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Kältetherapie / Anwendungen durch Kälte

Die therapeutische Anwendung von Kälte hat eine jahrhundertlange Tradition. Schon Hippokrates (460 - 370 v. Chr.) empfahl Eiswasser zur Fiebersenkung, bei Schmerzen und zur Blutstillung. In Deutschland entwickelte der Priester Sebastian Anton Kneipp (17.5.1821-17.6.1897) seine natürlichen Heilmethoden. Er soll 1849 an Tuberkulose erkrankt sein, dazumal ohne wirksame Medikamente ein sicheres Todesurteil. Zufällig entdeckte er das Buch „Unterricht von der Heilkraft des frischen Wassers“ von Johann Siegmund Hahn und badete daraufhin täglich mehrere Male einige Minuten in der eiskalten Donau und wurde gesund. Er sammelte nun bekannte derartige Methoden, entwickelte sie weiter und begründete die Kneippsche Lehre. Seine Lehre umfasst die Hydro-, Phyto-, Kinesio-, Ernährungs- und Ordnungstherapie und ist ein ganzheitliches Konzept.

Johann Siegmund Hahn, Mitbegründer der Wasserheilkunde in Deutschland (public domain)


Hydrotherapie: Waschungen, Güsse, Wickel, Bäder, Saunagänge mit unterschiedlichen oder abwechselnden Kalt- und Warmwasseranwendungen.

Phytotherapie: Heilpflanzen und ihre Verwendung in Tees, Säften, Packungen, Inhalationen, Bädern, Waschungen.

Kinesiotherapie: Bewegung zur therapeutischen Unterstützung, z. B. Wassertreten, Barfußlaufen oder Gymnastik.

Ernährungstherapie: Umstellung der Ernährung auf eine vielseitige, ausgewogene Vollwertkost.

Ordnungstherapie: Kneipp verstand darunter eine bewusste und gesunde Lebensführung, um das körperliche und seelische Wohlbefinden zu erhalten.

 

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Alin

Anwendungen für die Kältetherapie:

  • Güsse
  • Wechselbäder/Wechselduschen
  • Barfuß durch Tau oder Schnee laufen
  • Eispackungen (wenige Minuten auf der Haut, dafür vier bis fünf Mal hintereinander)
  • Gelkompressen
  • Kalte oder nasse Wickel

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Wirkung der Kältetherapie:

  • Blutgefäße ziehen sich zusammen, Blutungen ins Gewebe werden reduziert
  • Muskeln werden angespannt und entspannen anschließend
  • Schmerzlinderung durch Verengung der Blutgefäße und Blockierung der Nervenbahnen
  • Verminderung von Schwellungen 
  • Entzündungsrisiko kann gesenkt werden, weil das Gewebe nicht optimal mit Sauerstoff versorgt wird durch Verlangsamung des Stoffwechsels. Das Gewebe kann einen zeitlich begrenzten Sauerstoffmangel überstehen und dadurch die Heilung begünstigen.

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Kontraindikation

  • Harnwegsinfektionen
  • Nieren-, Blasenbeschwerden
  • Ischiasbeschwerden (Ischiasnerv)
  • Rheuma (Entzündung)
  • Menstrutaionsbeschwerden
  • Bluthochdruck
  • Schwächezustände
  • Herzerkrankungen
  • Vergrößerung der Schilddrüse
  • Kälteallergie

Wasser-, Luftbad (public domain)

Anwendungsformen:

Kühlspray, Eiseinreibungen, Eispackungen, Kältepackungen mit Kühlgelbeuteln, tiefgekühlte Luft, Stickstoff, nasskalte Wickel, Güsse, Waschungen, Bäder, Kompressen, Auflagen, Wassertreten, Barfußlaufen

Barfußlaufen (public domain)

 

Ganzkörperkältetherapie (GKKT)
 

Die Kryotherapie (griech. kryos = Kälte) als Ganzkörperkältetherapie wurde durch den japanischen Arzt Dr. Toshima Yamauchi 1978 in Europa vorgestellt. In einer Kühlkammer wird der Patient einer Temperatur von minus 110°-196°C zwei bis drei Minuten ausgesetzt. Dazu betreten die Patienten die Kühlkammer leicht bekleidet mit Stirnband, Holzschuhen, Handschuhen (Schutz der Akren) und Mundschutz und laufen in der Kammer im Kreis. Sie sollen flach durch die Nase atmen. Anschließend folgt die Behandlung einzelner Gelenke mit Stickstoffdampf oder heute meist flüssigen Sauerstoff. Danach folgt ein intensives Bewegungstraining.

 

Autor Rudolf Simon

 

Die peripheren Nozizrezeptoren (Schmerzrezeptoren) werden bei der GKKT blockiert. Dadurch werden Schmerzen am Bewegungsapparat gelindert und entzündliche Prozesse gedämpft. Deshalb ist im Anschluss eine intensive Bewegungstherapie möglich, die normalerweise an den Schmerzen des Betroffenen scheitern würde.

Die GKKT wird beispielsweise bei Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, chronischer Polyarthritis, Muskelerkrankungen, Rheuma, aber auch bei Hauterkrankungen angewendet. Kontraindikationen sind arterielle Durchblutungsstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Kälteallergie, akute Blasen-, Nierenentzündungen oder Raynaud-Syndrom („Leichenfinger“).

Mögliche Nebenwirkungen sind Blutungen, Rötungen, Blasenbildungen, kurzfristige Ödeme, Haarausfall oder Kopfschmerzen, die aber normalerweise gut zu kontrollieren und reparabel sind.

Die Kryotherapie kommt auch mit anderen Verfahren (beispielsweise Sonden) in unterschiedlichen Disziplinen der Medizin zum Einsatz (z.B. Chirurgie, Augenheilkunde, Dermatologie).


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