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Bildquelle: Heinrich Forster, "Illustrierter Führer durch Weiden", 2. Auflage 1907

 

Flossenbürg und das KZ Flossenbürg

Flossenbürg erkennt man bereits von weitem durch seine mittelalterliche Burgruine. Das klei­ne Dorf im Ober­pfäl­zer Wald besitzt reiche Granitvorkommen, wodurch sich neben der Agrar- und Forstwirtschaft ein weiterer wirtschaftlicher Zweig durch die Steinbrüche ergab.

Das KZ Flossenbürg war von Beginn an daran orientiert, möglichst preiswert Baustoffe zu produzieren, also die Arbeitskraft der Häftlinge maximal auszubeuten. „Vernichtung durch Arbeit“ mit dem größtmöglichen finanziellen Pro­fit durch die Häft­lings­ar­beit war das Konzept. Im Mai 1938 trafen die ersten Häftlinge im neugegründeten KZ ein. 

Bildquelle: US Army 99th Infantry Division, April 1945. US Army photo, public domain

 

Ab etwa 1942 wurden zunehmend Außenlager in Bayern, Sachsen und Tschechien eingerichtet, das KZ Flossenbürg war die Zentrale. In 25 Außenlagern wurden auch Frauen inhaftiert.

1944 wurden durch den Frontverlauf viele KZ´s geräumt und riesengroße Häftlingstransporte in das KZ Flossenbürg verschleppt. Die Überfüllung des KZ´s verschärfte die bereits inhumanen Bedingungen für die Gefangenen immens.  

An­fang April 1945 be­gann die sogenannte "Evakuierung" des KZ Flos­sen­bürg und der Au­ßen­la­ger. Auf den "Todesmärschen" kamen Tau­sen­de von Häft­lin­gen um. 

 

(Entschuldigung - die Werbung ist leider nicht vermeidbar. Aber das Video verschafft einen guten Überblick.)

Der Todesmarsch der Juden von Flossenbürg Radiodoku von Bayern2 in der ARD-Mediathek

Am 23. April befreite die US-Ar­mee das KZ Flos­sen­bürg. Im KZ befanden sich noch etwa 1500 Men­schen, die aufgrund ihrer schweren Erkrankung nicht auf die "Todesmärsche" getrieben wurden.
 
Mitten im Dorf Flossenbürg befindet sich ein Friedhof mit Mahnmal. Dort fanden die Häftlinge ihre letzte Ruhestätte, die die Befreiung 1945 erlebten, aber kurze Zeit später an den Folgen der KZ-Haft starben.
 
 
 
Gerechte der Pflege aus dem KZ Flossenbürg 
(Für nähere Informationen Namen anklicken)

Carl Schrade

Vladimir

Ferdinand Knobloch

Michel Michelin

Bisher unbekannter Pfleger aus Polen

Unbekannter homosexueller Häftling

 

Besichtigung des KZ´s am 15.3.2013

(Fotos: Gerd Laute und Renate Trautner)

Am 15.3.2013 besuchte die Berufsfachschule für Sozialpflege SP11 und die Berufschule für Landwirtschaft das KZ Flossenbürg. Nach der Ankunft wussten die Schüler, warum die Flossenbürger sagen "Bei uns ist es acht Monate Winter und vier Monate kalt" und ihren Ort auch als "Klein-Sibirien" bezeichnen. 

Das Gebäude der ehemaligen Lagerkommandantur, heute Verwaltung der Gedenkstätte. Auf dem unteren Bild ist die Rückseite der ehemaligen Lagerkommandantur. Von den mittleren obersten Fenstern konnte der Lagerkommandant das gesamte KZ-Gelände überblicken.

 Nachdem der Bus früher wie geplant eingetroffen war, wurde die Zeit genutzt, als Erstes zu den ehemaligen Wohnhäusern der SS-Offiziere zu gehen.  

Die Schüler sollten einen Eindruck davon gewinnen, was das KZ für das Leben der Flossenbürger bedeutete, besonders für die Flossenbürger, die den Nazis eher distanziert gegenüber standen.

Erschreckend: Für die SS-Offiziere blieb mit einem Feldstecher kaum etwas in Flossenbürg verborgen. Sie hatten den gesamten Ort im Blick. Die Flossenbürger konnten sich nie sicher sein, ob sie gerade beobachtet werden. 

