam und Judentum eine monotheistische Religion. Abweichend von diesen Religionen erscheint der einzige Gott allerdings in drei Wesensformen: Gottvater, Gottes Sohn (Jesus von Nazareth) und Heiliger Geist. Für alle drei Religionen sind die Zehn Gebote bindend. Für Christen steht das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ im Mittelpunkt. Christen glauben an das Ewige Leben nach dem Tod.
 
Die Botschaft Christi wendet sich an alle Menschen unabhängig der Herkunft, Volk, Geschlecht oder Alter. Christen sehen die Aufgabe, überall auf der Welt die Botschaft zu verkünden und Anhänger zu finden. Somit ist das Christentum eine missionierende Religion, die ihre Botschaft aktiv verbreitet. 
 
Es existieren Hunderte von unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften christlicher Prägung, die wesentlichsten und größten sind die Römisch-Katholische Kirche, die Evangelische oder Protestantische Kirche und die Orthodoxe Kirche.
 
 
Peter Paul Rubens: Petrus als Papst, mit den „Schlüsseln des Himmelreiches“ (Public domain)
 
Die Römisch-Katholische Kirche ist die größte christliche Kirche. Ihr Oberhaupt ist der Papst. "Katholisch" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "allumfassend, alles einschließend". Der Papst wird als Nachfolger des Apostels Petrus angesehen, der um das Jahr 67 in Rom den Märtyrertod erlitt. Nach dem Neuen Testament berief Jesus als einer der Ersten Petrus zu seinem Nachfolger. Die Katholische Kirche übte jahrzentelang einen enorm großen politischen Einfluss aus. Im Mittelalter führte sie Kreuzzüge gegen die Muslime an. Bis in die frühe Neuzeit verfolgte sie nicht nur kirchenkritische Menschen als Ketzer oder Hexen.
 
 
Gottesmutter von Wladimir, Konstantinopel um 1100, ein Nationalheiligtum Russlands und der russisch-orthodoxen Kirche. (Public domain)
Ikonen sind kirchlich geweihte Kultus- und Heiligenbilder der Ostkirchen. Sie sollen Ehrfurcht erwecken und stellen eine Verbindung zwischen dem Betrachter und Gott dar. Ikonen gelten in der orthodoxen Kirche nicht als Kunstgegenstände.
 
Die Ostkirche spaltete sich 1054 n. Chr. von der Katholischen Kirche ab. Die Bezeichnung Ostkirche geht auf das Römische Reich zurück, dass sich in der Spätantike in ein Weströmisches und ein Oströmisches Reich aufspaltete. Aus der Ostkirche entstanden die Russisch-Orthodoxe, die Griechisch-Orthodoxe und andere Kirchen. Ihre Oberhäupter nennt man Patriarchen. Sie sind autonom, unabhängig und selbständig, das heißt, dass sie keinem anderen Patriarchen, Metropoliten, Erzbischof oder Synode eines anderen Landes unterstehen. Ihr Zusammenhalt besteht im gemeinsamen Glauben, Gottesdienst und Kirchenrecht.
 
 
Ausschnitt aus den 95 Thesen (Public domain)
 
Die Evangelische oder Protestantische Kirche entstand durch den Mönch Martin Luther. Nach der Überlieferung nagelte er am 31.10.1517 in lateinisch 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg und verursachte dadurch eine Kirchenspaltung. Seine Thesen richteten sich in erster Linie gegen den Ablasshandel der damaligen christlichen Kirche. Ablassbriefe waren käuflich zu erwerben und gewährten einen Nachlass zeitlicher Sündenstrafen oder einen vollkommenen Ablass. Luther kritisierte auch, dass die Gottesdienste nur komplett auf lateinisch abgehalten wurden. 
 
 
Was trennt oder verbindet die großen christlichen Kirchen?
 
