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Frühkindliche PTBS

Für die Beschäftigten in der Altenpflege ist der II. Weltkrieg und Nationalsozialismus noch lange nicht "abgegessen". Zumal verstärkt die Jahrgänge 1935 bis 1945 in die Einrichtungen kommen. Die Generation, die jetzt in den Mittelpunkt der Altenpflege rückt, gehört nicht mehr richtig zur Kriegsgeneration, aber auch nicht richtig zur Nachkriegsgeneration. Sie erlebten die braune Diktatur, das Ende des Krieges und den Zusammenbruch als Säuglinge, Kleinkinder, Kinder. Im Gegensatz zu den Erwachsenen war es ihnen nicht möglich, sich mit den Geschehnissen rational auseinander zu setzen.

Auf diese damaligen Kinder, und bei ihnen kann man wirklich endgültig die Täter - Opfer - Diskussion vernachlässigen, prasselten damals unglaubliche Bilder und Eindrücke ein, die sie nicht ohne professionelle Hilfe verarbeiten konnten. Um zu überleben, blieb auch ihnen nur noch der cerebrale Schutz des radikalen Verdrängens.

Besonders fatal ist, dass eine frühkindliche PTBS erheblich gravierend in seinen Auswirkungen sein kann. Massive Schutzmechanismen, die ja eigentlich die Bedrohung reduzieren sollten, vertiefen die PTBS. Folgen können sein:

 

 

  • Aufspaltungen der Person
  • Fremdheitserleben gegenüber sich oder der Umwelt  
  • Gedächtnislücken
  • Mutismus

 

 

Es muss auch bedacht werden, dass Kinder, die als zweite Generation oder Nachkriegsgeneration geboren wurden, ebenfalls traumatisiert sein können und zwar durch die Eltern. Hier sei an die deutsche Definition für Trauma erinnert, dass man das traumatische Ereignis nicht miterlebt haben muss, dass es reichen kann, davon zu erfahren. Ein Hinweis darauf sind zum Beispiel die sechziger Jahre, wo Jugendliche teilweise sehr militant die Wahrheit über die Nazizeit erfahren wollten.

Viele dieser Jugendlichen bekamen als Kinder, auch in den Schulen, Filme und Bilder aus den Konzentrationslagern und Holocaust gezeigt ohne eine entsprechende Begleitung. Und die Eltern schwiegen oftmals auf ihre Fragen. Wenn die Erwachsenen schweigen, muss das massive Gründe haben. Die kindliche Phantasie füllte das Schweigen und dafür fehlten Copings. Auch Schweigen kann traumatisieren.

Ein anderes Beispiel sind Jugendliche, die auf ihre erste Auslandsreise fuhren und die Erfahrung machten, sich als Deutsche zu schämen. Bei entsprechenden Reaktionen im Ausland entstanden nicht nur existentielle Ängste, das Selbst- und Weltbild wurden zerstört.

Die Ansicht, man bräuchte sich nicht mehr mit der PTBS im historischen Kontext zu beschäftigen, da ja die Kriegsgeneration wegstirbt, ist angesichts der Frühkindlichen PTBS fahrlässig, leichtsinnig und töricht. Denn die Generation mit der Frühkindlichen PTBS kommt jetzt erst in die Altenpflege. Fehldiagnosen wie Demenz oder Depression sind unerwünscht, da sie den Betroffenen nicht gerecht werden und keine entsprechende Pflege zulassen.

 

Dazu kommt auch, dass es aus der neueren Geschichte Ereignisse gibt, die traumatisierend waren wie der 11.9., Amokläufe, Zusammenbruch der DDR, etc. Auch von diesen Ereignissen waren unter anderem Kinder betroffen. 

 

 


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