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Kinästhetik

(engl. Kinaesthetics), durch die Sinne wahrgenommene Bewegung, befasst sich mit dem Studium der menschlichen Bewegung

Instrument zur Analyse von menschlichen Bewegungsmustern (USA), griechisch „kinesis“ (Bewegung) und „aesthesie“ (Wahrnehmung)

 

Erkenntnisse:

Wenn der Pflegende z.B. nicht mehr hebt, sondern in der Bewegung unterstützt, nehmen arbeitsbedingte gesundheitliche Risiken des Personals deutlich ab.


Pflegebedürftige Menschen entwickeln mehr Eigenaktivität und werden schneller mobil. Sie erfahren sich als wirksam. Gepflegte lernen, ihre Lebensqualität direkt zu beeinflussen. 


Alle inneren Prozesse wie Atmung, Verdauung usw. sind Bewegungsprozesse. Diese werden durch die eigene Bewegung in den täglichen Aktivitäten reguliert. 

 

Menschen sind Bewegungssysteme. Sie empfinden eigene Bewegung und die eines anderen Menschen

Menschen erweitern ihre Bewegungskompetenz, indem sie Bewegungen

  eines anderen Menschen folgen

ermittelt Kenntnisse und Erfahrungen der eigenen Bewegungsfähigkeit 

der Pflegende soll die Bedeutung von Berührung und die Möglichkeiten der sensomotorischen Kanäle erspüren 

wirksame Methode zur Gesundheits- (Bewegungs-) förderung 

Hilfe zur Selbsthilfe (Körperwahrnehmung und Bewegungsfähigkeit ein- schätzen.  

Bewegungsfähigkeit in alle nötigen Aktivitäten einbeziehen und individuell an Situationen anpassen  

 

6 Konzepte:

 

1. Interaktion 

 Aktivität so gestalten, dass Bewegung durch Sinne selbst eingeleitet werden können

 Raum, Zeit, Anstrengung im Bewegungsablauf so einsetzen, dass Selbstkontrolle über den Gewichtsverlauf behalten wird

 Interaktionsformen („Wechselbeziehung zwischen Handlungspartnern“) müssen auf

die Möglichkeiten des Gepflegten angepasst sein

 

2. Funktionale Anatomie 

 Kontrolle des Gewichtsverlaufs über Orientierung (oben, unten, Vorder-,Rückseite)

 freie Zwischenräume, um Gewichtsverlagerung von Masse zu Masse zu gestatten

 Gewicht der Muskeln und Knochen müssen zur Bewegung passen

 

3. Menschliche Bewegung 

  durch Ausnutzung aller Bewegungsebenen zu eigenem Bewegungsmuster finden

 

4. Anstrengung 

 Gepflegter soll selber Druck und Zug aufbauen und erfahren können

 

5. Menschliche Funktion 

 Position kann mit Unterstützung gehalten und angepasst werden

 Position und Aktivität kann vom Gepflegten durchgeführt und wahrgenom- men werden

 Fortbewegung, Gewicht verlagern, danach bewegen, wieder Gewicht ver lagern, müssen integriert sein

 

6. Umgebung 

 die Umgebung muss Bewegung effektiv unterstützen



Menschen entwickeln die eigenen Bewegungsfähigkeiten, indem sie der Bewegung von anderen Menschen folgen. 

Pflegebedürftige Menschen müssen neu entdecken, wie sie ihr Gewicht gegenüber der Schwerkraft kontrollieren können. Es werden neue Bewegungsmöglichkeiten entdeckt, um alltägliche Aktivitäten durchzuführen. 

Die Hilfe der Pflegenden können den Lernprozess konstruktiv oder destruktiv beeinflussen. 

Das wichtigste Entwicklungsangebot für eine Patientin ist die kompetente Begleitung der Pflegenden. 

 

Sieben Grundpositionen oder „Einfache Funktion“, mit der Kleinkinder lernen, sich gegen die Schwerkraft zu behaupten, um vom Liegen ins Stehen zu kommen.