Im Baustil erinnern die Häuser etwas an den Berghof im Obersalzberg, Schicklgrubers Sommerresidenz. Heute wohnen Familien in den Häusern, als wären diese Häuser völlig normale Wohnhäuser. Flossenbürg hatte diese Häuser in der Vergangenheit zu Spottpreisen angeboten, um sie verkauft zu bekommen und dennoch Probleme gehabt, neue Eigentümer zu finden. Böse Zungen behaupten, auf diesen Häusern läge ein Fluch, weil in ihnen das Böse wohne. Heute sind diese Häuser eine Idylle. Es bleibt die Frage, inwieweit Materie Gefühle, Lebensart, Gedanken speichern kann. Eine Braune Schwester, die dort die Familien betreute, berichtete später von schlimmen Verhältnissen in diesen Häusern, von Gewalt und Menschenverachtung. Eine Fortsetzung des Grauens des Konzentrationslagers in den intimen Bereich der SS-Offiziere, dem eigenen direkten Lebensumfeld. Bemerkenswert ist dieses ehemalige SS-Haus. Es wurde erworben von einer bekannten deutschen Biathletin. Der Kaufpreis war verlockend, direkt über Flossenbürg befindet sich ein riesiges Skilanglaufgebiet, die Silberhütte. Das Haus wurde entkernt, sollte aufwendig saniert werden. Bis die Sportlerin wusste, welche Geschichte das Haus hatte. Die Bauarbeiten stoppten und seitdem verfällt das Haus. Diese Sportlerin besaß das Einfühlungsvermögen, was leider viele Flossenbürger nie entwickelten. Diese Ruine ist ein Denkmal für Pietät und Menschlichkeit. 

Nach der Besichtigung der SS-Häuser ging es zurück zur Gedenkstätte. Im Durchgang der Kommandantur suchten die Schüler Schutz gegen den eiskalten Wind und warteten auf die Führung durch das KZ. Im Durchgang befindet sich eine Übersichtstafel des früheren KZ-Geländes. 

Am Luftbild konnten die Schüler feststellen, wo sich früher die Häftlingsbaracken befanden, in denen Menschen litten, verhungerten, an Entkräftung starben. Heute sieht es an der Stelle anders aus und zeigt das sehr unverkrampfte Verhältnis der Flossenbürger zum ehemaligen KZ. Dort, wo sich die Baracken befanden, stehen heute Einfamilienhäuser, so, als wäre dort nie etwas anderes gewesen.

   
 
Die Schüler fanden es ausgesprochen geschmacklos, wie der Ort nach dem Krieg mit dem KZ-Gelände umgegangen ist. Später erfuhren sie, dass es weitere Geschmacklosigkeiten gab, zum Beispiel, dass früher mitten im KZ auf dem Appellplatz zwischen Häftlingsküche und Wäscherei eine Fabrik stand. Nachdem der Ehrenfriedhof im Ort selber entstanden war, hatte die Gemeinde Flossenbürg einen sehr freizügigen Umgang mit dem KZ-Gelände. So wurde das ehemalige SS-Casino jahrzehntelang als Gaststätte benutzt, in dem auch der hiesige Schützenverein untergebracht war. Es wurde weitergesungen und geschwoft. Denn etliche Flossenbürger kannten das Casino bereits zur Zeit des Konzentrationlagers. Die größte Geschmacklosigkeit aber konnte gerade so verhindert werden. Es sollte eine Skisprungschanze gebaut werden. Die Skispringer wären direkt am "Tal des Todes" neben dem früheren Krematorium gelandet. Den Flossenbürgern war jahrzehntelang nicht klar, was ihre Politik des Verdrängens, Zubauens und Vertuschens für eine Respektlosigkeit besonders gegenüber den Überlebenden des  KZ´s war.
 
 
Die Gaststätte ist inzwischen raus und das Casino gehört jetzt zur Gedenkstätte. Es wird gerade umgebaut. In den Räumlichkeiten sollen Schulungs- und Seminarräume entstehen. Vielleicht schafft es ja Flossenbürg auch noch, sich etwas zur Straße einfallen zu lassen, die mitten durch das KZ zu den Wohnhäusern führt. Es wirkte etwas befremdlich, als ein Sprinter während unserer Besichtigung durch das KZ "sprintete".
 
