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Schmerz

Schmerzen als komplexe subjektive Sinneswahrnehmung beeinträchtigen den Menschen in seiner Gesamtheit und mindern die Lebensqualität. Das gilt für körperliche als auch für seelische Schmerzen.

Die “Internationale Gesellschaft zum Studium des Schmerzes” (International Association for the Study of Pain) definiert Schmerz:

„Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder potenzieller Gewebeschädigung einhergeht oder von betroffenen Personen so beschrieben wird, als wäre eine solche Gewebeschädigung die Ursache.“

 

Schmerzen sind lebensnotwendige Warn- und Leitsignale zum Selbstschutz des Organismus. Chronische Schmerzen sind allerdings keine Warnsignale mehr, sondern ein eigenständiges Krankheitsbild.

Da Schmerzen nicht nur eine reine Sinneswahrnehmung sind, sondern auch emotional bewertet werden, fließen in die persönliche Schmerzerfahrung auch soziale, ökonomische und kulturelle Hintergründe ein. Die subjektive Wahrnehmung Schmerz ist also nicht nur ein neuronales Signal, dass durch die Schmerznervenfasern bestimmt wird. Als psycho-physisches Erlebnis sind Schmerzen ein individuelles Ereignis.

Schmerz ist, was der Betroffene als Schmerz empfindet!

 

Eine Gewebeschädigung führt nicht zwangsläufig zum Schmerz durch Filterprozesse des Zentralnervensystems. Beispielsweise werden während eines Wettkampfes Gewebeschädigungen nicht als Schmerz wahrgenommen (Stressanalgesie: durch einen akuten Stressor entsteht eine Schmerzhemmung). Es können aber auch Schmerzen ohne akute Gewebeschädigung auftreten wie beispielsweise der Phantomschmerz.

Schmerzschwelle: Die Schwelle, bei der ein Schmerzreiz ins Bewusstsein dringt. Die Schmerzschwelle ist bei allen Menschen ungefähr gleich.
Schmerztoleranz: Die Fähigkeit, Schmerz zu ertragen. Die Schmerztoleranz ist sehr individuell. Manche Menschen empfinden bereits geringe Schmerzreize als unerträglich, andere halten auch sehr starke Schmerzen aus.

 

Achtung!

Menschen mit geistiger Behinderung haben die gleiche Schmerzschwelle wie Menschen ohne Behinderung. "Schmerz" ist ein abstrakter Begriff. Viele Menschen mit geistiger Behinderung können daher "Schmerz" nicht erklären oder definieren, obwohl sie ganz real Schmerzen haben. Die angeblich extrem erhöhte Schmerztoleranz ergibt sich aus kognitiven Schwächen.

 

Schmerzformen

Somatischer Schmerz:

(Oberflächenschmerz) Schäden an Haut, Bindegewebe; gut lokalisierbar; hell, scharf, brennend, schneidend; löst Flucht- oder Abwehrreaktionen aus

(Tiefenschmerz) Muskeln, Knochen, Gelenke, Bindegewebe; schlecht lokalisierbar; stärker ausstrahlend, quälend, dumpf, bohrend; löst oft Schonhaltung aus; typischer Tiefenschmerz ist der Kopfschmerz

Viszeraler Schmerz: (Eingeweideschmerzen) Dehnung, Spasmen oder Sauerstoffmangel der Organe/glatten Muskulatur;  Lokalisation oft schwierig: dumpf, bohrend, oft krampf- oder kolikartig, lösen häufig Unruhe aus; typischer Schmerz sind Koliken (periodisch wiederkehrende Schmerzen)

Neurogener Schmerz: Schädigungen an Nerven

Psychogener Schmerz:

Psychische Störung, „psychogener Schmerz" (ein sorgfältiger Ausschluss organischer Ursachen ist immer erforderlich)

Starke Emotionen wie beispielsweise Trauer, Trennung, Verlust können ähnliche Hirnareale aktivieren wie körperliche Schmerzen; auch der Schmerz Anderer kann schmerzauslösend wirken (sogenannte Schmerzempathie)

Psychosomatische Schmerzen (Psychische Zustände lösen körperliche Symptome aus); medikamentös schlecht zu behandeln, eine psychosomatische Therapie führt meist zur Schmerzlinderung

