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Definition der PTBS

 

Viele Menschen, die Konzentrationslager und / oder Verfolgung im Dritten Reich überlebten, litten noch Jahre, manche für immer, seelisch unter ihren Erlebnissen. Dabei bemerkten sie es selber häufig nicht und konnten sich ihr abweichendes Verhalten oder Störungen nicht erklären. Sie hatten ein seelisches Trauma (griech.) erlitten, also eine tiefgreifende seelische Verletzung oder schwerer Schock, wo ihre Bewältigungsstrategien (Copings) nicht ausreichten, um ein Ereignis zu verarbeiten.

 

Nach der internationalen Klassifikation der WHO wird ein Trauma so beschrieben:

 

 

Die Betroffenen sind einem kurz oder langanhaltenden Geschehen von außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalem Ausmaß ausgesetzt, das nahezu bei jedem tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde.

 

 

Die deutsche Definition lautet:

 

 

  • Als traumatischer Stressor werden Ereignisse angesehen, die zusammenhängen mit Tod, befürchtetem Tod, ernsthaften Verletzungen oder einer Bedrohung der körperlichen Integrität.
  • Das Ereignis kann eine direkte Erfahrung sein,
     - es kann miterlebt oder
     - es kann ein Ereignis sein, von dem man erfahren hat.
  • Die Reaktion auf den Stressor war verbunden mit starker Angst, Hilflosigkeit oder Entsetzen.

 

 

Die Erweiterung der deutschen Definition um Ereignisse, die man erfahren aber nicht selbst erlebt hat, ist sehr wesentlich. Denn sie berücksichtigt auch die Nachkriegsgeneration, die zwar selbst den Krieg nicht miterlebt hat, durch die Eltern und deren Erfahrungen aber sehr wohl traumatisiert sein kann.

 

Dazu ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: bei dem Amoklauf des 19-jährigen Robert Steinhäuser am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt würde die WHO-Definition nur die Schüler erfassen, die direkt am Geschehen beteiligt waren. Nach der deutschen Definition werden auch die Schüler berücksichtigt, die nicht direkt am Geschehen beteiligt waren, aber durch das Gehörte sich in der eigenen Existenz bedroht fühlten ("könnte das an meiner Schule ebenfalls passieren?").

Oder ein anderes Beispiel: in einem Dorf in der Oberpfalz wurde eine Frau von ihrem Ehemann erstochen. Die Tochter als unmittelbar Betroffene erhielt sofort psychotherapeutische Hilfe. Es wurde aber übersehen, dass die Cousine des Mädchens ebenfalls durch den Mord ihrer Lieblingstante schwer traumatisiert wurde. Beide Mädchen im gleichen Alter wuchsen geschwisterähnlich auf. Die Tochter der Ermordeten wurde weit vom Geschehen in eine Pflegefamilie untergebracht, um sie vor dem Gerede der Leute zu schützen. Die Cousine verblieb im Umfeld. Ständig wurde das Kind bereits durch die Örtlichkeiten mit dem Ereignis konfrontiert. Zusätzlich erfuhr sie den Verlust des anderen Mädchens, dass nun weit entfernt wohnte. Während die Tochter mit Hilfe der Psychologen Copings entwickeln konnte, zeigte die Cousine schnell typische posttraumatische Symptome.