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Mythen und Märchen vom Lernen

 

„Ich muss nicht lernen, wenn ich es clever genug anstelle.“
Eine Methode ist das „Schmieren“. „Ach, sie sind die beste Lehrerin“, „Sie sind die coolste Lehrerin“, „Nein, was haben sie heute für ein schickes Jäckchen an“, usw. Die meisten Lehrer kennen die Schleimspuren und tragen deshalb rutschfeste Schuhe. Es gibt aber auch die Sorte Pauker, die sich noch an ihre eigene Schulzeit erinnern können und denen Mitschüler absolut auf den Keks gingen, die sich ständig erboten, den Lehrern die Tasche zu tragen. Schnecken verursachen Schleimspuren und fühlen sich am wohlsten im Regen. Dumm gelaufen, wenn diese Sorte Pauker entsprechende Schüler mit Schnecken verwechselt. Die Abschlussprüfung kommt zentral von der Regierung mit Lösungsschlüssel und Punktvorgabe. Da ist es völlig egal, wie man sich bei Lehrern eingeschleimt hat. Entweder hat man den Stoff drauf oder nicht.

Weniger nützlich ist das Handy oder Smartphone. Klar kann man schnell nach der Antwort googeln. Wird man allerdings dabei erwischt, wird es als Betrug gewertet, auch die Antworten, die man gewusst hatte. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist relativ groß durch den starren Blick und Körperhaltung. Immerhin hat man einen Lernerfolg: dummdreiste Betrugsversuche können massiv nach hinten losgehen. Das ist besser als gar kein Lernerfolg.

Abschreiben vom Banknachbarn lohnt sich nur dann, wenn man sicher weiß, dass der gelernt hat und die richtigen Antworten kennt. Ist schon doof, wenn der Nachbar absoluten Nonsens aufschreibt und man den gleichen Mist in der eigenen Arbeit wiederholt. Besonders unangenehm wird es dann, wenn man nicht nur selber ertappt wird, sondern auch der Banknachbar seine Arbeit abgeben muss.  

Eine andere Methode wäre der Spicker. Insoweit hilft er wirklich, wenn man auf einem klitzekleinen Papier das aufschreibt, was in der Schulaufgabe dran kommen könnte. Schnell stellt man fest, die Schrift war zu groß, das Papier zu klein und zuviel Stoff. Also macht man einen neuen Spicker. Einen wirklich guten Spicker bekommt man erfahrungsgemäß erst beim vierten, fünften Anlauf. Man arbeitet den Stoff durch, selektiert, was man nicht auf den Spicker schreiben muss und was unbedingt. Die taktile und visuelle Wahrnehmung wird eingesetzt und das Wesentliche herausgearbeitet. Super! Eine tolle Lernmethode. Man sollte nur den Spicker zu Hause lassen. Wird man in der Prüfung damit erwischt, hat man fies Pech. Und man braucht den Spicker auch gar nicht. Was auf ihm drauf steht, kann man, wenn man ihn sorgfältig genug vorbereitet hat.

„Den Stoff bekomme ich schon rein, wenn ich einen Marathon einlege.“
Falsch! Ein trainiertes Gehirn kann maximal sechs Stunden täglich Lernstoff aufnehmen und auch nicht im Stück. Pausen gehören zur Lernzeit. In kurzen Verständnispausen von zwei bis fünf Minuten werden gelesene Texte abgespeichert. Nach etwa einer Stunde intensivem Lernen muss eine Zwischenpause von wenigstens fünfzehn Minuten eingelegt werden. Diese Zeit nutzt man am besten um etwas zu essen, einen Spaziergang zu machen, Musik zu hören, etc. Nach drei Stunden Lernen sollte man eine einstündige Pause einlegen und zur Erholung nutzen. Pausen sind Lernzeit, weil man da zum Lernstoff auf Distanz ist. Während der Pausen bekommt das Gehirn die Chance, sich zu erholen, das neue Wissen abzuspeichern, in Ruhe zu verarbeiten, gelesene Texte zu visualisieren und Zusammenhänge zu erkennen.