 
Evangelische, Katholische und Orthodoxe Christen haben viele Gemeinsamkeiten:
 
  • Glaube an Gott, Jesus Christus und den Heiligen Geist 
  • die Bibel als Wort Gottes 
  • Taufe 
  • Christus ist im Abendmahl beziehungsweise der Eucharistie mit Leib und Blut gegenwärtig 
  • das apostolische Glaubensbekenntnis (Bei den Orthodoxen Kirchen ist es die "Lehre vom Glauben". Das apostolische Glaubensbekenntnis ist in Orthodoxen Kirchen nicht üblich, enthält aber nichts, was ihnen widerspricht)  
  • Sonntag als Feiertag
  • viele gemeinsame Feste im Kirchenjahr
  • gemeinsame Kirchenlieder (Hier mehr Gemeinsamkeiten der Evangelischen und Katholischen Kirche bedingt durch die Landessprachen)
  • der Glaube an Gottes Liebe, nicht aufgrund erbrachter Leistungen, sondern allein aus Gnade (Einschränkung bei den Orthodoxen Christen: Die Gnade und Barmherzigkeit muss angenommen werden)
  • der Glaube, dass Gott durch den Heiligen Geist die Herzen erneuert und zu guten Werken befähigt
  • das Streben nach Frieden, sozialer Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung
  • der Glaube, dass Gott das ewige Leben schenkt
 
Evangelische, Katholische und Orthodoxe Christen unterscheiden sich aber auch massiv:
 
  • Der Papst gilt für Katholische Christen als legitimer Nachfolger des Apostels Petrus. Dadurch ist er zum obersten Hirten der Kirche bestimmt. Die Evangelischen und Orthodoxen Christen lehnen den Anspruch wegen der fehlenden biblischen Begründung ab.
  • Die Geistlichen der Katholischen und Orthodoxen Kirchen erhalten ein Weihesakrament. Dieses Weihesakrament wird nach ihrem Verständnis von Christus durch einen Bischof gespendet und bedeutet eine besondere Prägung. Die "Weihekette" lebendiger Zeugen verbindet die Bischöfe mit den von Jesus erwählten Aposteln. Die Evangelische Kirche lehnt diese "sakrale" Sicht des geistlichen Amtes ab. Nach ihrer Auffassung ist das geistliche Amt keine Weihe der Person, sondern eine von Gott gewollte Funktion, die die Gemeinde übertragen kann. Kirchen, die älter als die Reformation sind, fällt es schwer, ein funktionales Amt als Verwirklichung der Rolle zu sehen, was das Evangelium unter „Hirte-Sein“ versteht. Daher werden Evangelische Geistliche wegen der fehlenden Weihe nicht von der Katholischen und Orthodoxen Kirche anerkannt. 
     
