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Bei einer Bewohnerin wurde nach ihrem Tode durch Zufall ein Brief in ihren wenigen Habseligkeiten gefunden:
 
 
 
 
 
 
Schwester, was seht ihr? Was siehst du?

Was denkst du, wenn du mich ansiehst?

"Eine verbitterte, verwirrte alte Frau, nicht sehr weise, unsicher in ihrem Verhalten, ihren Bewegungen, mit leeren, weitblickenden Augen."                                          

Eine Frau, die beim Essen sabbert. Eine Frau, die keine Antwort gibt, wenn du mit lauter Stimme sagst:

"Ich möchte, dass Sie es versuchen!"

Sie scheint die Dinge um sich herum nicht zu bemerken, sie scheint immer etwas zu vermissen, verloren zu haben. Einen Strumpf, einen Schuh oder irgendetwas anderes. Diese alte Frau lässt dich tun, was du willst, ob sie will oder nicht. Mit baden und "füttern" wird der Tag ausgefüllt.

Ist es das, was du denkst? Was du siehst wenn du mich anschaust?

Dann öffne deine Augen, Schwester!  Du siehst mich ja gar nicht!

Ich will dir erzählen wer ich bin, auch wenn ich hier so still herum sitze, gewöhnt an deine Befehle, deinen Willen über mich ergehen lasse, alles schlucke und ertrage.

Ich bin ein kleines Kind ... eines von zehn Kindern, mit Vater und Mutter, Brüdern und Schwestern, die einander lieb haben.

Ein junges Mädchen von 16 Jahren ... mit Flügeln an den Füßen, träumend, dass sie bald den Liebhaber finden wird.

Eine Braut, schon mit 20 Jahren ... mein Herz macht einen Sprung, wenn ich an den Treueschwur denke, den ich versprach zu halten.

Mit 25 Jahren ... habe ich eigene Kinder, die mich brauchen, die ich beschützen muss. Glückliches Zuhause, trotz Krieg und vieler Entbehrungen!

Eine Frau von 30 Jahren ... meine Kinder werden nun schnell groß und gehen Freundschaften ein.

Mit 40 Jahren ... meine Kinder sind nun erwachsen und wollen eigene Wege gehen. Aber mein Mann ist noch bei mir und nimmt mir die große Traurigkeit.

Mit 50 Jahren ... wieder spielende Kinder um mich herum, unsere Enkel, wir lieben sie und sie lieben uns.

Dann kommen schwere Tage über mich. Mein Mann stirbt.

Ich sehe in die Zukunft, es schaudert mich vor Angst und Schrecken.

Meine Kinder sind mit ihrem eigenen Leben und der Erziehung ihrer eigenen Kinder beschäftigt, ich denke an die Jahre und die Liebe, die ich mit ihnen erleben durfte.

Nun bin ich eine alte Frau. Die Natur ist grausam. Sie scheint sich über das Alter lustig zu machen. Der Körper schrumpelt, Anmut und Kraft sind dahin. Da wo früher ein Herz war, ist jetzt ein Stein. Aber im Inneren dieser alten Hülle wohnt noch immer das junge Mädchen. Und jetzt und immer wieder schwillt mein mitgenommenes Herz an, an all den schönen Erinnerungen.

Ich denke an die Freude, ich denke an den Schmerz; und ich liebe das Leben noch immer.

Ich denke an die wenigen Jahre, sie so schnell vergangen sind.

Ich nehme die nackte Tatsache hin - nichts kann für immer dauern!

 

Schwester, öffne deine Augen! Öffne sie und sieh!

Schau nicht auf irgendeine unsichere alte Frau, schau ganz genau - schau auf mich!

Bedenke Schwester  ....  auch an dir wird das Alter und die Folgen nicht vorbei gehen.

Gib heute das weiter, was du dir wünschst wenn du dann irgendwann einmal in meiner Lage bist.

Zeige jedem Menschen Respekt und Achtung  gegenüber, egal in welcher Lage er sich befindet.

Behandele die alten Menschen nicht wie kleine Kinder, denn sie haben es verdient mit Anstand und Würde gesehen und behandelt zu werden, auch wenn es dir manchmal schwer fällt.

Und bedenke auch so schlimme Erkrankungen wie Demenz / Alzheimer und die Inkontinenz und noch so vieles mehr gehört für viele von uns Alten dazu; und doch sind wir Menschen!

Irgendwann einmal hast du diesen Beruf aus Liebe gewählt, drum lass ihn "niemals" zur Pflicht werden und behalte die Liebe immer in deinem Herzen.

Deine Frau ........ 


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