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Individuelle Hilfeplanung (IHP)

 

Das IHP (Individuelle Hilfeplanverfahren) orientiert sich an der UN-Konvention zu Rechten von Menschen mit Behinderung. Es wurde für ambulante Eingliederungshilfen und teilstationäre Einrichtungen wie beispielsweise betreutes Wohnen entwickelt. Das HMB-Verfahren wird von Experten durchgeführt. Das IHP-Verfahren stellt den Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung oder psychischer Erkrankung in den Mittelpunkt, der selber am besten weiß, wie seine Lebenssituation aussieht.

Dabei soll er nicht als  „Träger“ eines Defizits angesehen, sondern unterstützt werden, um Barrieren überwinden zu können, damit er gleichberechtigt teilhaben kann am gesellschaftlichen Leben. Es wird davon ausgegangen, dass er selber die vorhandenen Barrieren am besten erkennt und weiß, welche Unterstützung er benötigt. Das IHP-Verfahren ist unabhängig von Leistungsformen und ergebnisoffen.

Die Checklisten der IHP ermitteln die spezifischen Kompetenzbereiche „Fähigkeiten und Ressourcen“ und „Störungen und Beeinträchtigungen“ und ihre Intensität. Daraus ergeben sich die Maßnahmen zur Überwindung von Hemmnissen, sowohl fachliche wie nichtfachliche. Fachliche Maßnahmen könnten z. B. Assistenzleistungen oder Therapieangebote sein. Beim IHP-Verfahren werden zunächst die persönlichen Vorstellungen und Wünsche der Betroffenen in Gesprächen erfragt. Ein Gesprächsleitfaden gibt als Hilfestellung Gesprächsthemen vor, um Leitziele mit dem Betroffenen zu erarbeiten.

Die Kommunikationsmöglichkeiten des Betroffenen müssen berücksichtigt werden. Im Zweifelsfalle werden dritte Personen ihres Vertrauens hinzugezogen. Die Leitziele erlauben ein zielorientiertes Arbeiten an den Bedürfnissen des Betroffenen und zukünftigen Leistungsempfängers. Ergaben beispielsweise die Gespräche, dass der Betroffene auf keinen Fall alleine in einer eigenen Wohnung leben möchte ist klar, dass für ihn besser ein Platz in einer Wohngemeinschaft gesucht werden sollte.

Die Leitziele geben die Richtung der weiteren Planung vor. Sie sollten positiv formuliert werden, also nicht, „Ich will nicht mehr in der eigenen Wohnung leben“, sondern „Ich will in einer Wohngemeinschaft leben“. Die Checklisten der IHP verzichten auf Ergänzungen oder Kommentare durch Experten. Es zählen ausschließlich die Vorstellungen des Betroffenen.

Mit dem Betroffenen wird auch die Bestandaufnahme der aktuellen Situation erarbeitet. Zum Beispiel wohnt der Betroffene zurzeit in der eigenen Wohnung. Welche Probleme ergeben sich für ihn dadurch, was klappt problemlos, welche Hilfen werden bereits genutzt, woran scheitert man eventuell, was ist positiv, inwieweit kann er selbstbestimmt leben und sich verwirklichen?

Bei der Bestandsaufnahme ergänzt der professionelle Gesprächspartner nach den Angaben des Betroffenen Darstellungen aus fachlicher Sicht. Die Leitziele werden regelmäßig überprüft. Was konnte erreicht werden, was nicht? Welche Maßnahmen haben gegriffen, welche Umstände hinderten? Nach dieser Überprüfung werden mit dem Betroffenen erneut Leitziele und Maßnahmen geplant. Die IHP ist also ein Prozess und erinnert strukturell an eine Pflegeplanung.

Wichtig ist bei der IHP, dass für diese Hilfspläne ein festes Zeitfenster vorgegeben wird. Dieses Zeitfenster kann sehr kurzfristig sein oder auch über einen längeren Zeitraum gehen, je nach dem Charakter des Leitziels. Das Leitziel muss überprüfbar sein. „Wischiwaschi“ oder hohle Absichtserklärungen sind nicht überprüfbar und somit auch kein Leitziel. Der Zeitrahmen sichert die Überprüfbarkeit. Situationen können sich verändern und damit auch die Leitziele. Die IHP bleibt nur flexibel und auf veränderte Lebensbedingungen anpassbar, wenn eine Überprüfung möglich ist.

Um eine Überforderung des Betroffenen zu vermeiden, aber auch, um die Umsetzung der Leitziele realistisch und realisierbar zu halten, werden in der Regel die Leitziele auf sechs begrenzt.

Diese sechs Leitziele bilden den Antrag für konkrete Leistungen, über die in der HPK (Hilfeplankonferenz) beraten wird. Die HPK setzt sich aus Vertretern der Leistungsträger, Sozialhilfeträger, Behindertenvertretung und Leistungsanbietern zusammen. Auch der Leistungsempfänger selber kann an der HPK teilnehmen. Die HPK ergänzt unter Umständen den Antrag und begründet eventuelle Abweichungen. Nach der Empfehlung der HPK entscheidet der Fallmanager (Sachbearbeiter des Antrages) die tatsächlichen Leistungen (Bedarfsfeststellung). Abweichungen von der HPK werden begründet und der Betroffene oder sein gesetzlicher Vertreter können gegen den Bescheid Widerspruch einlegen.

Der Vorteil des Individuellen Hilfeplanverfahrens ist offensichtlich: alle Beteiligten arbeiten eng zusammen und die Leitziele werden aus der Perspektive des Betroffenen formuliert. Aus den Leitzielen ergeben sich die Handlungsziele. Die Handlungsziele erlauben die tägliche Überprüfung der Leistungen durch die Leistungserbringer, also die praktische Umsetzung der IHP, und werden meist zeitlich begrenzt.

 Es heißt dann also nicht „Tagesstrukturierende Maßnahmen“ bei Herrn XY. Das Handlungsziel muss konkret sein in einem Zeitfenster. „Herr XY reagiert bis zum Dezember 2015 auf seinen Wecker und steht wochentags alleine morgens um 7°° Uhr auf, um rechtzeitig an seinem Arbeitsplatz erscheinen zu können“. Jeder Mitarbeiter, auch der neue Kollege oder die Vertretung, erkennt an diesem Handlungsziel, was das Ziel ist, nämlich die Selbständigkeit von Herrn XY zu fördern, Misserfolge am Arbeitsplatz zu vermeiden, Orientierung und Strukturen zu vermitteln. Dazu ist es nötig, um 7°° zu überprüfen, ob es Herr XY wirklich geschafft hat, aufzustehen.    

Zu den Leit- und Handlungszielen kommen noch Änderungs-, Förder- und Erhaltungsziele. Erhaltungsziele versuchen eine bestehende Situation, die als optimal gilt, möglichst lange genauso zu erhalten. Änderungs- oder Förderziele beschreiben auf der Basis der Handlungsziele erwünschte Veränderungen. Diese Veränderung sollte in einem überschaubaren Zeitfenster und überprüfbar ablaufen.


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