  • Die Evangelische Kirche kennt mit der Taufe und dem Abendmahl zwei Sakramente. Sie sind in der biblischen Überlieferung bezeugt. Die Katholische Kirche feiert sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Weihe und Ehe, die Orthodoxe Kirche Taufe, Myronsalbung oder Firmung, Kommunion oder Eucharistie, Beichte oder Bußsakrament, Krankensalbung, die Krönung oder Ehe und Priesterweihe. Als Sakrament bezeichnet man in der christlichen Theologie einen Ritus, der als sichtbares Zeichen oder Handlung eine unsichtbare Wirklichkeit Gottes bewirkt, sie vergegenwärtigt und an ihr Anteil gibt. 
  • Das Abendmahl kann nach Katholischer und Orthodoxer Auffassung nur von einem geweihten Priester ausgeteilt werden, bei den Evangelischen könnte theoretisch jeder Getaufte das Abendmahl reichen. (Praktisch schreiben aber viele Evangelischen Kirchenordnungen vor, dass nur geistliche Amtsträger/innen dem Abendmahl vorstehen sollten, um Unordnung zu vermeiden.) Begründet wird es dadurch, dass nicht die Kirche oder ihre Würdenträger zum Heiligen Mahl einladen, sondern Christus. Alle drei Konfessionen glauben zwar daran, dass Christus in Brot und Wein beim Abendmahl gegenwärtig ist, aber für Evangelische ist es nach der Feier wieder normales Brot und Wein. Für die Katholischen und Orthodoxen bleiben Brot und Wein verwandelt. Allerdings verwandelt sich das Brot und Wein in Leib und Blut Christi bei den Orthodoxen alleine durch die Liturgie.
  • Evangelische und Katholische Kirchen richten ihr Kirchenjahr nach dem Gregorianischen Kalender aus, viele Orthodoxen Kirchen nach dem Julianischen Kalender. Daraus ergibt sich eine Zeitverschiebung. Der Julianische Kalender wurde von Julius Cäsar eingeführt. Der Gregorianische Kalender, benannt nach Papst Gregor XIII., wurde 1582 durch eine Bulle angeordnet. Mit der Zeit löste der Gregorianische Kalender andere Kalender ab und gilt heute weltweit. Zwischen beiden Kalendern besteht zur Zeit eine Differenz von 13 Tagen. Daher feiern viele Orthodoxe Christen das Weihnachtsfest derzeit am 7. Januar nach gregorianischer Zeitrechnung. Der Ostertermin wird von den meisten Orthodoxen Kirchen nach dem Julianischen Kalender und einer alten Osterformel errechnet. Dadurch fallen die beweglichen Feste der Ost- und Westkirchen selten auf den gleichen Tag. So feiern fast alle Orthodoxe Christen Ostern nach Gregorianischem Kalender ein bis fünf Wochen später. 
  • Die Konfirmation kennzeichnet in der Evangelischen Kirche den Übertritt ins kirchliche Erwachsenenalter. Die Konfirmanden, meist etwa 14 Jahre alt, bekräftigen öffentlich den Glauben, den ihre Eltern und Paten bei der Taufe stellvertretend für sie bekannt hatten, und knüpfen so an ihre Taufe an. Die Konfirmation ist kein Sakrament. In der Katholischen Kirche wird die Erstkommunion und Firmung gefeiert. Bei der Erstkommunion am „Weißen Sonntag“, eine Woche nach Ostern als Erinnerung an die Taufen im frühen Christentum, nehmen die Sieben- oder Achtjährigen das erste Mal an der Eucharastie teil und werden somit in die Mahlgemeinschaft mit Jesus aufgenommen. Ähnlich wie bei der Konfirmation übernehmen die 12- bis 16jährigen bei der Firmung das Taufversprechen, das ihre Eltern und Paten für sie abgaben und vollenden somit die Taufe. Die Firmung ist ein Sakrament. Katholische und Evangelische Kirche stimmen allerdings darüber überein, dass der Firmling oder Konfirmand alt genug sein muss, die Bedeutung der Firmung oder Konfirmation erkennen zu können. Auch in der Orthodoxen Kirche ist die Firmung ein Sakrament. Aber Taufe, Firmung und Erstkommunion empfangen dort Säuglinge oder Kleinkinder gleichzeitig. Es gibt kein Übergangsritual vom Kind zum Erwachsenen, ausgenommen die Beichte, die erst ab etwa sieben Jahre abgelegt wird.       

 

 

Gottesdienste
 
Beim evangelischen Gottesdienst ist keine Kleiderordnung zu beachten. Allerdings sollte Rücksicht auf andere Besucher genommen werden, beispielsweise ältere Gläubige, und die Kleidung einem Gottesdienst angemessen sein. Im Gottesdienst sollte kein anderer Besucher gestört werden. Privatgespräche sind zu unterlassen, man sollte sich ruhig und leise verhalten. Gebetet wird im Stehen, üblicherweise mit gefalteten oder ineinandergelegten Händen. Andersgläubige dürfen am Abendmahl, bestehend aus Brot und Wein, teilnehmen. Das Fotografieren und Filmen während des Gottesdienstes ist nicht erlaubt. Geldsammlungen sind während oder nach dem Gottesdienst üblich. Die Regeln für den Gottesdienst  in den Evangelischen Freikirchen können erheblich abweichen. 
 