„Lernen kann ich erst, wenn ich so richtig unter Druck stehe.“
Ausgenutzt wird die Angstsituation, bei der Hormone freigesetzt werden, die die Sinne schärfen und kurzfristig die Konzentration erhöhen. Lernen unter Druck kann helfen, wenn geringer Lernstoff zu bewältigen ist und nur kurzfristig zur Verfügung stehen muss. Einen begrenzten Lernstoff kurz vor der Ex oder Schulaufgabe einzuhämmern, kann funktionieren. Doch zur Abschlussprüfung ist dieser Stoff nicht mehr präsent, das heißt, er muss neu erlernt werden. Doch der Stoff zur Abschlussprüfung ist so umfangreich, dass man zwangsläufig mit Lernen unter Druck scheitert. Die Falle: Kurz vor den Schulaufgaben hatte die Technik funktioniert und man hat sich mit relativ wenig Aufwand durchgemogelt. Man hat sich also daran gewöhnt, dass diese Technik klappt. Das böse Erwachen kommt dann in der Abschlussprüfung.

„Ich lerne am besten in der Nacht.“
Nachts muss man meistens mit wirklich weniger Ablenkungen oder Störungen rechnen. Doch es gibt dabei ein klitzekleines Problem: Die wenigsten Menschen sind ausgeprägte Nachtmenschen. Der Biorhythmus gerät komplett durcheinander. Fehlender Schlaf reduziert das Leistungsvermögen und damit auch das Lernvermögen. Unmengen Kaffee oder Energydrinks, die dann eingesetzt werden, um wach zu bleiben, wirken nicht nur gefäßerweiternd, sondern auch gefäßverengend. Es gibt Leute, die tagtäglich gewohnheitsmäßig ununterbrochen Kaffee trinken. Und wenn diese Leute abends nicht einschlafen können, was trinken sie? Kaffee! Normalerweise kann der Durchschnittsmensch am besten von 9°° - 12°° und von 15°° - 18°° Uhr lernen. Dieser Rhythmus kann natürlich individuell abweichen, aber in der Regel ist es kein Problem, wenn man sich genug selber beobachtet, herauszufinden, wann man am besten und effektivsten lernen kann. Und die Nacht sollte dazu genutzt werden, seinem Körper ausreichend ungestörten Schlaf zu gönnen. Das erhöht nämlich das Leistungsvermögen.

„Ich kann auch vorm PC lernen und nebenbei zocken.“
Da fragt sich allerdings, was man wirklich lernt. Wann man das nächste Level erreichen kann? Welche Ausrüstung, welches Item man unbedingt benötigt? Das wird in der nächsten Schulaufgabe dummerweise nicht abgefragt. Zum Lernen sollte man schon für eine ungestörte Atmosphäre sorgen und mögliche Ablenkungen ausschalten. Gegen störende Geräusche helfen Ohrstöpsel. Lüften, frische Luft und kühle Raumtemperaturen bringen das Gehirn in Trab, eine zu warme Raumtemperatur macht schläfrig, genauso wie eine schwache Lichtquelle. Der Arbeitsplatz sollte auf jeden Fall hell genug sein. 

„Ich kann ja nicht lernen, weil ich zu Hause keinen Arbeitsplatz habe.“
Das ist sehr bedauerlich, beeinflusst die Noten aber nicht im Geringsten. Auch die besten Ausreden werden die Punkte nicht erhöhen. Was tun, wenn man zu Hause keinen entsprechenden Arbeitsplatz hat? Stadtbibliotheken haben auch Arbeitsplätze. Um diese nutzen zu können, benötigt man noch nicht einmal einen Bibliotheksausweis. Dafür hat man haufenweise Lehrbücher, die man kostenlos nutzen kann. Wenn man sich in der Bibliothek immer an den gleichen Platz setzt, schaltet das Gehirn irgendwann automatisch auf „Arbeitsmodus“. Das Gleiche passiert, wenn man zum Lernen immer die gleichen Utensilien benutzt. Nein, Bibliothekarinnen haben nichts gegen Lernwillige, im Gegenteil. Man darf sie sogar mal fragen, wenn man nicht weiter weiß und ein Fachbuch nicht findet.  

