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Die Krankensalbung

Pietro Antonio Novelli (1729–1804), Quelle WikimediaCommons, gemeinfrei

 

Früher hieß die Krankensalbung „Letzte Ölung“. Dieser Begriff wird heute noch häufig für die Krankensalbung verwendet, was für Verwirrung sorgen kann. Als „Letzte Ölung“ rückte die Krankensalbung nahe an den Tod und wurde somit eher als Stärkung für den Übergang in eine andere Existenz gedeutet. Heute begreift man die Krankensalbung als Mittel zur Bewältigung schwerer Erkrankungen, die dem Kranken Gott als Freund und Jesu heilendes Wirken nahebringen soll. Der Kranke soll nicht vorzeitig dem Tod überantwortet werden, denn die Bestimmung des Menschen ist das Leben und nicht der Tod. In der Gemeinschaft mit Christus durch die Krankensalbung bestehen Kranke aber auch das Sterben.
 
Die Krankensalbung ist ein Sakrament der römisch-katholischen, der altkatholischen und der orthodoxen Kirchen. In den Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden wird die Krankensalbung praktiziert als "Ältestendienst nach Jakobus 5". Die lutherische Kirche sieht für die Krankenseelsorge ebenfalls eine Salbung vor, die jedoch nicht als Sakrament verstanden wird.
 
Römisch-katholische Kirche
 
Die Krankensalbung ist wie alle sakramentalen Salbungen ein Mittel zur Stärkung, Hoffnung und Ermutigung. Der Kranke wird auf sakramentale Weise mit Jesus dem Gekreuzigten verbunden. Somit bekommt das Leiden des Kranken einen neuen Sinn und viele Menschen erleben dadurch neue Kraft und neuen Mut. Die Krankensalbung gilt neben dem Sakrament der Buße als Heilungssakrament und geht auf den Auftrag an die Jünger zurück zu heilen (Lk 10, 9). In Jak. 5, 13-18 ist bereits eine genaue Beschreibung der Krankensalbung mit den wesentlichen Elementen Gebet, Salbung mit geweihtem Öl und Sündenvergebung.
 
Das Sakrament darf nur Lebenden gespendet werden, wobei der "moralische Tod" berücksichtigt wird. Das heißt, dass ein Mensch, der "klinisch tot" ist, das Sakrament noch zwei Stunden später empfangen kann.
 
Vor der Krankensalbung sollte die Beichte abgelegt werden, wenn der Kranke dazu in der Lage ist. Ansonsten gilt das Sakrament der Krankensalbung als völlige Sündenvergebung ohne Beichte. Daher darf die Krankensalbung nach dem Konzil von Trient nur Bischöfe oder geweihte Priester durchführen. Das Sakrament wäre ungültig, wenn es ein Diakon, Pastoralassistent oder ein Laie versucht zu spenden. Nach den Vorschriften der Römisch-Katholischen Kirche wäre eine solche Handlung eine Vortäuschung der Sakramentenspendung und strafbar. Wichtig für das Zustandekommen des Sakraments ist die entsprechende Absicht ("Intention") des Spenders, das Sakrament spenden zu wollen.
 
Im Anschluss an die Krankensalbung ist je nach Gesundheitszustand der Empfang der Heiligen Kommunion möglich. Die Krankensalbung kann wiederholt werden, wenn sich der Kranke zwischenzeitlich erholt hatte oder eine Verschlechterung der Krankheit eintritt. Es gilt als Missbrauch, wenn beispielsweise in Altersheimen das Sakrament routinemäßig gespendet werden soll.
 
Früher wurde der ganze Körper gesalbt (Mittelalter), später die Sinnesorgane Augen, Ohren, Nase, Mund, die Hand und Füße, heute zumeist nur Stirne (Gedanken und Gesinnung) und Handinnenflächen (die Taten und Werke) als Symbol für die Gesamtheit des Menschen. Im Notfall genügt die Salbung der Stirn oder, falls nicht möglich, eine andere Stelle des Körpers. Der Priester spricht während der Salbung: "Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes: Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf."
 