Akuter Schmerz: Warnsignal des Körpers, Schmerzlokalisation entspricht oft dem Schädigungsort

Chronischer Schmerz: Ständig vorhandene oder häufig wiederkehrende Schmerzen über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten

Ältere Menschen reagieren meist später auf Schmerzreize. Erklärungsversuche:

  • Das Schmerzwahrnehmungsvermögen könnte vermindert sein
  • Eine Vielzahl anderer Symptome und Erkrankungen verdecken den Schmerz
  • Schmerzen werden im Alter als “normal” angesehen
  • Gewöhnung bei langsamer Zunahme der Schmerzen
  • Psychische Blokaden

Schmerzkranke müssen interdisziplinär therapiert werden, zum Beispiel durch Internisten, Chirurgen, Neurologen, Psychologen, Orthopäden, Anästhesisten, Physiotherapeuten, Pflegepersonal, Sozialarbeiter. Angehörige und Freunde sollten möglichst einbezogen werden. Therapiekonzepte werden individuell auf den Patienten zugeschnitten. Es gibt spezielle Einrichtungen wie Schmerzpraxen, Schmerzambulanzen oder Schmerzkliniken.

 

Da Schmerzen subjektiv empfunden und beschrieben werden, ist eine Beobachtung schwierig.

Kriterien der Beobachtung:

  • Art
  • Intensität
  • Qualität
  • Dauer
  • Lokalisation
  • auslösende und beschleunigende Faktoren

 

Grundregeln im Umgang mit Schmerzkranken

  • Schmerzangaben sind immer ernst zu nehmen, auch dann, wenn sie nicht nachvollziehbar oder erklärbar sind.
  • Akute Schmerzen nicht nur dokumentieren, sondern auch sofort den Arzt verständigen (Warnsignal).
  • Schmerzpatienten benötigen eine intensive psychosoziale Betreuung.
  • Die Schmerzbekämpfung mit Medikamenten muss frühzeitig und ausreichend einsetzen, da Schmerzzustände für den Körper erlernbar sind (Schmerzgedächtnis). Wiederholt auftretende Schmerzen führen zu intensivem und längerem Schmerzempfinden. Die Schmerzschwelle wird herabgesetzt.
  • Eine umfassende Beratungsarbeit ist erforderlich, gerade bei Ängsten vor Abhängigkeit von Schmerzmedikamenten.
  • Da über den Hirnstamm der Schmerz Kreislauf und Atmung verändert, müssen die Vitalzeichen intensiv überwacht werden.
  • Der Schlaf muss genau beobachtet werden, da Schmerzen den Wach-Schlaf-Rhythmus beeinflussen können.
  • Bei alten Menschen muss aktiv nachgefragt werden, ob Schmerzen vorliegen.
  • Bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen (geistige Behinderung oder Demenz) muss auf indirekte Hinweise geachtet werden (z. B. Stöhnen, Weinen, Schreien, Aggressionen, Mimik, Schonhaltung, Verspannungen, Unruhe, Rückzug, Appetitmangel, Schlafstörungen, Verweigerung bei Pflegemaßnahmen, veränderte Vitalzeichen). 

 

Die Pflege von Schmerzpatienten ist ganzheitlich und individuell orientiert. Aktivierende Pflege wird nur angewendet, wenn sie keine zusätzlichen Schmerzen verursacht, ausgleichende und kompensierende Pflege wird dann genutzt, wenn sie der Schmerzlinderung dient.

 

Pflegemaßnahmen

  • Schmerzprotokoll oder Schmerztagebuch anlegen
  • Betroffene umfangreich informieren und beraten
  • Pflegemaßnahmen in Ruhe und ohne Hektik durchführen
  • Gesprächsbereitschaft, intensive psychosoziale Betreuung
  • Ablenkung (z.B. Beschäftigungsmaßnahmen, Besuchsdienste)
  • Hilfe zur Selbsthilfe (z.B. Anleitung zu schmerzlindernden Maßnahmen wie Entspannungsübungen, physikalische Maßnahmen, Bewegung, "Hausmittelchen")
  • Auf Ängst eingehen, z. B., Abhängigkeit von medizinischer Versorgung, als überempfindlich dargestellt zu werden, den Beruf nicht mehr ausüben zu können, kein vollwertiger Mensch zu sein, etc

 

Beispiel für ein Schmerzprotokoll:


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