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Epilepsie

Epilepsie bedeutet „der Anfall“, im Deutschen redet man auch von der Fallsucht oder Krampfleiden. Ein zerebraler (zerebral = das Gehirn betreffend) Krampfanfall entsteht durch eine Funktionsstörung der Nervenzellen im Gehirn. Die Nervenzellen werden extrem erregt, sodass es zu einer gleichzeitigen elektrischen Entladung vieler Nervenzellen führt. Diese Entladungen führen zu plötzlichen unwillkürlichen stereotypen Verhaltens- oder Befindensstörungen. So ein Vorgang könnte in jedem Gehirn entstehen bei extremer Belastung oder Reizung, wenn die Krampfschwelle überschritten wird. Gelegenheitskrämpfe mit generalisierten tonisch-klonischen Krampfanfällen treten bei etwa 5 - 10% der Bevölkerung auf. Bei der Epilepsie treten allerdings die Krampfanfälle auch bei sehr geringer Belastung oder spontan auf.

 



Am eindrucksvollsten sind die generalisierten tonisch-klonischen Krampfanfälle. Früher wurden sie als „Grand mal“ (französisch = grosses Übel) bezeichnet.

Die drei Phasen eines generalisierten tonisch-klonischen Anfalls:

  1. In der tonischen Phase oder Anspannungsphase kommt es zum Anspannen der Muskulatur, der Körper versteift sich. Der Betroffene wird bewusstlos. Mit der Versteifung der Beinmuskulatur stürzt er. Die Pupillen sind weit und reagieren nicht auf Licht. Da auch die inneren Organe von der Versteifung betroffen sind, wird die Luft in die Lunge gepresst oder eingesaugt. Dadurch kann ein Stöhnen hörbar werden, der sogenannte  Initialschrei. Manche Betroffene werden durch eine „Aura“ vor dem Anfall gewarnt, also bestimmte Wahrnehmungen im Vorfeld eines epileptischen Anfalls. Die tonische Phase dauert etwa zehn bis zwanzig Sekunden.

  2. In der klonischen Phase setzen die Krämpfe ein, besonders betroffen sind Gesicht, Arme und Beine. Meist setzt kurz die Atmung aus, wodurch der Betroffene blau anlaufen kann. Die Augen sind meistens offen und häufig eigentümlich verdreht. Es kann zum Einnässen oder zum Zungenbiss kommen. Der verstärkte Speichelfluss und ruckartiges starkes Ausatmen kann dazu führen, dass der Betroffene Schaum vor dem Mund hat, bei einem Zungenbiss verfärbt der sich rot. Die klonische Phase dauert eine halbe bis eine Minute, manchmal zwei Minuten.

  3. In der Terminal- oder Nachphase endet der Anfall. Die Atmung reguliert sich. Der Betroffene reagiert anfangs auf keinen Reiz, später vermittelt er den Eindruck, als würde er tief schlafen. Das Bewusstsein wird wiedererlangt, der Betroffene ist sehr erschöpft, oft verwirrt oder gereizt und will meistens seine Ruhe haben. Unter Umständen klagt er über Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel oder Muskelkater. In der Regel kann er sich nicht an den Anfall erinnern. Die Terminalphase kann einige Minuten dauern, aber auch mehrere Stunden.

 

Bei Kindern verlaufen die Anfälle oft anders wie bei Erwachsenen.

 



 

Der generalisierte tonisch-klonische Krampfanfall sieht ausgesprochen brutal aus, verläuft aber in der Regel für den Betroffenen sehr unangenehm, aber glimpflich ab. In manchen Fachbüchern wird empfohlen, wenn die klonische Phase länger als zehn Minuten dauert, den Arzt zu rufen. Mit derartigen Empfehlungen sollte man zurückhaltend sein. Dabei spielen auch Fragen mit: wo ist der Arzt und wie lange braucht er zum Kommen? Krampfanfälle passieren nicht nur in einer Einrichtung, sondern auch im Alltag.

 

  • Hat sich der Betroffene beim Sturz oder Krampfen verletzt, wird sofort der Arzt verständigt.
  • Betroffenen aufmerksam beobachten: Sind nach 2 Minuten die Zuckungen nicht ewas ruhiger geworden, Telefon parat haben und überdenken, nach welcher Zeit der Arzt ungefähr eintreffen könnte. Lieber den Arzt zu früh rufen als zu spät.


Komplikation:
Ein Status epilepticus ist ein sehr lange andauernder epileptischer Anfall oder eine Serie von Anfällen, bei denen der Betroffene zwischendurch nicht das Bewusstsein erlangt.

 

 

Lebensgefahr!

