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Mobbing

Mobbing ist keine Krankheit, macht aber krank. Es kann die Ursache für soziale Schwierigkeiten, seelische und körperliche Erkrankungen sein.

 

  • Soziale Schwierigkeiten: z. B. Isolation, Vereinsamung, gestörtes Selbstbewusstsein, mangelndes Selbstwertgefühl, Verhaltensauffälligkeiten, Kontaktschwierigkeiten, Misstrauen, aggressives Verhalten sich selber und anderen gegenüber

  • Seelische Erkrankungen: z. B. Nervosität, Depressionen, Erschöpfungszustände, Angstzustände, Albträume, gestörte Selbstwahrnehmung, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Hilflosigkeit, stark reduzierte Leistungsfähigkeit

  • Körperliche Beschwerden: Z. B. Kopfschmerzen, Magen-Darm-Erkrankungen, Hörsturz, Tinnitus, Herz-Kreislaufprobleme, geschwächtes Immunsystem, Atemwegserkrankungen, Verspannungen mit Auswirkungen auf den Stütz- und Bewegungsapparat

  • Dazu kommt eine erhöhte Suizidalität, BurnOut- und Suchtgefahr.

Obwohl Mobbing keine Erkrankung ist, muss es betreffs Ursache für Erkrankungen beachtet werden.

 

Der Begriff Mobbing kommt aus dem Englischen (mob =  Mob, Pöbel, Gesindel, Gang oder Bande). Im Englischen heißt Mobbing bullying. Der Bully ist im Englischen der Täter, also der, der Mobbing ausführt (to bully = tyrannisieren, schikanieren, drangsalieren, einschüchtern).

Diese Begriffe verdeutlichen, was Mobbing ist: Eine Person wird systematisch über einen längeren Zeitraum schikaniert oder terrorisiert. Mobbing ist in allen sozialen Gruppen möglich, auch im Internet (Cyber-Mobbing). Dr. Mechthild Schäfer und Stefan Korn bezeichnen Mobbing als „wiederholten und systematischen Missbrauch einer sozialen Machtposition.“ (In: Deutsches Kinderhilfswerk e.V., Kinderreport Deutschland 2004, „Mobbing in der Schule“).

Der Bully

Der Bully oder Mobber wird in der Regel als feige, dumm, hinterhältig, asozial oder brutal beschrieben. In der Realität sind Bullies an kein Geschlecht gebunden und als solche nicht auf den ersten Blick erkennbar. Im Wesen können sich Bullies massiv unterscheiden. Sie treten häufig sehr charmant und freundlich auf oder verstecken sich hinter einer überkorrekten Maske oder erscheinen launisch, heute aggressiv, morgen fast verständnisvoll und einfühlsam oder reagieren extrem emotional oder oder. In den seltensten Fällen geht der Bully offen mit seinem Mobbing um. Meist ist er dann das Werkzeug eines intelligenteren Mobbers, der sich dezent im Hintergrund hält. Bullies haben meist ausgeprägte soziokognitive Fähigkeiten, was dem Vorurteil von dumm widerspricht. Innerhalb der Gruppe sind sie wenig beliebt, aber einflussreich. Bullies laufen Gefahr, früher oder später selbst zum Opfer zu werden.

Es gibt unterschiedliche Gründe zur Motivation zum Mobbing  wie beispielsweise Machtgewinn, Dominanzstreben, Prestige, Neid, Angst, Aufwertung der eigenen Person, Lustgewinn, eigener Minderwertigkeitskomplex.

Das Opfer

Opfer werden gerne als dick, schwach, sensibel, unsympathisch beschrieben. Sie sollen etwas an sich haben, was vom „Normalen“ abweicht. Da jeder Mensch anders ist, gibt es nicht „das Normale“. In einer Gruppe von Brillenträgern entspricht der ohne Brille nicht der Norm. Das bedeutet, dass jeder ein Mobbingopfer werden kann.