Die Krankensalbung wird mit Krankenöl (geweihtes Olivenöl, notfalls ein anderes Pflanzenöl) durchgeführt. (Auch in anderen Kulturen wurde seit altersher Öl als Heilmittel verwandt und zu kultischen Zwecken eingesetzt wie beispielsweise die Salbung von Königen oder Priestern.) Dieses Krankenöl (lateinisch oleum infirmorum) wird in der Regel jedes Jahr am Morgen des Gründonnerstags (Chrisammesse) oder wenn nötig möglichst an einem osternahen Tag vom Bischof geweiht. Dann wird es an die Pfarreien der Diözese verteilt. Die heiligen Öle sind Sakramentalien. Im Notfall kann der Bischof oder geweihter Priester während der Krankensalbung das Öl weihen.
 
 
 
Krankensalbung in der Pflege: Das Zimmer sollte gut gelüftet sein. Ein Stuhl steht neben dem Bett für den Priester bereit. Ein für den Kranken gut sichtbarer weißgedeckter Tisch wird mit einem Kreuz, zwei Kerzen, ein Schälchen mit Weihwasser mit Aspergill oder Zweig, einem kleinen Teller mit fünf Wattebäuschen, ein Glas mit Wasser, ein Schälchen mit Salz und ein kleines Handtuch hergerichtet. Die benötigten Gegenstände heißen auch "Versehgarnitur" und sollten in christlichen Einrichtungen vorhanden sein.
 
In dem Raum sollte zur innerlichen Sammlung geschwiegen werden. Die Kerzen werden vor Eintritt des Priesters in das Zimmer entzündet. Es ist wünschenswert, dass Angehörige, Freunde (z.B. andere Heimbewohner) zugegen sind. Wenn der Kranke beichtet, müssen diese allerdings in der Zeit den Raum verlassen. Anschließend öffnet der Priester die Tür und lässt sie wieder hinein.
 
Nach der Krankensalbung sollte man den Kranken eine Weile alleine lassen. Erst dann wird der Tisch wieder abgeräumt, die benutzte Watte verbrannt und Wasser und Salz im Garten in die Erde gegeben.
 
Die Sterbesakramente
 

Die Sterbesakramente (unbekannter niederländischer Maler, um 1600), Quelle Wikipedia, gemeinfrei

 
Bei der Krankensalbung für Sterbende wird der Kranke, wenn möglich, auch mit den Sakramenten der Buße (vor der Krankensalbung) und der als Wegzehrung gespendeten Kommunion (nach der Krankensalbung) versehen. Sollte der Kranke nicht in der Lage sein, die Kommunion in Gestalt des Brotes zu empfangen, kann sie ihm auch in der Gestalt des Weines gereicht werden. Der Priester spendet gemäß der vom Papst erteilten Vollmacht dem Sterbenden den mit vollkommenem Ablass verbundenen apostolischen Segen. Ist der Sterbende nicht gefirmt, kann ihm der Priester auch dieses Sakrament spenden. Man spricht in diesen Fällen von den Sterbesakramenten.
 
Früher war es üblich, dass bei dem sogenannten Versehgang der Priester in Begleitung eines Ministranten in Chorkleidung zum Haus des Kranken kam. Der Ministrant trug ein Licht und eine kleine Schelle, um Entgegenkommende auf die Gegenwart des Allerheiligsten aufmerksam zu machen. In strenggläübigen ländlichen Gebieten oder beispielsweise Spanien wird es heute noch praktiziert. Hierzulande kommt heute der Priester meist allein ins Haus. Die Vorbereitungsmaßnahmen entsprechen der Krankensalbung.
 
 
 
Evangelisch-freikirchliche Gemeinden 
 
Die Krankensalbung steht als Symbol für das heilende Handeln Jesu Christi. Vorraussetzung für die Krankensalbung ist, dass der Kranke selber danach verlangt und die Gemeindeältesten zu sich rufen lässt: "Ist einer unter euch krank, so soll er die Ältesten der Gemeinde rufen, damit sie für ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben." (Jakobusbrief 5,14).
 
Für Kinder und Schwerkranke ist die Krankensalbung umstritten und wird unterschiedlich gehandhabt. Es gibt freikirchliche Gemeinden, die eine Ausnahme machen für Kinder. Da können die Eltern die Gemeindeältesten rufen. Eine weitere Ausnahme sind Pflegekräfte, die von ihrem Betreuten beauftragt wurden und es in Anwesenheit der Ältesten bezeugen (Der Betreute sollte mit dem Kopf nicken oder durch Mimik die Aussage bestätigen). Es gibt aber auch Gemeinden, die rundweg Ausnahmen ablehnen, da nur derjenige die Krankensalbung erhalten soll, der sie geistig erfassen kann.
 
