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Hospitalismus

  • Körperliche und seelische Folge eines langen Krankenhaus-,  Heimaufenthalts (mangelnde Umsorgung, lieblose Behandlung von Babys und Kindern; auch Folge von Folter oder Isolationshaft)
  • Psychischer Hospitalismus (Deprivationssyndrom, lateinisch deprivare - berauben von Reizen und Zuwendung)
  • Infektiöser Hospitalismus (Nosokomiale Infektion, durch Klinikaufenthalt verursachte Infektionen wie z.B. verunreinigte Flächen, Pflegeutensilien, Hände oder Antibiotika-Resistenz)
  • Physiologischer Hospitalismus  (Sämtliche körperlichen Verletzungen, die nicht eine bakterielle Ursache haben wie Verabreichung von falschen Medikamenten, falsche Dosierung, ungesicherte Medikamente, Decubitus, mangelhafte oder falsche Krankengymnastik, fehlende Therapie-, Freizeitangebote, zu wenig Außenkontakte, freiheitsentziehende Maßnahmen, Sedierung, Liegen lassen in Kot und Urin, ungenügende Nahrungszufuhr, unzureichende Flüssigkeitszufuhr) 

 

Schwerste Form des Hospitalismus: Kaspar-Hauser-Syndrom

 

 Völliger Reizentzug in Kombination mit Misshandlung bzw. Gefangenschaft

 

 Folge: gestörte Entwicklung, körperliche und geistige Zurückgebliebenheit, extreme Ängstlichkeit

  

Quelle: Spiegel TV 1990

(Rumänien unter der Herrschaft Ceausescus: Kinderheim „Cighid“. Bis 1990 vegetierten über 100 Kinder in Gitterbetten, Dreck, Kälte, mangelnder Bekleidung, Mangelernährung und fehlender menschlicher Zuwendung dahin. Folgen: unzählige Kinder starben, die überlebenden Kinder konnten nicht kriechen oder laufen und waren geistig massiv zurückgeblieben)

 

Psychischer Hospitalismus (Deprivationssyndrom)  

Hospitalismusfördernd ist das Fehlen optischer sowie akustischer Stimulation


> Entwicklungsverzögerungen, Entwicklungsstörungen

> Unpersönliche oder lieblose Betreuung

> Mangelhafte individuelle Zuwendung

> Mangel an Reizen

> Misshandlung

 

Ursachen in der Mutter-, Kindbeziehung im ersten Lebensjahr

Widersprüchliches Mutterverhalten (z.B. mit Freundlichkeit verdeckte Ablehnung)

Aktive und passive Ablehnung des Kindes

Überfürsorglichkeit (Luxusverwahrlosung)

Abwechselnde Feindseligkeit und Verwöhnung

 

Verwahrlosung von Kindern und Jugendlichen

Z.B. wenn sie sich selbst überlassen werden.

 

Luxusverwahrlosung

Entzug von Reizen durch Überbehütung. 

 

Stationärer Hospitalismus

> Lieblose Betreuung

> Isolation von der übrigen Bevölkerung

> „Fließband-Abfertigung“

> Ständiger „Zeitdruck“

 

Alteneinrichtungen, Pflegeheime, Kinderheime, Krankenhäuser, Psychiatrien, überforderte Familien 

 

Hospitalismus und Autismus

 

Schwer trennbar, da ähnliche Symptome

 

Trennung nur möglich außerhalb einer hospitalisierenden Umgebung:

  • Symptome von Hospitalismus klingen ab
  • Symptome bei Autismus bleiben 

 

Mögliche Symptome

  • Erhöhte Krankheitsanfälligkeit (vermehrt Infektionskrankheiten)
  • Erhöhte Sterblichkeit der Säuglinge und Kinder
  • Appetitstörungen
  • Motorische Verlangsamung
  • Ungenügende Reaktionsfähigkeit 
  • Passivität, emotionale Stumpfheit
  • Teilnahmslosigkeit bis zur Apathie 
  • Kontaktstörungen (Autismus)
  • Wahrnehmungsstörungen (Autismus)
  • Erzwingen von Aufmerksamkeit (auch negativ wie stehlen, lügen) 
  • Resignation
  • Depressionen 
  • Anaklitische Depression (Ahhängig, hilflos, Angst vor Verlust z.B. Kontakt)
  • Bindungsstörungen
  • Anpassungsstörungen
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung
  • motorische Unruhe (z.B. ständiges Umhergehen)
  • Stereotypien (z.B. Kopfwackeln, Schunkeln, Schaukeln) 
  • Selbstverletzung (z.B. Anschlagen mit dem Kopf an die Wand), 
  • Störungen der Aufmerksamkeit
  • Konzentrationsmangel
  • Schnelle Ermüdbarkeit, Leistungsschwäche 
  • Geringe oder fehlende Frustrationstoleranz
  • Aggressionen
  • Erhöhte Reizbarkeit 
  • Mangelnde soziale Integration
  • „Asoziales“ Verhalten (Verantwortungslosigkeit gegenüber sich und Anderen)
  • Verstärktes Daumenlutschen 
  • Körperliche Retardierung (z.B. Minderwuchs, Kachexie durch schlechte Ernährung)
  • Ungepflegtes Äußeres, mangelnde Körperhygiene 
  • Intellektuelle und emotionale Retardierung („Pseudodebilität“, Lernstörungen) 
  • Angstzustände (ängstlich-vermeidendes Verhalten) 
  • Geringes Selbstwertgefühl 
  • Mangelhaftes Gefühl von Geborgenheit und wenig Urvertrauen (bei Kindern) 
  • Eingeschränkte Kritikfähigkeit
  • Gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber Kränkungen 
  • Zurückfallen auf eine frühere Entwicklungsstufe
  • Abbau kognitiver Fähigkeiten, erworbene Fähigkeiten gehen wieder verloren
  • Zurückgreifen auf frühere Verhaltensweisen