Zwei Frauen trafen ein, die die Klassen durch die Gedenkstätte begleiten sollten. Es ist unbedingt anzuraten, in der Gedenkstätte eine Führung zu bestellen. Die Gedenkstättenleiter besitzen ein enormes Detailwissen und bereichern die Führungen mit ihren Erfahrungen und Eindrücken von den Treffen mit ehemaligen Häftlingen.
 

Die Klassen wurden für die Führung getrennt und parallel durch die Gedenkstätte begleitet. 

Das Haus der ehemaligen Wäscherei dient heute als Ausstellungsraum. Die feste Ausstellung beschreibt das Konzentrationslager vom Bestehen bis zu seiner Auflösung.

 
Von der Ausstellung waren die Schüler sehr beeindruckt. Durch das Modell bekam man erst einmal eine Vorstellung, wie groß das KZ in Wirklichkeit war.
 
 
 
 
Die Einzelbiografien machten den Schülern deutlich, dass die Häftlinge völlig "normale" Menschen waren, Menschen wie sie selber.
 
 
 
So mancher Schüler fror trotz seiner dicken Winterkleidung. Das Entsetzen war groß, in welcher Kleidung die Häftlinge der Witterung ausgesetzt wurden und dass sie noch nicht einmal Kleidung zum Wechseln bekamen.
 
 
Sehr anschaulich erklärten unsere Begleiterinnen, was früher in dem restaurierten Bad geschah, wie den Ankommenden sofort Wille und Persönlichkeit zerstört werden sollte.
 
 
 
Auch die ehemalige Häftlingsküche ist heute Bestandteil der Gedenkstätte. Dort waren wir nicht. In dem Gebäude befindet sich eine Ausstellung zur Geschichte des Konzentrationlagers und der Gedenkstätte nach 1945. Jahrzehntelang wurde in Flossenbürg verdrängt, vertuscht, zugebaut. An einer Aufarbeitung der jüngsten Geschichte bestand kein Interesse. Das änderte sich schlagartig, als 1998 eine französische Delegation einer Autofirma die Flossenbürger Firma, die Kabelstränge für die Automobilindustrie herstellte, besichtigen wollte. Der Vorstandsvorsitzende des französischen Konzerns, dessen Vater in Auschwitz ermordet worden war, traute seinen Augen nicht, als er feststellen musste, dass sich die Firma auf dem Appellplatz eines ehemaligen KZ´s befand. Die Firma musste weichen und der Freistaat Bayern bekam das Areal gespendet mit der Auflage, eine Gedenkstätte einzurichten. 
 
Die Gedenkstätte im "Tal des Todes" wurde auch nicht von Flossenbürgern gebaut. Die wollten lieber eine Skisprungschanze. In Flossenbürg befand sich nach Kriegsende ein DP-Lager (Displaced-Persons-Camp) mit ehemaligen polnischen KZ-Häftlingen. Sie waren zwar nicht in Flossenbürg inhaftiert, kümmerten sich aber um einen Gedenkplatz am ehemaligen Krematorium und kämpften für einen "Ehrenfriedhof", der 1945 von der US-Armee angeordnet wurde. 
 
Flossenbürg steht nicht alleine so da. Überall in Deutschland hatte man nichts gewusst und die etwas wussten wollten nichts wissen. In der Ausstellung sahen die Schüler eine Übersichtskarte von KZ´s und Außenlagern und begriffen, dass es fast unmöglich war, nicht zu wissen. Überall wurde verleugnet, geschwiegen, verdrängt und gelogen. Die KZ-Orte stellten sich später sogar als Opfer dar. Und vergaßen beispielsweise, dass die Flossenbürger nicht mehr fahren mussten, um zum Zahnarzt zu kommen, weil sie durch das KZ einen Zahnarzt vor Ort hatten. Oder dass das Casino für sie eine feine Sache darstellte, weil die SS-Wachmannschaft gesellig war. Der Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit hat die Gedächtniskultur am Beispiel Flossenbürg aufgearbeitet. Dazu gibt es die Ausstellung in der ehemaligen Häftlingsküche.
 
 
Rechts von der ehemaligen Häftlingsküche ist einer der erhalten gebliebenen Wachtürme.
 