Für Verstorbene wird keine Krankensalbung angeboten. Durchgeführt wird die Krankensalbung von den Gemeindeältesten. Der Gemeindepastor gehört in der Regel zu den Gemeindeältesten, seine Mitwirkung ist jedoch nicht erforderlich. Das verwendete Öl ist ein Salböl oder ein ganz normales ungeweihtes Pflanzenöl. Damit wird der Kopf des Kranken (Psalm 23,5), manchmal auch die erkrankten Körperteile gesalbt. Es gibt keine vorgeschriebene Liturgie.
 
Meistens beginnt die Krankensalbung mit einem Gebet und Schriftlesung (Jakobusbrief 5,14-16). Dann befragen die Ältesten, wenn möglich, den Kranken nach seiner Krankheit. Die Ältesten und der Kranke bekennen voreinander ihre Schuld (Jakobusbrief 5,16) und vergeben sich diese gegenseitig im Namen Jesu. Schließlich wird der Kranke im Namen Jesu mit Öl gesalbt. Anschließend legen die Ältesten die Hände auf und beten für seine Genesung. Das "Vaterunser" und / oder der Psalm 23 sowie ein Segenswort beenden die Krankensalbung.
 
 
 
Orthodoxie 
 
In der orthodoxen Kirche gibt es sieben Sakramente ( Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Priesterweihe, Ehe und Krankensalbung), die allerdings „Mysterion“genannt werden. Diese sind geschaffene Mittel, um die unerschaffene Gnade Gottes zu vermitteln. Darum darf sich derjenige, der an den „Mysterien“ teilnimmt, sich nicht auf den geschaffenen Träger konzentrieren, sondern er muss die unerschaffene Gnade, die darin verborgen ist, geistig erkennen.  
 
Das Mysterion der Krankensalbung wird für die seelische Reinigung der Christen und für die Heilung der Kranken gespendet. Damit bietet die orthodoxe Kirche allen Gläubigen die Salbung an, auch in Verbindung mit der Eucharistie. Die Beziehung der Salbung zur Eucharistie wird durch die Salbung aller Gläubigen im Gottesdienst des Mittwochs vor Ostern deutlich. Am Tag darauf, Gründonnerstag, findet die Feier des Abendmahls statt.
 
Die Krankensalbung sollten eigentlich sieben Priester durchführen, die “Versammlung der Priester“. Die Zahl “sieben” ist in der Kirche heilig und hat eine tiefe Bedeutung. Jeder Priester liest einen Abschnitt des Evangeliums vor, anschließend erfolgt die Salbung. Da es inzwischen schwierig ist, sieben Priester zusammen zu bringen, darf auch ein Priester die Salbung durchführen. (In der orthodoxen Gemeinschaft dürfen seit 2004 auch ordinierte Diakoninnen die Krankensalbung vornehmen.) Zum Ende des Gottesdienstes taucht der Priester einen Pinsel in das geweihte Öl und salbt ein Kreuz auf Stirn, Kinn, Wangen und beiden Händen. 
 
Direkt bei einem Kranken wird zusätzlich Nase, Lippen und Brust gesalbt. Dabei spricht der Priester bei jeder einzelnen Salbung: “Heiliger Vater, Arzt der Seele und des Leibes, Du sandtest Deinen einziggeborenen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, der alle Krankheit heilt und vom Tode erlöst. Heile auch Deinen Diener (Deine Dienerin) (Name) von der ihn (sie) umfangenden körperlichen und seelischen Krankheit und belebe ihn (sie) durch die Gnade Deines Christus.” Zwischendurch werden Abschnitte aus Apostelbriefen und Evangelium gelesen. Nach der 7. Salbung stellten sich die Priester im Kreis um den Kranken. Ein geöffnetes Evangeliar wird auf den Kopf des Kranken gelegt, sodass sich der Kopf zwischen den geöffneten Seiten befindet. Der Priester erklärt, dass nicht er seine sündige Hand auf das Haupt des Kranken legt, sondern “Deine machtvolle und kräftige Hand, die in diesem Heiligen Evangelium ist” und bittet um die Vergebung der Sünden und Gesundheit für den Kranken. Der Kranke wiederholt dabei ständig “Herr, erbarme Dich”. Nach den Abschlussgebeten verneigt sich der Kranke dreimal vor dem Priester (den Priestern) und spricht: “Segnet mich, heilige Väter, und vergebt mir Sünder!”
 
 
 
 
Rogier van der Weyden (1399/1400-1464), gemeinfrei