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Sexualität und Demenz

 

Für Menschen mit Demenz ist der Umgang mit ihrer Sexualität besonders erschwert. Einmal treffen sie die Vorurteile der Gesellschaft, auch des Pflegepersonals, zur Sexualität im Alter. Diese Vorurteile werden verstärkt durch die Vorurteile gegen Demenz. 

Verhaltensstörungen bei Demenz sind aufgrund des Kontrollverlustes nicht selten und das betrifft auch die Sexualität. Wenn, dann wird ein unangebrachtes sexuelles Verhalten durch demenzerkrankte Menschen thematisiert und meist auch nur dann, wenn sich andere dadurch gestört fühlen. Das führt dazu, dass sexuelle Entgleisungen wie beispielsweise öffentliches Onanieren oder Entblößen, anzügliche Bemerkungen oder Betatschen pauschalisiert und auf alle Menschen mit Demenz übertragen werden. Die vermutlich häufigste Verhaltensstörung bei Demenz, der Libidoverlust, bleibt unbeachtet (stört ja keinen). Untersuchungen zu dieser Thematik sucht man vergeblich. 

 

 Für Menschen mit Demenz ist Selbstbefriedigung oft eine Ersatzbefriedigung (Sinnesanregung, sich fühlen, den Körper wahrnehmen können)

 Ein Verwirrter kann oft nicht trennen zwischen Pflege im Intimbereich und Sexualität

 Bei sexueller Belästigung sollte immer an die Kontrollfähigkeit gedacht werden (krankheitsbedingter Kontrollverlust)

 Sexuelle Belästigung ist oft ein Signal für Einsamkeit (ursächlich sind Kommunikationsprobleme)

 Ständiger Wechsel von Betreuungspersonal, besonders bei der Grundpflege, führt dazu, dass bei den Betroffenen Schamgefühle schwinden 

 

Bei sexuell auffälligen Verhalten sollte das Problem im Pflegeteam konkret besprochen und gemeinsam Lösungen erarbeitet werden wie beispielsweise

  • konsequente Bezugspflege
  • gleichgeschlechtliche Pflege
  • Ankündigung aller Arbeitsschritte bei der Grundpflege
  • klare Hinweise auf unangemessenes Verhalten
  • eindeutiges Auftreten
  • Distanz beachten
  • entschlossen Grenzen ziehen
  • Kleidung wählen, die derjenige schwer ausziehen kann
  • Ablenkung beispielsweise durch Beschäftigung
  • im Notfall muss man über eine Verlegung des Bewohners beispielsweise auf eine andere Station nachdenken.

Dass bei einer derartigen Einzelfallbesprechung das gesamte Pflegeteam teilnimmt ist wichtig, um ein einheitliches Handeln aller Pflegenden zu garantieren. Außerdem kann im Team besser analysiert werden, ob es Faktoren gibt, die das unerwünschte sexualisierte Verhalten fördern.

Es gibt beispielsweise Pflegepersonal, die nicht Arbeit und Privat unterscheiden können. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie auf Arbeit eine Dienstkleidung bevorzugen, die sie auch in der Disco tragen könnten. Tops, Spaghettiträger, zu kurze Oberteile, zu figurbetonte Kleidung, tiefe Ausschnitte, rutschende Hosen, aufdringliche Schminkerei, sichtbare Tätowierungen etc sind keine angemessene Dienstkleidung und können sexuelles Fehlverhalten fördern, unter dem dann auch Kollegen zu leiden haben, aber auch der Demenzerkrankte selber. Uneinsichtige Kollegen sind aus dem Team zu entfernen (Versetzung, Kündigung).

Was auf jeden Fall vermieden werden muss:

 Isolierung des Menschen mit Demenz

 Reduzierung der Kontakte vom Pflegepersonal zum Betroffenen

 Unterdrückung seiner Sexualität

 Strafen

 Eskalation

Mit solchen Maßnahmen werden sexuelle Verhaltensstörungen in der Regel verstärkt.

 

1. Fallbeispiel: 

Maria S. arbeitet in einem Haus für Demenzkranke. Mit Frau A. kann sie sich relativ gut unterhalten. Frau A. ist auch gut im Heimalltag zu integrieren und nimmt an den diversen Beschäftigungsangeboten teil. Frau B. ist seit vier Monaten in der Einrichtung. Sie ist sehr introvertiert. Schwere Wortfindungsschwierigkeiten machen eine Unterhaltung mit ihr fast unmöglich. Ansonsten ist sie recht unauffällig. Beide Frauen bewohnen zusammen ein Zweibettzimmer. Mit der früheren Mitbewohnerin hatte Frau A. oft Streit, weil diese sehr unruhig war. Mit Frau B. versteht sie sich gut. Frau A. bekommt regelmäßig Besuch von ihren Angehörigen, Frau B. hat nie Besuch. In der Spätschicht an einem Sonntag kommen die Angehörigen von Frau A. empört zu Maria S. und verlangen eine sofortige Verlegung von Frau B. in ein anderes Zimmer. Durch beharrliche Nachfragen erfährt Maria S., dass Frau B. den zwölfjährigen Sohn der Besucher massiv sexuell belästigt hatte.

Welche Ursache könnte verantwortlich sein für das Verhalten von Frau B?

Welche Maßnahmen könnten greifen, um derartige Vorfälle zukünftig zu vermeiden?

 

Lösung der Einrichtung

 

2. Fallbeispiel:

Die Situation auf der Pflegestation ist seit Wochen personell sehr angespannt. Zusätzlich gibt es mit Hern C. Probleme. Herr C. leidet unter Morbus Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium. Er teilt sich ein Zimmer mit zwei Mitbewohnern.

Zunehmend zeigt er gegenüber dem Pflegepersonal bei der Grundpflege, besonders bei der Intimwäsche, ein sexualisiertes Verhalten durch Anzüglichkeiten und vermehrt auch körperliche Annäherungen.

Besonders schlimm wurde es, als eine neue Mitarbeiterin eingestellt wurde, die ihre Attraktivität gerne zeigt. Inzwischen mag niemand vom Pflegepersonal mehr gerne die Grundpflege bei Herrn C. übernehmen. 

Nennen Sie mögliche Ursachen für seine Verhaltensänderung und eventuelle Pflegemaßnahmen.

 

Lösung der Einrichtung