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Pflegestufen

 

Geringfügiger, unregelmäßiger, kurzzeitiger oder ausschließlich auf hauswirtschaftlicher Versorgung gerichteter Hilfebedarf führt nicht zur Anerkennung einer Pflegestufe.

 

  • Die „Pflegestufe 0“ (Richtig: Zusätzliche Betreuungsleistungen bei eingeschränkter Alltagskompetenz nach § 45a, 45b) gilt für Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, die in der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung ständige Hilfe benötigen, deren Pflegebedarf jedoch unter 45 Minuten Grundversorgung am Tag liegt und somit nicht die Voraussetzungen für eine Einstufung in die Pflegestufe I erfüllen. Seit dem 1.7.2008 besteht ein Anspruch auf einen Betreuungsbetrag in Höhe von 100 oder 120 € (Grundbetrag) oder 200 oder 225 € (Erhöhter Betrag) Pflegesachleistungen im Monat. Das heißt, dass der Betreuungsbetrag nicht ausgezahlt, sondern mit in Anspruch genommenen Leistungen wie Tages-, Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege verrechnet wird. Seit dem 1.1.2013 besteht auch ein Anspruch auf Pflegegeld oder Pflegesachleistungen wie Pflegehilfsmittel oder Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes. Unter Pflegesachleistungen werden professionelle Pflegekräfte verstanden, die die Grundpflege und eventuell auch die hauswirtschaftliche Versorgung übernehmen. Normalerweise sind es Pflegekräfte eines zugelassenen ambulanten Pflegedienstes. Die umgangssprachlich bezeichnete „Pflegestufe 0“ berücksichtigt besonders Menschen mit Demenzerkrankungen, geistigen Behinderungen oder chronischen psychischen Erkrankungen, also Menschen mit erhöhtem Betreuungsaufwand durch beispielsweise Weglauftendenz, vermindertem Gefahrenbewusstsein, gestörtem Verhalten oder intellektuellen Beeinträchtigungen.

 

  • Die Pflegestufe 1 gilt bei erheblicher Pflegebedürftigkeit. Mindestens einmal täglich benötigt der Klient Hilfe bei mindestens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen der Körperpflege, Ernährung oder Mobilität. Zusätzlich braucht er mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung. Im Tagesdurchschnitt beträgt der Hilfsbedarf mindestens 90 Minuten, wobei auf die Grundpflege mehr als 45 Minuten entfallen müssen. Es wird zur Zeit ein Pflegegeld von monatlich 235,00 € gewährt oder monatliche Pflegesachleistungen von 450,00 € oder beide Leistungen kombiniert.

 

  • Pflegestufe 2 bei Schwerpflegebedürftigkeit liegt vor bei einem mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten erforderlichen Hilfebedarf bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität. Zusätzlich benötigt der Gepflegte mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung. Der wöchentliche Zeitaufwand muss im Tagesdurchschnitt mindestens drei Stunden betragen, wobei auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen. Das Pflegegeld beträgt zur Zeit monatlich 440,00 € oder Pflegesachleistungen von monatlich 1100,00 € oder beides anteilig als Kombinationsleistung.

 

  • Pflegestufe 3 bei Schwerstpflegebedürftigkeit liegt vor, wenn der Hilfsbedarf so groß ist, dass der Klient Hilfe Rund-um-die-Uhr benötigt. Im Tagesdurchschnitt fallen fünf Stunden an, von denen vier Stunden auf die Grundpflege entfallen. Derzeit beträgt das Pflegegeld monatlich 700,00 € oder Pflegesachleistungen von monatlich 1.550,00 € oder beides anteilig kombiniert.

 

  • Die „Pflegestufe 3 plus“ oder richtig die Härtefallregelung entsprechend den Richtlinien (HRi) ist eine Sonderregelung für besonders pflegeaufwendige Patienten. Grundlage ist die Richtlinie der Spitzenverbände der Pflegekassen zur Feststellung eines außergewöhnlich hohen Pflegeaufwandes nach § 36 Abs. 4 SGB XI bzw. § 43 Abs. 3 SGB XI. Die Härtefallregelung greift dann, wenn die täglich durchzuführenden Pflegemaßnahmen das übliche Maß der Grundversorgung der Pflegestufe 3 quantitativ oder qualitativ weit übersteigen. Das kann beispielsweise zutreffen bei Pflegebedürftigen mit einem Körpergewicht über 80 kg, bei Kontrakturen, hochgradiger Spastik, Endstadien von Krebs oder AIDS, Querschnittslähmung, Wachkoma, schwerer Demenz, schwerste Fehlbildungen im Säuglings- und Kindesalter, starke Schmerzen, usw. Bei einer Einstufung als Härtefall können zusätzliche Pflegesachleistungen von monatlich 1.918,00 € beantragt werden. Vorrausgesetzt für die Härtefallregelung wird die Pflegestufe 3, mehr als 360 Minuten Grundpflege täglich mit mindestens drei Pflegeeinsätzen in der Nacht, dem Hilfebedarf Rund-um-die-Uhr und ständige Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung. Die Härtefallregelung ist allerdings begrenzt auf 3% der einzelnen Pflegekasse.



 
Pflegestufen für Kinder
 
Für Kinder gelten andere Kriterien zur Einstufung in eine Pflegestufe. Es gelten die gleichen Pflegestufen und Leistungen der Pflegekasse.  Der Grad der Pflegebedürftigkeit wird bei Kindern allerdings durch den Vergleich mit gesunden Kindern gleichen Alters ermittelt. Der MDK legt dazu eine sogenannte "Entwicklungstabelle" zugrunde, wo der Pflegeaufwand für ein regulär entwickeltes Kind in Minuten pro Tag, eingeteilt nach Lebensalter, erfasst ist. Berechnet wird der Pflegeaufwand für die Pflegebedürftigkeit, der über dem „normalen“ altersbedingten Pflegeaufwand hinausgeht, also nur der zusätzliche Hilfebedarf.
 
Ein sich gut entwickelndes Kind hat mit zunehmenden Alter einen geringeren Pflegebedarf, für das kranke Kind steigt der tatsächliche Hilfebedarf mit zunehmenden Alter. Daher wird im ersten Lebensjahr selten eine Pflegestufe von der Pflegekasse genehmigt. 
 
Zusätzliche Betreuungsleistungen für Kinder mit eingeschränkter Alltagskompetenz unter 12 Jahren können beantragt werden und liegen momentan bei maximal 200,00 € pro Monat. Für diese Leistung muss keine Pflegestufe vorliegen. 

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