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Lebensbuch

 

Lebensbücher sind in der Altenpflege wichtige Instrumente zur Biografiearbeit. Sie helfen nicht nur, Erinnerungen festzuhalten, sondern unterstützen die Betreffenden bei der Bewältigung ihrer Biografie, fördern ihre individuellen Copings.

Sie werden aber auch in der Jugendhilfe therapeutisch genutzt, zum Beispiel bei Kindern oder Jugendlichen, die in der stationären Jugendhilfe untergebracht sind oder in Pflege- bzw. Adoptivfamilien leben. Dieses Klientel bekommt durch ein Lebensbuch die Chance, Brüche in der eigenen Biografie aufzuarbeiten und konfliktreiche Beziehungen oder Widersprüchlichkeiten in ihrem Leben zu erkennen. Ein mangelndes Wissen um die eigene Geschichte beeinflusst nicht unerheblich ihre Entwicklung.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert im Rahmen des Bundesprogrammes "TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN" Projekte an Regelschulen zur Erstellung von Lebensbüchern.  Die Kinder und Jugendlichen sollen lernen zu reflektieren, beispielsweise "Was ist eine 'richtige' Familie und wer gehört dazu?", "Kann man gleichzeitig türkisch (griechisch/ afrikanisch/...) und deutsch sein?", etc. Bei der Erstellung des Lebensbuches erfahren sie aber auch gleichzeitig mehr aus dem Leben ihrer Mitschüler.

Auch in der Heilerziehungspflege bei Erwachsenen mit Behinderung werden Lebensbücher zunehmend eingesetzt. Besonders Menschen mit geistiger Behinderung lernen bei der Erstellung des Lebensbuches, sich mit der eigenen Person auseinanderzusetzen und schärfen ihre Selbstwahrnehmung.

Inzwischen werden zahlreiche Lebensbücher im Handel angeboten. Ein Vorteil sind die vorgebenen Strukturen, die bei der Erstellung hilfreich sein können, gleichzeitig kann das aber auch genau ein Nachteil sein. Ein individuell gestaltetes Lebensbuch erlaubt mehr Spielraum und Gestaltungsmöglichkeiten.

 

 

Ziele der Lebensbucharbeit 

  • Stärkung des Ich-Gefühls
  • Fähigkeit entwickeln zur Selbstreflexion
  • Reflexion der Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft
  • Förderung des Selbstwertgefühls
  • Lebensfreude vermitteln
  • Entwicklung und Förderung von Copings
  • Erkennen der eigenen Ressourcen
  • Bewusstmachung von Gestaltungsmöglichkeiten im aktuellen Lebensumfeld
  • Stabilisierung in lebensgeschichtlichen Übergängen
  • Wahrnehmung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen
  • Selbstbestimmte Gestaltung des gegenwärtigen und zukünftigen Lebens
  • Konkretisierung der eigenen Handlungsmöglichkeiten
  • Persönliche Krisen als Herausforderung, aber auch als Chance verstehen und begreifen
  • Förderung der Kreativität
  • Spaß haben

 

Was die Lebensbucharbeit nicht sein sollte: eine gezielte Konfrontation mit Lebensproblemen oder überfordernden Lebensaufgaben. Was der Klient nicht erzählen will, muss er auch nicht erzählen.

 

Beispielseiten für ein Lebensbuch, dass für Kinder geeignet wäre:

(copyright H. Dreyling-Riesop)

 

Aufgabe für das Praktikum in der Altenpflege:

Erstelle mit einem Bewohner (nicht mit einem Angehörigen) ein Lebensbuch. Es geht darum, möglichst viele biografische Daten, aber auch Lebensereignisse zu erfahren. Es soll auf jeden Fall ein "Stammbaum" (Großeltern, Eltern, Geschwister, eigene Kinder und Enkel usw.) vorhanden sein.

Ein Kapitel könnte beispielsweise seine Herkunftsfamilie und Kindheit sein. Wie hat der Betreute seine Kindheit erlebt? Musste er beispielsweise früh mitarbeiten, helfen? Wie wurde zum Beispiel Weihnachten, Geburtstage, Ostern etc. gefeiert? An welche besonders schöne Erlebnisse erinnert er sich? In welcher Zeit verbrachte er seine Kindheit? Hat er Kriegs- oder Nachkriegserlebnisse oder das sogenannte "Wirtschaftswunder" erlebt?

Was weiß derjenige noch aus seiner Schulzeit, an welche Lehrer oder Mitschüler kann er sich erinnern? Hatte er eine beste Freundin oder Freund?

Absolvierte er eine Ausbildung? Warum? Gefiel ihm seine Tätigkeit, sein Beruf? Was hat er darüber zu erzählen? Gab es nette Kollegen, an die er sich immer noch gerne erinnert?

Wie verbrachte er seine Freizeit? Welche Hobbies pflegte er? Ist er gerne verreist oder hat Ausflüge gemacht? War er vielleicht in Vereinen, hat sich sportlich betätigt?

Wichtig ist natürlich auch, ob er eine Familie gegründet hat. Wo lernte er seinen Lebenspartner kennen, gibt es Kinder, Enkelkinder?

Ein Kapitel sollte auch die Gegenwart reflektieren. 

Im Vordergrund stehen die oben aufgeführten Ziele. Wobei ein Schwerpunkt darauf ist, dass der Betreute Spaß an der Erstellung seines Lebensbuches hat. Das Lebensbuch sollte so gestaltet sein, dass es individuell gestaltet und ansehbar ist. Der Betreute soll auf jeden Fall von seinem Lebensbuch begeistert sein, denn nach der Benotung, (Schulaufgabe im Fach GPB, Note in LUL für die Gestaltung) wird das Lebensbuch zurückgegeben und ihm zur Erinnerung geschenkt. Die Art, wie es erstellt und gestaltet ist, vermittelt auch die Wertschätzung, die man gegenüber seinem Betreuten hat.