 
Das "Tal des Todes" konnten wir nur aus der Ferne besichtigen, weil es aufgrund der Witterung gesperrt war. Der Zeitpunkt unseres Besuches war dennoch gut gewählt. An einem lauen Frühsommertag hätten die Schüler nie begriffen, was das Flossenbürger Klima für die Häftlinge bedeutete. 
 
 
Auf dem KZ-Gelände gibt es einen christlichen und einen jüdischen Gedenkort. Der christliche Gedenkort ist die Kapelle „Jesus im Kerker“. Die Kapelle wurde erbaut aus Steinen abgerissener Wachtürme. Der Kirchturm ist ein erhaltener Wachturm. 
 
 
Der jüdische Gedenkort wurde durch den Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern 1995 nach einem Entwurf der Architekten Kunnert & Würschinger errichtet. Das Licht fällt durch das Fenster im Schacht ein, dass einen Davidsstern zeigt.
 
 
1964 sollte der Arrestbau abgerissen werden, was überwiegend geschah. Nach Protesten wurden die Abrissarbeiten eingestellt. Der Arrestbau wurde 1940 errichtet und bestand aus 40 Einzelzellen. Davor war ein mit Mauern umgebener Hof. Dort wurden sogenannte Lagerstrafen vollzogen, Häftlinge gefoltert, Menschen "exekutiert", also ermordet. Im Arrestbau brachte man auch prominente Sonderhäftlinge unter wie Dietrich Bonhoeffer, Wilhelm Canaris, Hans Oster und andere.
 
 
Nach dem Konzentrationslager Flossenbürg setzten wir unsere Fahrt fort zum Ehrenfriedhof in der Dorfmitte von Flossenbürg.
 
Ehrenfriedhof Flossenbürg
 
Auf Weisung der amerikanischen Militärregierung wurden dort verstorbene Häftlinge bestattet, die zwar die Befreiung des Konzentrationslagers erlebten, aber so geschwächt waren, dass sie kurz darauf starben. Später fanden dort noch Häftlinge der Todesmärsche oder Außenlagern ihre letzte Ruhe. Das Denkmal geht auf die polnischen Überlebenden des DP-Lagers zurück. 
 
 
 

Besichtigung des jüdischen Friedhofes und Synagoge in Floß

 

Die meisten Besucher des Konzentrationslager Flossenbürg fahren auf dem Weg dorthin durch Floß. In diesem Konzentrationslager litten auch viele jüdische Menschen. Den wenigsten Besuchern des KZ´s ist jedoch bekannt, dass es in Floß eine jüdische Gemeinde gab und heute das Erbe der jüdischen Bevölkerung  gepflegt und ihr Leben greifbar und anschaulich wird. In Floß findet man den jüdischen Friedhof, die Synagoge und Wohnhäuser, die von jüdischen Mitbürgern erbaut wurden. Es ist empfehlenswert, den Besuch der KZ-Gedenkstätte mit einem Rundgang durch Floß zu kombinieren.      

Geschichte

1684 wurden die Juden aus Neustadt an der Waldnaab vertrieben

Mehrere von ihnen fanden Aufnahme in Floss durch den Landesherrn Herzog Christian August von Pfalz-Sulzbach. Er versprach sich davon einen Aufschwung des Handels. Viehhaltung (auch Hühner) und Handwerk wurde ihnen verboten.

Zuerst lebten die jüdischen Familien als Untermieter in christlichen Häusern.

1685 erster Schutzbrief, der vor allem die Handelstätigkeit der Juden regelte: Woll-, Tuch-, Garn-, Fell- und Häutehandel, und Handel mit landwirtschaftlichen Produkten (immer wieder Einschränkungen durch die Handwerkerzünfte)

1688 durften sie auf einer Anhöhe vor dem alten Floßer Ortskern Häuser bauen ("Judenberg"). Noch heute sind viele Häuser erhalten, die von den jüdischen Mitbürgern erbaut wurden.

 

1692 wurde der jüdische Friedhof in Floß angelegt. Er wurde auch von den jüdischen Gemeinden in Waidhaus und Schönsee genutzt, später auch von Weiden. Zur Bestattung mussten die Trauernden einen Umweg zum Friedhof machen, da es verboten war, durch den Ort zu gehen. Die letzte Beisetzung war im Februar 1946. 

