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Hindus in der Pflege

 

Im Hinduismus gibt es sehr große Unterschiede, je nachdem, aus welcher Schule oder religiösen Richtung, Kaste, Region, Tradition er stammt. Allgemeingültige Aussagen zur Pflege sind daher nicht möglich, nur grobe Anhaltspunkte.

Sollte man zwei nicht miteinander verwandte Hindus gleichzeitig betreuen, wäre es naheliegend, diese beiden auch zusammenzulegen. Gut gedacht, aber eventuell keine gute Entscheidung. Zuerst nachfragen, ob das auch erwünscht ist. Gehören die Beiden unterschiedlichen Kasten an, könnte es sein, dass es Schwierigkeiten gibt.

Die Reinlichkeit ist ein wesentlicher Punkt bei Hindus. Wenn es nicht möglich ist, täglich zu duschen, sollte zumindest eine Ganzkörperwäsche angeboten werden.

Männer haben oft ein sehr traditionelles Rollenverständnis, Frauen ein ausgeprägtes Schamgefühl. Um Konflikte zu vermeiden, bzw die Integrität der Frauen zu wahren, sollte auf jeden Fall die Pflege gleichgeschlechtlich stattfinden. 

Viele Hindus sind Vegetarier. Die Hindus, die Fleisch essen, sollten keinerlei Produkte aus Rindfleisch serviert bekommen. Manche Hindus essen auch keine Eier, Zwiebeln oder Knoblauch. Betreffs Einschränkungen beim Essen muss auf jeden Fall nachgefragt werden. 

 

Frederic Shoberl : A Hindoo Widow Burning Herself with the Corpse of her Husband 1820; gemeinfrei

 

 

Mögliche Konflikte

 

Viele traditionelle Hindus haben ein anderes Rollenverständnis als die Europäer. Jungen werden bevorzugt, Frauen haben sich ihrem Ehemann absolut zu unterwerfen. Ein Grund, dass Frauen auch freiwillig den Sati (Witwenverbrennung / aber es geschah auch oft genug nicht freiwillig) machten, liegt auch an der Stellung der Frau. Mit dem Tod des Mannes gerät die Frau ins gesellschaftliche Abseits, ist extrem abhängig, gerät in der Regel in größte Armut und gilt als minderwertig. Satimatas (Frauen, die durch Sati starben) wurden dagegen in Indien hoch verehrt (auch heute noch, obwohl es verboten ist). Obwohl Sati verboten ist, kommt es immer wieder einzeln zu Witwenverbrennungen. Weibliche Föten werden massenhaft abgetrieben, weibliche Säuglinge oft genug ermordet. Trotz allgemeiner Schulpflicht dürfen viele Mädchen im Gegensatz zu Jungen nicht in die Schule und müssen stattdessen hart arbeiten. Laut Verfassung gibt es keine Mitgift mehr, in der Realität sieht es anders aus und Familien verschulden sich auf Jahre, um die Mitgift aufbringen zu können. Gewalt gegen Frauen aus niederen Kasten wird in der Regel toleriert. Ein traditionell erzogener Mann mit einem derartigen frauenfeindlichem Bild wird es nicht ändern, auch wenn er sich in einer deutschen Pflegeeinrichtung befindet. Trotzdem muss er gepflegt werden. Von daher ist es sinnvoll, dafür zu sorgen, dass er gleichgeschlechtlich gepflegt wird. So wird es vermieden, dass er sich etwas von einer Frau sagen lassen muss und das weibliche Pflegepersonal erspart sich Ärger. 

 

 

Sterbepflege

 

Hindus glauben an die Wiedergeburt. Die Seele, Atman genannt, ist unsterblich. Die Art des Sterbens ist wichtig für das Wohl der Seele nach dem Tod. Tod ist nicht nur Abschied, sondern auch Neubeginn.

Darum sollte das Sterbezimmer eine würdevolle Umgebung sein und beispielsweise mit Blumen und Bildern geschmückt sein. Auch sollten Räucherstäbchen, ein Glöckchen und ein kleines Licht nicht fehlen. 

Liegt ein Hindu im Sterben, wollen viele Angehörige, Freunde und Kollegen Abschied nehmen. Im Interesse des Klienten sollte der Besucherstrom nicht reglementiert werden. Ein Hindupriester könnte einen kleinen Gottesdienst abhalten. Die Salbung kann auch von einem Angehörigen durchgeführt werden. Einige Tropfen Gangeswasser und ein Blatt der Tulsi (Indisches Basilikum, wird auch als Königsbasilikum oder Heiliges Basilikum bezeichnet) wird dem Sterbenden unter Gebeten auf oder in den Mund gelegt. Das kleine Licht wird geschwenkt zum Klang des Glöckchens, ein Stirnpunkt gegeben und der Sterbende gesegnet.

Sterbende werden mit dem Kopf in Richtung des Totengottes Yama (Richtung Süden) gelegt. Es gibt Traditionen, den Sterbenden auf den Boden zu legen. Wenn es irgendwie möglich ist, sollte der Wunsch der Angehörigen respektiert werden. Auch sollte die Totenwache gestattet werden. Hindus glauben, dass die Seele des Verstorbenen sich nicht gleich entfernt. Deshalb werden die Verstorbenen bis zur Feuerbestattung nicht allein gelassen.

Der Tote muss mit fließendem Wasser gereinigt werden, nicht nur um den Körper zu reinigen, sondern auch die Seele. Dann wird der gesalbte Körper in Tücher gehüllt, die in Gangeswasser getaucht waren. Wenn der Verstorbene abgeholt wird, soll er mit den Füßen zuerst aus einer Hintertür getragen werden.

Obwohl der Tod der Übergang in ein neues Leben ist, wird getrauert. Als Zeichen der Trauer wird oft das Kopfhaar rasiert.  Zum Gedenken an den Verstorbenen ist es üblich, Kerzen auf einem fließenden Gewässer brennen zu lassen. Am Todestag gedenkt man mit Opfergaben. Diese Opfergaben dürfen nur Männer erbringen, die damit auch ihr Karma verbessern.

 

Es gibt Bestattungstraditionen, die in Deutschland verboten sind. Dazu gehört die Befreiung der Seele. Atman oder die Seele ist innerhalb des Körpers ein eigener Bereich. Es existieren Rituale, dem Verstorbenen den Schädel einzuschlagen, um seine Seele aus dem Körper zu befreien, damit sie zu Brahman (heilige Rede, heilige Kraft oder das Absolute) gelangen kann. Auch die öffentliche Feuerbestattung auf dem Scheiterhaufen ist verboten. Sati (Witwenverbrennung) ist allerdings auch in Indien verboten. Eine weitere Tradition, nach drei Tagen die Asche des Verstorbenen in den Ganges, Fluss oder Meer zu streuen, ist in Deutschland aufgrund des Friedhofzwanges ebenfalls nicht erlaubt.