„Ich kann mich doch nicht zum Lernen abschotten.“
Doch man kann und es ist ausgesprochen ratsam. Handy aus, Emailprogramm abschalten, Facebook und Co wegklicken. Freunde haben Verständnis dafür, dass man nicht immer präsent ist und akzeptieren es, dass man lernen muss. Denn denen ist klar, dass ihre brandneuen Nachrichten vom Lernen und Erfolg ablenken. 

„Ich muss mich zum Lernen zwingen, um die Ausbildung zu schaffen.“
Diese Einsicht ist sehr löblich, steigert aber keineswegs die Erfolgsaussichten. Grundsätzlich ist der Mensch nämlich an Veränderungen nicht interessiert. Warum sollte man etwas ändern, wenn es auch so läuft? Okay, in einer gefährlichen Situation wird reagiert, alte Muster oft blitzartig abgelegt. Aber eine Prüfung bedeutet keine Lebensgefahr. Zwang ist immer negativ besetzt und erzeugt negative Emotionen. Positive Emotionen könnten motivieren. Aber eine bevorstehende Prüfung oder Ex setzt eher keine positive Emotion frei. „Ich muss mich zum Lernen zwingen“ ist kein guter Ratgeber. „Ich will lernen“ wäre die bessere Einstellung. Warum oder wozu will ich lernen? Die Prüfung ist ja noch so weit weg. Gut, also die Prüfung taugt nicht am Anfang der Ausbildung zur Motivation. Und Prüfungen bedeuten Stress und sind negativ besetzt. Aber wenn man in der nächsten Stunde nicht da sitzt und bei einer Abfrage mit „Weiß ich nicht!“, „Keine Ahnung!“ antwortet, dann hat man ein Erfolgserlebnis. Kleine Lernschritte, erreichbare Lernziele, Belohnungen, Erfolgserlebnisse sorgen für positive Emotionen und so für Motivation. 

„Ich habe keine Zeit zum Lernen.“
Auch diese Aussage steigert nicht den Notenschnitt. Wenn man das Ausbildungsziel erreichen will, braucht man ein Zeitmanagement, einen Tages- und Wochenplan. Was sind feststehende, nicht veränderbare Termine? Wo können Entspannungs-, Erholungs- und Lernphasen eingebaut werden? Den Plan regelmäßig überprüfen, .am besten abends, dauert nur wenige Minuten. Reichte die geplante Zeit? Konnten die Lerntermine eingehalten werden? War es vielleicht zuviel Stoff für die Lerneinheiten?  

Situation: Kaum sitzt man am Schreibtisch, „Bring den Müll runter“, zurück am Schreibtisch, „Du musst abwaschen“, zurück am Schreibtisch „Geh nochmal schnell zum Laden, ich habe das Toilettenpapier vergessen“, usw. Die Motivation zum Lernen ist im Eimer. Da hilft nur eins: ein klärendes Gespräch mit der Familie. Plan erstellen, erklären wozu, feste Zeiten einplanen für Hilfen im Haushalt, Plan aushängen und darauf pochen, dass man in den Lernzeiten ungestört bleibt. Könnte für chaotische Lebenspartner oder Familien eine Beispielfunktion bekommen. Denn Chaos ist belebend, zuviel davon macht handlungsunfähig.

Schwieriger wird es bei kleinen Geschwistern oder Kindern, die so einen Plan leider nicht lesen können. Aber auch ihnen kann man beibringen, sich eine halbe Stunde still zu beschäftigen. Belohnt man sie anschließend, weil man sich dann intensiv um sie kümmert, lernen sie schnell, mit so einer Situation umzugehen, ohne es als Ablehnung zu empfinden.

 

Für die fehlende Zeit oder Bedingungen zum Lernen ist man selber verantwortlich. Genauso, wie man ab einem gewissen Alter auch für sein Leben selber verantwortlich ist. Anderen die Schuld für Misserfolge zuzuschieben ist billig und zeugt nur von der eigenen Unfähigkeit.