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Die erste Sure in einer Handschrift von Aziz Efendi / Wikipedia / Ras67 / gemeinfrei

 

Koran

 

Der Koran ist die Heilige Schrift des Islams und enthält die wörtliche Offenbarung an den Propheten Mohammed. Er umfasst 114 Suren, die wiederum aus einer unterschiedlichen Anzahl an Versen in einer speziellen Reimprosa bestehen. Der Koran ist in arabischer Sprache verfasst und die Grundlage der Scharia.

Vermutlich war Mohammed Analphabet. Nach der Überlieferung schrieb der Erzengel Gabriel in 22 Jahren in sein Herz die Suren, die der Prophet dann rezitierte. Viele Verse zeigen einen Bezug auf aktuelle Geschehnisse der damaligen Zeit, andere erzählen von den vorigen Propheten und wieder andere enthalten Vorschriften und allgemeine Glaubensgrundsätze. Der Koran spricht alle Menschen an, auch Nichtgläubige.

Vor dem Tod des Propheten Mohammed waren bereits verschiedene Teile des Korans schriftlich niedergeschrieben worden. Nach seinem Tod entstand der erste Koran-Kodex. Der Kalif Uthman ibn Affan ließ einen überarbeiteten Koran erstellen. Jeder Vers musste von mindestens zwei Männern bezeugt werden, dass sie es genauso vom Propheten gehört hatten. Sechs Verse wurden nur von dem früheren Diener Mohammeds bezeugt, für den eine Sonderregelung getroffen wurde.

Eine Übersetzung des Korans aus dem Arabischen kommt für Traditionalisten nicht infrage, da eine Übersetzung die Gefahr einer Interpretation birgt. Daher empfehlen sie das Studium des Korans in der arabischen Originalfassung. Dennoch existieren inzwischen zahlreiche Übersetzungen in unterschiedlichste Sprachen.

 

Megerlein 1772 „Die türkische Bibel, oder des Korans allererste deutsche Übersetzung direkt aus der Arabischen Urschrift" / Wikipedia / Hablu / gemeinfrei

 

 

Scharia

 

(Wikipedia, Voland77, public domain)

Länder, in denen die Scharia keine Rolle im Rechtssystem spielt.

Länder in denen die Scharia im Privatrecht Anwendung findet.

Länder, in den die Scharia überwiegend gilt.

Länder mit regional unterschiedlicher Anwendung der Scharia.

 

Die Scharia bezeichnet die Gesamtheit des islamischen Gesetzes und basiert auf dem Koran. Sie gilt als Ordnung Allahs, die Frieden und Gerechtigkeit schafft und ist keine fixierte Gesetzessammlung, sondern eine Methode der Rechtsschöpfung. Niedergelegt wurde sie vor allem in der frühislamischen Zeit. Das islamische Gesetz regelt die kultischen und rituellen Vorschriften des Einzelnen und das Zusammenleben in der Gesellschaft (z. B. Vermögensrecht, Familienrecht, Erbrecht, Strafrecht). 

Die Scharia sorgt immer wieder für Diskussionen in nichtislamischen Ländern, weil Delikte und Strafmaße nicht ihren Rechtsvorstellungen entsprechen. Dazu muss aber bemerkt werden, dass die Scharia nie vollständig zur Anwendung kam. Auch in Ländern wie beispielsweise der Iran oder Sudan wird sie nur teilweise praktiziert. In den meisten islamischen Ländern findet man Elemente aus Geboten des Korans, der islamischen Überlieferung, dem arabischen Gewohnheitsrecht, vorislamische und europäische Rechte in der heute geltenden Rechtsprechung.

Das islamische Strafrecht unterscheidet in Grenz-, Wiedervergeltungs- und Ermessensvergehen.

Als Grenzvergehen gelten Verbrechen, die nicht menschliches Recht, aber das Recht Allahs verletzen. Daher werden weltliche Gerichte oder außergerichtliche Einigungen nicht akzeptiert. Die Strafe wird unverändert vollstreckt, wie es im Koran oder Überlieferung vorgesehen ist. Ehebruch oder Unzucht wird beispielsweise mit Peitschenhieben, Arrest, Verbannung bis zur Todesstrafe geahndet. Schwerer Diebstahl, ausgenommen Mundraub oder Taschendiebstahl, führt zur Amputation der rechten Hand und im Wiederholungsfall des linken Fußes. Raub in Verbindung mit Totschlag wird mit der Todesstrafe bestraft. Alkohol- oder Drogengebrauch wird mit Schlägen vergolten. Die Strafen für Homosexualität und Vergewaltigung werden kontrovers diskutiert. Für den Abfall vom Islam ist die Todesstrafe vorgesehen. Voraussetzung für eine Verurteilung ist entweder ein freiwilliges Geständnis (der Geständige muss mündig und geistig gesund sein und vorsätzlich gehandelt haben) oder die Aussage zweier männlicher Augenzeugen (bei Ehebruch und Unzucht vier männliche Augenzeugen). Ein Geständnis kann widerrufen oder bei Unglaubwürdigkeit vom Richter zurückgewiesen werden.

Verbrechen mit Wiedervergeltung verletzen nach der Scharia menschliches Recht. Dazu gehören Mord und Totschlag. Geahndet werden diese Verbrechen nach dem Motto: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, das heißt, der Täter erfährt dieselbe Verletzung, die er verübt hatte. Das Opfer, niemand anderes, hat das Recht, dem Täter unter Aufsicht des Richters die gleiche Verletzung beizubringen. Wenn das Opfer oder die Familie des Opfers auf Vergeltung verzichtet, kann sie vom Täter einen sogenannten Blutpreis fordern. Zusätzlich muss der Täter eine religiöse Bußleistung leisten wie z. B. zusätzliches Fasten.

Ermessensvergehen gehören weder zu den Grenzvergehen noch zu Verbrechen mit Wiedervergeltung. Dazu gehören beispielsweise Delikte wie Aufruhr, Lügen, Rufmord, Beleidigung, Bestechung, Betrug, Urkundenfälschung, Sachbeschädigungen, Verkehrsverstöße, Rauschgifthandel, Erpressung usw. Die Bestrafung liegt im Ermessen des Richters. Strafmaße sind je nach Schwere des Vergehens Ermahnungen, Tadel, Geldstrafen, Verlust des Amtes oder des Besitzes, Gefängnisstrafen, Verbannung, Auspeitschung bis zur Todesstrafe.