Der heutige Zustand des Friedhofes täuscht darüber hinweg, dass es immer Übergriffe auf den Friedhof gegeben hatte. Bereits 1929 wurden zwei Grabsteine umgestürzt, zwei Kindergräber zerstört, die Friedhofsmauer beschädigt und der Eingang auf übelste Art beschmutzt. Sogar nach 1945 geschahen Schändungen. 1997 wurden beispielsweise 44 Grabsteine umgestürzt. 

1719 Zuteilung von Handelsdistrikten durch die Regierung (Die acht jüdischen Floßer Familien bekamen bestimmte Orte, in denen nur sie verkaufen durften aufgrund des Konkurrenzdruckes).

Der Judenberg bildete eine politisch selbständige Gemeinde, die einzige in dieser Art im späteren Bayern. Für alle öffentlichen Institutionen wie Nachtwächter, Feuerwehr, Armenpflege, eigene Hausnummern usw. musste die jüdische Gemeinde alleine sorgen. Die jüdische Gemeinde besaß eine Synagoge (erbaut 1719 bis 1721), eine jüdische Elementar- (1812) und Religionsschule (1824), ab 1878 eine israelitische Volksschule, ein rituelles Bad (1686, erweitert 1730), ein Rabbinerhaus (ab 1874, Judenberg Nr. 31) und einen Friedhof. Der Ortsrabbiner war zeitweise auch Vorbeter und Lehrer, im 19. Jahrhundert gab es einen weiteren Lehrer am Ort. 

1747 lebten 16 jüdische Familien, 1780 40 Familien, 1799 42 Familien, 1845 72 Familien in Floß (ca 40 Grundstücke mit mehrstockigen Häusern, teilweise von mehreren Familien bewohnt)

1810 261 jüdische Einwohner, 1443 Einwohner

1837 215 jüdische Einwohner, 1450 Einwohner

1840 391 jüdische Einwohner, 1914 Einwohner

1853 294 jüdische Einwohner, 1718 Einwohner (Beginn Abwanderung in Städte oder Auswanderung)

1867 228 jüdische Einwohner, 1974 Einwohner

1871 205 jüdische Einwohner, 2107 Einwohner

1880 119 jüdische Einwohner, 1968 Einwohner

1890 75 jüdische Einwohner, 1862 Einwohner

1895 51 jüdische Einwohner, 1778 Einwohner

1900 43 jüdische Einwohner, 1917 Einwohner

1933 19 jüdische Einwohner,  2155 Einwohner

Gründe für Ab- oder Auswanderung waren, dass die jüdische Bevölkerung ständigen Schikanen und Diskriminierungen ausgesetzt war. Eine Integration wurde ihnen nicht gestattet. So bemerkte ein Artikel in der Zeitschrift "Orient" 1847, dass in Floß die jüdischen Familien in einem Ghetto wohnen müssten.

Freiherr Karl Franz Reisner von Lichtenstern (1776 - 1866) war von 1808 bis 1862 Landrichter in Neustadt a.d. Waldnaab und wirkte quasi in Personalunion als Richter, Landrat, Notar und Polizeichef. Außerdem unterstanden ihm als Oberst rund 1.500 Wehrmänner und er war Kommandant der Weidener Bürgerwehr. Seine Macht benutzte er zu Schikanen gegenüber den jüdischen Mitbürgern. Beispielsweise verhängte er gegen Handelsjuden, die sich länger als eine Nacht in seinen Landgerichtsgrenzen aufhielten, Arrest oder Geld- und Prügelstrafen.

1808 wurde in Bayern jeglicher Judenschutzzoll gesetzlich abgeschafft. Floß verlangte trotzdem noch 1846 von den ansässigen Juden 1 Gulden und 30 Kreuzer Schutzgeld pro Kopf. Auch entschied die Floßer Lokalverwaltung über jüdisches Kultusvermögen ohne Mitsprache des jüdischen Kultuspflegers.