 
Beim Betreten der Katholischen Kirche tauchen Gläubige mit Daumen und Zeigefinger in den Weihwasserbehälter, der sich am Eingang der Kirche befindet und bekreuzigen sich. Es gilt als respektlos, zu spät in den Gottesdienst zu kommen. Es sollte geschwiegen werden oder gedämft gesprochen. Gespräche sollten sich mit kirchlichen Dingen befassen. Jede Störung anderer Kirchenbesucher ist zu unterlassen. Im Gottesdienst wird erwartet, dass die Kleidung nicht allzu freizügig oder nachlässig ist. Besonders in Mittelmeerländern ist es heute noch üblich, dass Frauen in der Kirche ihr Haupt bedecken. Das kann man auch in Deutschland in ländlichen Gebieten oder bei alten Frauen beobachten. Männer sollten die Kopfbedeckung abnehmen. In kleinen ländlichen Kirchen gibt es unter Umständen auch keine freie Platzwahl in der Kirche, weil die Sitzbänke nach Dörfern aufgeteilt sind. Wenn im Gottesdienst die Anbetung der Trinität erwähnt wird  („Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist“) bekreuzigen sich die Gläubigen. Gebetet wird üblicherweise mit gefalteten Händen oder die Handflächen werden aneinander gelegt. Gebete werden stehend, in vielen Katholischen Kirchen aber auch knieend verrichtet. Hinter den Sitzbänken befindet sich dann eine entsprechende Stütze für die Kniee. Auch vor dem Empfang des Abendmahls knien die Gläubigen nieder. Eine Verbeugung vor dem Altar ist auch oft üblich. Man kann als Nicht- oder Andersgläubiger an der Eucharistie teilnehmen, wenn der Geistliche nicht über den Glaubensstand Bescheid weiß, sollte es aber unterlassen. In den meisten Kirchen findet während oder nach dem Gottesdienst die Kollekte statt, eine Geldsammlung für kirchliche oder karitative Zwecke. Es besteht zwar kein Zwang zum Spenden, ist aber dennoch eine Selbstverständlichkeit. Man sollte also vorher Kleingeld zurechtlegen. Das „Kramen“ im Geldbeutel stört und ist unwürdig. Am Ende des Gottesdienstes bekreuzigen sich die Gläubigen.
 
 
In vielen Orthodoxen Kirchen findet der Gottesdienst wie am Beispiel Odessa statt. In den meisten Kirchen stehen die Gläubigen, Stühle gibt es oft nur am Rand für Alte und Gebrechliche. Frauen bedecken ihren Kopf mit einem Tuch oder tragen Kopftücher, Männer nehmen Hüte oder Mützen ab. Frauen sollen beim Gottesdienst Röcke tragen, Hosen sind unerwünscht. Es ist üblich zu spenden (Geld- oder Sachspenden). Orthodoxe Gläubige bekreuzigen sich und machen eine kleine Verbeugung vor der Kirche. In der Vorhalle bekreuzigen sie sich noch einmal, da dort heilige Ikonen sind. Gespräche dürfen sich nur auf die Kirche beziehen. Der Altar ist nach Osten ausgerichtet. Vor ihm bekreuzigen sich die Gläubigen dreimal mit kleinen Verbeugungen. Ikonen haben einen hohen Stellenwert. Es ist üblich, vor sie Kerzen aufzustellen und sie zu küssen. Bevor man sie küsst, bekreuzigt man sich zweimal mit einer kleinen Verbeugung. Es gibt feste Regeln, wie man eine Ikone küssen darf. Beispielsweise darf das Gesicht des Heilands, der Gottesmutter und der Heiligen nicht geküsst werden. Verschränkte Arme oder Arme hinter dem Rücken gelten in orthodoxen Kirchen als respektlos.