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Decubitus / Dekubitus
 
Definition
 
"Druckgeschwür": Beschädigung der Haut, besonders an Knochenvorsprüngen, durch langandauerndes Liegen oder Sitzen. Dekubitus ist nicht nur eine Schädigung der Haut, sondern belastet und schwächt den gesamten Körper. Es kann zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. 

 

Besonders gefährdete Punkte für Dekubitus:

 

 

 
Beeinflussende Faktoren
 
Intrinsische Faktoren ( = von innen kommend)

 

  • Eingeschränkte Beweglichkeit
  • Schlechte Lungenbelüftung
  • Obstipation
  • Kontraktur
  • Abnahme der Skelettmuskulatur
  • Depressionen (verstärken die eingeschränkte Beweglichkeit)
  • Alter des Patienten (Altershaut)
  • Exsikkose (Austrocknung der Haut, Herabsetzung der Denk- und Artikulationsfähigkeit)
  • Gewicht (besondere Gefährdung für kachektische und adipöse Menschen)
  • Inkontinenz
  • Diabetes mellitus
  • Apoplex
  • Infektion (Fieber, Schwächung des Immunsystems)
  • Senso-motorische Einschränkungen
  • Kognitive Beeinträchtigungen
Extrinsische Faktoren ( = von außen kommend)
  • Körperhygiene (fehlende oder übertriebene Körperhygiene schädigen die Haut)
  • Falscher Einsatz von Salben, Seifen, Cremes (verstopfen die Poren, trocknen aus)
  • Medikamente (Beruhigungsmittel, Schmerzmittel beeinflussen Wahrnehmung)
  • Feuchtigkeit (Mazeration)
  • Falsche Lagerung
  • Lang anhaltende Druckeinwirkung
  • Reibung, Scherkraftverletzung
 
 
Decubitus - Symptome und Kennzeichen
 
Hauptkennzeichen
 
Ulzeration (Verletzung der Hautoberfläche, Zerstörung von Hautschichten gewöhnlich über Knochenvorsprüngen) und/oder Äußerungen über Schmerzen, Unbehagen oder Taubheit (insbesondere über Knochenvorsprüngen). Dekubitusgeschwüre werden nach W. O. Seiler in vier Grade und drei Stadien eingeteilt:

(In einigen Büchern werden V Grade benannt. Danach wird der I. Grad beschrieben als weiße Aufliegefläche und mangelhafte Durchblutung und Versorgung der betroffenen Haut. Bei Entlastung der betroffenen Hautpartie normalisiert sich die Haut nach relativ kurzer Zeit. Nach dem Expertenstandard Decubitus gibt es vier Grade und der Expertenstandard ist für alle Pflegekräfte bindend. Sollte in einer Prüfung nach fünf Graden gefragt werden, ist die richtige Antwort, dass es vier Grade nach dem Expertenstandard gibt und diese werden dann beschrieben.)  

Grad I: Gerötete Hautareale, keine Hautverletzungen

Erstes Anzeichen ist ein weißer Fleck. Er entsteht durch Druckbelastung, wodurch die Haut nicht ausreichend durchblutet wird. Kommt es zur Druckentlastung, geht der weiße Fleck in eine Rötung über, weil die Haut wieder durchblutet wird. Die Rötung ist meistens nicht schmerzhaft. Eine Rötung muss dokumentiert und beobachtet werden. Weitere Symptome können Ödembildung, Verhärtung und eine lokale Überwärmung sein. Eine Rötung ist ein sicheres Indiz für einen Dekubitus, wenn sich die Rötung nicht "wegdrücken" lässt. Das heißt, dass man mit einem Finger in die gerötete Stelle drückt. Zieht man den Finger weg und die Rötung bleibt, handelt es sich um einen Dekubitus. Wird an dieser Stelle die Haut (Rötung "weggedrückt") weiß, ist es kein Dekubitus, sondern eine Feuchtigkeitswunde durch Mazeration. 

Grad II: Gerötete Hautareale, kleine Hautulzerationen, Blasenbildung

Noch ist der Druckschaden oberflächlich. Er kann sich als Blase, Hautabschürfung oder flaches Geschwür darstellen. Die Blasen bilden sich durch Einlagerungen von  Gewebsflüssigkeit. Platzt solche Blase, folgen daraus schmerzhafte, nässende Defekte der Ober- und Lederhaut mit hoher Infektanfälligkeit. Beim Stadium I und II kommt es nicht zur Nekrose. Bei einer Nekrose sterben Zellen oder Zellgruppen mit Schädigung des umliegenden Gewebes ab. Bei fachgerechter Druckentlastung und Hautpflege ist eine relativ schnelle und gute Heilung ohne Folgen möglich. 