Dazu kam die wirtschaftliche Situation der Floßer Juden. Festgelegt auf den Handel waren ihre Einkommen in der relativ armen Gegend mehr wie bescheiden. Ein weiteres Problem war die Abgeschiedenheit und Isolation der Floßer Gemeinde.  1943 erschien ein Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung zum 250jährigen Bestehen der jüdischen Gemeinde Floß. In diesem Artikel wurde die Isolation der Floßer Juden dafür verantwortlich gemacht, dass das Gemeindeleben in Floß gekennzeichnet war durch eine ausgeprägte Streitkultur innerhalb der Gemeinde. Zitat: „Die Streitsucht darf als ein Charakteristikum der Gemeinde Floß betrachtet werden.“

Angesichts der vielschichtigen Probleme war die Bereitschaft der Floßer Juden sehr groß, dem Marktflecken den Rücken zuzukehren, sowie sich dazu eine Chance bot. Nichtsdestotrotz meldeten sich auch Floßer Juden im I. Weltkrieg, um ihr Land zu verteidigen. Im I. Weltkrieg fielen Ludwig Ansbacher und Richard Wetzler, der Sohn des Lehrers. Ihre Namen findet man auch auf dem 1927 errichteten Kriegerdenkmal vor der evangelischen Kirche.   

Mit dem Nationalsozialismus verschärften sich die Bedingungen für die Floßer Juden. Im Dezember 1936 wurde am Laden des Kaufmanns Abraham Eisemann ein Plakat angebracht: "Wer beim Juden kauft, ist ein Volksverräter". Zusätzlich wurden seine Kunden fotografiert. 1938 wurde der jüdische Kaufmann Salzhauer aus Nürnberg vom Floßer Jahrmarkt verwiesen, der Floßer Kaufmann Hugo Wilmersdörfer durfte nicht mehr auf dem Markt in Windisch-Eschenbach handeln. 1938 wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst. Im gleichen Jahr zerstörten SA-Männer beim Novemberpogrom einen Vorbau und die Inneneinrichtung der Synagoge. Es gelang bis 1940 acht jüdischen Floßern die Emigration nach USA, Holland und England. Die letzten fünf jüdischen Einwohner wurden 1942 nach Polen und Theresienstadt deportiert.

Opfer der jüdischen Gemeinde in Floß: Ernst Ansbacher, Max Ansbacher, Paula/Pauline Ansbacher geb. Kulp, Anton Bloch, Abraham Adolf Eisemann, Selma Eisemann geb. Hönigsberger, Josef Engelmann, Alfred Hönigsberger, Julius Hönigsberger, Ludwig Hönigsberger, Sophie Jonas geb. Bloch, Betty Kahn geb. Wilmersdörfer, Ida Krailsheimer geb. Eisemann, Julie Mayer geb. Hönigsberger, Frieda Plaut geb. Engelmann, Alfred Popper, Anna Spear geb. Wiener, Clementine/Dina Spiegel geb. Wilmersdörfer, Marta Steinhardt geb. Eisemann, Simon Steinhardt, Marie Stiefelzieher geb. Rosenstein, Karoline/Lina Thannhauser geb. Langermann, Jenny Waldt geb. Schwarz, Laura Wassermann geb. Lichtenstetter, Hugo Wilmersdörfer, Jette Wilmersdörfer, Karolina Wilmersdörfer geb. Sichel, Sidonie Wilmersdörfer, Selma Zeilberger geb. Rosenfeld. Dazu kommen Opfer aus umliegenden Orten, die zur Floßer Gemeinde gehörten.

Nach 1945 wurde das Gebäude an Privatpersonen verkauft. 1964 kaufte der bayrische Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden das Gebäude. 1971 entschloss sich das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, die Marktgemeinde Floß, das Landratsamt Neustadt und der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern zur Restaurierung der Synagoge. 1980 wurde die Synagoge wieder eingeweiht. 2000 bis 2005 musste das Gebäude abermals saniert werden.

1988 wurde in Weiden die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e. V. gegründet, deren Ziel der Abbau von Vorurteilen gegenüber Rasse und Herkunft ist und sich gegen Fanatismus, Nationalismus und religiöse Intoleranz richtet. Diese Gesellschaft veranstaltet seit 1990 die bundesweite jährliche "Woche der Brüderlichkeit", zu der in der Floßer Synagoge eine ökumenische Gebetsfeier stattfindet. Es finden auch Konzerte in der Synagoge statt. 

 

Weitere Bilder von der Klassenfahrt findet Ihr in der Galerie.