Ursache des Mobbing

Selten sind Konflikte zwischen zwei Menschen die Ursache für Mobbing. Begünstigende Faktoren für Mobbing sind unter anderem ein schlechtes Arbeitsklima, Existenzängste, Unter- oder Überforderung, Arbeitsüberlastung, fehlendes Konfliktmanagement, undefinierte Kompetenzbereiche, Hierarchie, Verständigungsprobleme, mangelnder Respekt, extremer Leistungsdruck, außerbetriebliche Probleme, erhebliche soziale Unterschiede oder Bildungsstand in einer Gruppe und oder die Neustrukturierung einer Gruppe.

Mobbingrollen

Bully und Opfer haben nur vordergründig eindeutige Rollen, denn das Opfer kann selber ein Bully sein oder werden, der Bully ebenso Opfer. Doch Mobbing geht über die beiden Rollen hinaus. Dazu gehören auch die Rollen in der Gruppe.

Unterstützer fangen selber kein Mobbing an, machen aber mit und verstärken den Bully.

Verteidiger lehnen Mobbing ab, beziehen Positionen für das Opfer und versuchen, ihm zu helfen.

Beobachter sind meist die größte Gruppe. In der Regel lehnen sie Mobbing ab, verfügen aber anscheinend nicht über Handlungsstrategien zur Intervention und halten sich raus.

 

Problematisch ist, dass Verteidiger und Beobachter zwar Mobbing ablehnen, normalerweise aber niemanden außerhalb der Gruppe informieren, sodass auch keine Hilfe von Außenstehenden kommt. Können die Verteidiger mehr Beobachter auf ihre Seite ziehen, könnten sie das Mobbing beenden. Gelingt es ihnen nicht, nimmt das Mobbing zu, viele Verteidiger resignieren und kommen zu dem Schluss, das Opfer sei selber Schuld an dieser Situation. Die Hemmschwelle der Bullies sinkt und das Mobbing eskaliert.

Was passiert beim Mobbing?

Die Möglichkeiten der Kommunikation des Opfers werden erheblich eingeschränkt durch ständiges Unterbrechen, nicht zu Worte kommen lassen, nicht hinhören, ignorieren, anschreien, ausweichen. Das Opfer wird in all seinen Lebensbereichen kritisiert. Seine Intim- und Privatsphäre wird vorsätzlich verletzt. Es ist verbalen und schriftlichen Bedrohungen ausgesetzt. Arbeitsmäßig wird das Opfer nur zum Schein beschäftigt, über- oder unterfordert, von Kollegen oder Mitschülern isoliert. Gesundheitsgefährdende oder entwürdigende Arbeiten werden verlangt, Hilfsmittel verweigert. Engagement und Arbeitseinsatz werden bewusst falsch beurteilt, seine Entscheidungen angezweifelt. Das Opfer erhält keine relevanten Informationen oder Falschinformationen. Der Kontakt mit dem Mobbingopfer wird gemieden oder verweigert. Das soziale Ansehen wird untergraben, zum Beispiel durch Verleumdungen, bösartige Gerüchte, übler Nachrede, Intrigen. Dem Betroffenen werden psychische Erkrankungen unterstellt. Das Opfer wird lächerlich gemacht, gedemütigt, nachgeäfft. Betritt er einen Raum, schweigen die Kollegen, hinter seinem Rücken wird merklich getuschelt. Religion, Nationalität, Volkszugehörigkeit, Alter, Beeinträchtigungen seelischer oder körperlicher Art des Opfers werden hervorgehoben, gebrandmarkt, lächerlich gemacht. Das Opfer wird mit obszönen Schimpfwörtern oder sexuellen Übergriffen konfrontiert. Es erleidet finanziellen Schaden. Mobbing kann so weit gehen, dass das Opfer sogar körperlicher Gewalt ausgesetzt ist.