 


Erstmaßnahmen
 

  • Ruhe bewahren
  • Betroffenen nicht alleine lassen
  • Für Sicherheit sorgen: Gegenstände aus der Umgebung entfernen, an der sich der Betroffene verletzen könnte; aus Gefahrenzonen ziehen wie Treppen, Rolltreppen, Bahngleise etc
  • Niemals etwas zwischen die Zähne schieben: Gefahr von Verletzungen im Mundraum (wenn Zungenbiss, geschieht er in der Regel ganz zu Anfang); Das Buch „Gesundheit-Krankheit, 4. überarbeitete Auflage, Hamburg 2004 empfiehlt, ein Taschentuch oder ähnliches zwischen die Zähne zu schieben: Das ist blanker Unfug und gefährdet akut den Betroffenen (Erstickungsgefahr) und den Helfer (Wer mag nicht seine Finger?)
  • Wenn möglich Decke, Jacke, Mantel, etc unter den Kopf schieben - kein Kissen
  • In der klonischen Phase nicht festhalten - Gefahr von Knochenbrüchen und Verlängerung des Anfalls
  • In der Terminalphase den Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen und, falls erbrochen, den Mund auswischen
  • Beengende Kleidung lockern
  • Nichts oral verabreichen - Gefahr der Aspirationspneumonie
  • Nicht auskühlen lassen, besonders bei Anfällen im Freien
  • Anschließend Anfallstyp, Anfallsverlauf und Anfallsdauer notieren und dem Arzt oder dem Betroffenen aushändigen - wichtige Informationen für den behandelnden Arzt


Tagesbindung: Bei manchen Betroffenen treten die Anfälle immer zur gleichen Tageszeit auf wie morgens nach dem Wachwerden oder immer am Spätnachmittag.  

Es besteht eine erhöhte Disposition für die Epilepsie, wenn es bereits in der Kindheit oder Jugendzeit andere Anfallsformen gab und oder wenn nahe Angehörige eine Epilepsie haben. Es ist aber vermutlich keine Erbkrankheit, obwohl bei der idiopathischen Epilepsie darüber nachgedacht wird.

Idiopathische Epilepsien beginnen meistens zwischen dem 10. und 25. Lebensjahr und man vermutet, dass sie erblich bedingt sind.


Symptomatische Epilepsien haben erkennbare Ursachen und Auslöser, wie beispielsweise:
   

  •     Stoffwechselentgleisungen
  •     Schwere Infektionen, z.B. Enzephalitis
  •     Vergiftungen
  •     hohes Fieber (Fieberkrampf)
  •     Drogenkonsum (auch Alkohol)
  •     Entzug (Drogen, Alkohol)
  •     Schlafentzug
  •     Überanstrengung
  •     Arzneimittel
  •     Hyperventilation

Maßnahmen:

Vermeidung von Schlafentzug, festen Tag-, Nachtrhytmus

Meidung von Reizen wie Bildschirmarbeit, Fernsehen, flackernde Lichter wie z. B. in einer Diskothek

Berufswahl unter Berücksichtigung der Epilepsie (kein Schichtdienst, keine Berufe mit einer hohen Eigen-, Fremdgefährdung wie Schornsteinfeger, Busfahrer, etc)

Regelmäßige Kontrollen zur Fahrtüchtigkeit (Privat-Pkw)

Sport treiben unter Berücksichtigung der Epilepsie (Eigen-, Fremdgefährdung)

Führen eines Anfallkalenders

Antiepileptika zuverlässig und pünktlich einnehmen, nie in Eigenregie absetzen

 

 

Fokale Anfälle

Fokale (von einem Herd ausgehend) Anfälle treten in einem ganz bestimmten Teil des Gehirns auf, wodurch sich die betroffene Gehirnregion bestimmen lässt. Die Aura gibt Hinweise auf die Region. Sie äußert sich zum Beispiel dadurch, dass der Betroffene plötzlich Wahrnehmungen hat wie eigenartige Gefühle, Geräusche, Gerüche, Geschmack, Trugbilder oder massive Stimmungsschwankungen. Circa 60% der Epileptiker leiden an dieser Form von Anfällen. Bei einfachen fokalen Anfällen bleibt das Bewusstsein erhalten, bei komplexen fokalen Anfällen ist das Bewusstsein gestört. Es gibt aber auch fokale Anfälle, die sich sekundär zu generalisierten Anfällen entwickeln können.

 Fokaler Anfallgeneralisierter tonisch-klonischer Krampfanfall

 

Absencen

Absencen sind oft nur schwer als Anfälle zu erkennen. Der Betroffene hat kurze Bewusstseinspausen, bei denen der Blick leer wird. Manchmal wird auch der Kopf geneigt oder die Augenlider blinzeln. Absencen sind meist sehr kurz, etwa fünf bis fünfzehn Sekunden und anschließend wird in der Regel die Tätigkeit ohne Übergang weitergeführt. Absencen können täglich einige bis mehrere hundert Male auftreten.

 

 

Signalhunde

 

 


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