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Motivation

 

Oftmals fällt zu Beginn der Ausbildung das Lernen sehr schwer. Viele Dinge sind abstrakt und müssen mühsam auswendig gelernt werden. Und häufig bleibt das Erfolgserlebnis aus, weil man das mühselig Erlernte verkehrt angewandt oder nicht in entsprechende Zusammenhänge gesetzt hat. Selbstzweifel machen sich breit und mancher Schüler denkt sich, dass es daran liegt, dass er einfach nur zu dumm sei und schmeißt die Flinte ins Korn.

In der ersten Fahrstunde überlegt man fieberhaft, was man als erstes tun muss, der nächste Schritt, gucken, wo der erste Gang ist - ach ja, wie wird der noch mal eingelegt? So ein Mist, vergessen die Kupplung zu treten. Ganz schön peinlich, wenn sich der Fahrschulwagen dann ruckelnd oder hoppelnd in Bewegung setzt. Fährt man länger Auto, braucht man darüber nicht mehr nachdenken, wie man das Auto gestartet bekommt.

In der Pflege läuft es sehr ähnlich. Das größte Problem ist, sich pflegerisches Denken anzueignen. Der Lernstoff wird zwar immer umfangreicher, aber mit mehr Wissen wird es immer leichter, sich ihn zu erschließen und zu merken.

Warum schmeißen Fahrschüler selten die Flinte ins Korn? Obwohl es doch am Anfang auch extrem schwer war? Motivation! Führerschein haben ist cool, alle anderen haben auch einen. Mit der Pappe kann man sich irgendwann ein Auto leisten, ist unabhängiger, flexibler, anerkannter. Da kämpft man sich durch, sogar durch die ätzend trockene Theorie, wo vieles dran kommt, was man eigentlich nie braucht.

Warum schmeißen relativ viele Pflegeschüler die Flinte ins Korn? Nur weil es am Anfang extrem schwer ist? Weil man viel Theorie lernen muss, die man später in der Praxis nutzen kann?

Da wird die Frage nach der Motivation zwingend.

Dafür

  • Einen Beruf zu haben macht unabhängiger, flexibler, anerkannter.
  • Mit einem Beruf hat man mehr Aufstiegschancen.
  • Ein Berufsabschluss gibt Sicherheit, insbesondere in der Pflege.
  • Mit einem Beruf hat man die Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen (und sei es dazu, sich ein besseres Auto leisten zu können). 
  • Der Pflegeberuf ist abwechslungsreich.
  • Die Arbeit mit Menschen ist zufriedenstellender als die Arbeit mit Maschinen. 
  • Mit einem Pflegeberuf leistet man sinnvolle Arbeit für die Gesellschaft.
  • Im Pflegeberuf ist man als Person für andere Menschen wichtig.
  • Als Pflegekraft übernimmt man Verantwortung.
  • In der Pflege bekomme ich tagtäglich von den Klienten etwas zurück.

Dagegen

  • Meine Kumpels haben auch keinen Beruf und leben trotzdem ganz gut.
  • Wozu unabhängiger sein, solange Hotel Mami funktioniert?
  • Was interessiert mich der Pflegeberuf? Ich mache doch nur die Ausbildung, weil Papi und Mami es so wollen.
  • Die Arbeit mit Menschen ist mir egal. Ich habe nichts anderes gefunden.
  • Von HartzIV kann ich mir auch ein Auto leisten, eben ein kleineres. 
  • Die Gesellschaft interessiert mich nur, solange sie für mich sorgt.
  • Wozu an die Zukunft denken? Ich lebe hier und jetzt.
  • Beruf ist super, aber nur, wenn ich nichts dafür tun muss.
  • Andere Interessen sind mir wichtiger.
  • Wenn ich nicht die Ausbildung schaffe, mache ich eben etwas anderes.

Wer mehr zu den Antworten „Dagegen“ tendiert, sollte sich überlegen, ob er in einer Pflegeausbildung nicht seine Zeit vergeudet. Zumal er damit das gesamte Lernklima verschlechtert und eventuell Mitschüler, die die Ausbildung erfolgreich abschließen wollen, mit runterzieht. Wer sich eher im Block „Dafür“ wiederfindet, sollte nicht die Flinte ins Korn schmeißen. Sondern sich überlegen, warum es zunächst so schwer ist.

Die ersten sechs Wochen bedeuten ausschließlich Theorie. Da muss man sich durchkämpfen. Die ganze Angelegenheit wird schon wesentlicher einfacher, wenn man die Praxis kennen lernt. Nun kann man das theoretische Wissen anwenden und weiß, wozu man es gelernt hat. Zusammenhänge werden begriffen und es kommt immer wieder zu „Aha-Erlebnissen“.

Aha-Erlebnis
Das Aha-Erlebnis beschreibt das plötzliche Erkennen eines gesuchten, doch zuvor unbekannten Sinnzusammenhanges. Beim Aha-Effekt begreift man blitzartig etwas und kann dieses Wissen zügig verarbeiten und nutzen, um die Lösung zu einem komplexeren Problem zu finden. Der Aha-Effekt löst positive Gefühle aus und kann dann intensiv ausgenutzt werden, angrenzenden oder ähnlichen Stoff schnell zu lernen und zu begreifen.

Und immer mehr beginnt durch die Praxis und einem Grundwissen das pflegerische Denken. Man lernt, sich in Klienten hineinzuversetzen, kann sich Lernstoff bildlich vorstellen, weiß, wie man neuen Lernstoff anwenden muss, in welchem Zusammenhang er steht, wozu er wichtig sein könnte. Musste man anfangs alles blindwütig büffeln, lernt man neuen Stoff relativ einfach, weil man Anknüpfungspunkte hat.

Hat man die 10. Klasse geschafft, ist eigentlich das Schlimmste überwunden. Klar gibt es in der 11. Klasse einen großen Druck. Jede Note in der 11. Klasse zählt bereits für die Prüfung und zum Schluss der Prüfungsstress. Aber: Hat man in der 10. Klasse kontinuierlich gelernt, hat man so ein Fundament, dass einem nicht mehr viel passieren dürfte. Inzwischen kann man lernen und hat sich ein gesundes Selbstbewusstsein erkämpft. Und man weiß, dass man sich bald keine Sorgen mehr machen muss. Die abgeschlossene Berufsausbildung, Mittlere Reife ist nicht mehr weit und weiterführende Ausbildungen reißen sich um gut ausgebildete Sozialbetreuer. Man darf schon mal von der Abschlussfeier träumen. Diese Aussichten können weniger motivieren als die Pappe?