 Grad III: Starke Sezernierung (Absonderung) nach außen, Nekrosen

Alle Hautschichten sind betroffen und geschädigt. Es können sich Nekrosen bilden. Der Decubitus ist ein tiefes, offenes Geschwür und reicht oft bis zum Muskel und/oder Sehnen. Meist bestehen in diesem Stadium Infektionen. Durch die Nekrose, Tiefe der Wunde und Infektionen verläuft die Abheilung schleppend und dauert bei fachgerechter Behandlung  häufig mehrere Wochen oder sogar Monate. 

 

Grad IV: Tiefe Ulzerationen, nekrotische Hautareale

Das Geschwür reicht oft bis zu den Knochen. Dadurch drohen infektiöse Erkrankungen der Knochen. Muskulatur, Sehnen oder Bänder sind ebenfalls betroffen. Es kann sich eine Sepsis bilden. Oft entwickeln sich Abszesse und Fisteln. Das nekrotische Gewebe muss abgetragen werden. 

 

 

Seiler teilt die Decubiti außerdem nach drei Stadien ein:

  • Stadium A: Wunde "sauber", Granulationsgewebe, keine Nekrosen.
  • Stadium B: Wunde schmierig, Restnekrosen, keine Infiltration des umgebenden Gewebes, Granulationsgewebe.
  • Stadium C: I Nekrosen, Infiltration des umgebenden Gewebes und/oder Allgemeininfektion.

Komplikationen:

  • Chirurgische Maßnahmen (Beseitigung der Nekrosen)

  • Entzündungen der Knochen, Abszesse, Pneumonie, Sepsis

  • Ständiger Verlust von Eiweiß und Nährstoffen mit der Folge einer Mangelernährung

  • Ängste, Depression durch ständige Schmerzen und/oder Gefühl, bei lebendigem Leibe zu verfaulen

 

Pflegefehler?

Beim Decubitus geht man von einem Pflegefehler aus und macht dafür in der Regel die Pflegefachkräfte für verantwortlich. Allerdings gibt es Umstände, die eine erfolgreiche Decubitusprophylaxe erschweren oder verhindern. 

  • Der Betreute hebt ständig die Lagerung auf. Er kann sich zwar nicht mehr selbständig auf die Seite drehen aber auf den Rücken, was er dann auch tut, wenn er die Lagerungsmaßnahmen nicht toleriert. 

  • Mangelernährung und gravierende Durchblutungsstörungen sind gerade bei alten Menschen häufig. Oft bestehen diese Mangelerscheinungen schon lange bevor die Klienten in Pflege kommen und das jahrelange Defizit ist kaum noch auszugleichen. Werden diese Betreute immobil, ist ein Dekubitus fast schon vorprogrammiert.

  • Gefäßschädigungen durch Diabetes mellitus. Geringster Druck von außen kann folgenreich sein. 

 

Dazu kommen Rahmenbedingungen, auf die das Pflegepersonal wenig Einfluss hat.

  • Fehlendes oder mangelhaftes Material. (z.B. fehlende Lagerungshilfsmittel)

  • Personalmangel

  • Verweigerte Leistung der Pflege-, Krankenkassen (z.B. Ablehnung zusätzlicher Hauspflegeeinsätze im ambulanten Bereich)

Es hilft nur eins: Genaueste Dokumentation und am besten Bildbeweise, um belegen zu können, dass man wirklich alles getan hat. Bei Neuaufnahmen mit Decubitus auf jeden Fall einen Bildbeweis.

 

Die Decubitusgefahr wurde bisher nach der Bradenskala (Assesmentbogen oder Software) eingeschätzt. Davon rückt man zunehmend ab und empfiehlt stattdessen regelmäßige gründliche Hautinspektionen und Ermittlung der Ursachen für längere Einwirkung von Druck und Scherkräften.  

 

 
 
   
 
 
 
 
 
 
 
       Supermann starb an Dekubitus!
 
Der US-amerikanische Schauspieler, Regisseur und Autor Christopher D’Olier Reeve, geboren am 25.9.1952 in New York City, wurde international bekannt durch seine Verkörperung des Superman. 1995 erlitt er durch einen Reitunfall eine Querschnittlähmung. Nach diesem Unfall gründete er mit seiner Frau das „Christopher and Dana Reeve Paralysis Resource Center“. Diese Einrichtung unterstützt Querschnittgelähmte. Außerdem setzte er sich aktiv für die Stammzellenforschung ein. Am 10.10.2004 starb Reeve im Alter von 52 Jahren in Mount Kisco, New York, an einem Herzstillstand. Ursache war ein Dekubitus, der trotz bester Versorgung zu einer Sepsis führte und seinen gesamten Organismus angegriffen hatte.  
 
 
Ein Dekubitus darf nie unterschätzt werden, auch nicht "die harmlose kleine Rötung"!
Dekubitus kann tödlich sein!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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