Die Kinästhetik teilt den Körper in sieben Massen  (Kopf, Brustkorb, Becken, Arme, Beine) und sechs Zwischenräumen (Hals, Taille, Schultergelenke, Hüftgelenke) ein.

Masse = viele knöcherne Strukturen

Zwischenräume = viele muskuläre Strukturen

 

Bewegung:

 Kontakt mit Massen fördert Bewegung

 Kontakt mit Zwischenräumen hemmt Bewegung und Eigenaktivität des Bewohners

 Nicht im Ganzen, „Masse für Masse“ verlagern

 

Signale: 

  Eindeutige Berührung an den Massen

 

Orientierung:

 Körperliche Orientierung (Z.B. Druck auf Knie)

 

Grundsätze des rückenschonenden Arbeitens:

1. Richtiges Schuhwerk: bequem, möglichst Fußbett, keine hohen Absätze, rutschfeste Sohlen, geschlossen

2. Richtige Standposition: Vergrößerung der Standfläche durch leichte Grätschhaltung der Beine, Fußspitzen leicht nach außen, Gewichtsverlagerung auf den ganzen Fuß, Heben aus der Kniebewegung heraus (Füße und Kniee in einer Linie), Rücken gerade

3. Einsatz von Hilfsmitteln: Pflegebetten in Arbeitshöhe bringen, Patientenlifter nutzen, Transfergurte, Rutschbretter, Drehscheibe, Bettleiter

4. Mobilisation: Jede Unterstützung des Betreuten entlastet den Betreuenden

5. Hilfe holen: Schwere, immobile oder unkooperative Betreute nie alleine versorgen, sondern mit 2. Pflegekraft

6. Heben: Körpernah, Vermeidung von abrupten Bewegungen und übermäßigen Krafteinsatz

7. Ausgleich schaffen: Gymnastik, Sport, Rückenschule, langes Sitzen vermeiden, beim Sitzen Rücken gerade halten und abstützen am Tisch, Vermeidung von Übergewicht

8. Kinästhetik: Die Konzepte und Regeln beachten

 

Mit Ausnahme des ersten und zweiten Halswirbels und der verschmolzenen Steißbeinwirbel sind die Wirbel der Wirbelsäule durch Bandscheiben verbunden. Die Bandscheiben ermöglichen die Beweglichkeit, Biegsamkeit und Elastizität der Wirbelsäule. Sie federn Stöße ab und dämpfen Erschütterungen. Je nach Bewegung verändert sich Druck und Belastung auf die Bandscheiben. Durch falsche Haltung oder Bewegung werden die Bandscheiben verstärkt belastet. Durch eine vorhandene Knorpelabnutzung kann bei einer falschen Bewegung ein Bandscheibenvorfall auftreten. Fortschreitendes Alter und / oder Exsikkose begünstigen eine Knorpelabnutzung. 

 

 

 

Schematischer Aufbau einer Bandscheibe

 

Schematische Darstellung eines Bandscheibenvorfalls

 

Nicht jeder Bandscheibenvorfall verursacht Schmerzen. Drückt der Gallertkern auf Nervenwurzeln, Nervenfaserbündel und / oder Rückenmark, stellen sich unterschiedliche Beschwerden ein. 

  • Druck gegen eine Nervenwurzel: intensive Schmerzen, die bis in Arme und Beine ausstrahlen können. Es können Gefühlsstörungen auftreten wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle. Muskeln können in Mitleidenschaft gezogen sein durch verminderte Leistung bis zu Lähmungen.
  • Druck auf Nervenfaserbündel: Sensibilitätsstörungen im analen und / oder genitalen Bereich, Harn- und / oder Stuhlinkontinenz, Sensibilitätsstörungen der inneren Oberschenkel bis zu Lähmungen der Beine.
  • Druck auf das Rückenmark: unterschiedliche Symptome nach Sitz des Bandscheibenvorfalls
    • ​Brustwirbelsäule: Gefühlsstörungen, Spasmen, Lähmungen
    • Lendenwirbelsäule: Lähmungen im analen und / oder genitalen Bereich, Lähmungen der Beine

 

Aufnahme eines Bandscheibenvorfalls in der LWS

Michael-W. Wikipedia.de