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Sterben ist Leben - Leben vor dem Tod

 

Henry Ritter - public domain

Pflege eines sterbenden Menschen

Sterben ist die Zeit des Überganges vom Leben in den Tod. Es ist oft schwierig zu erkennen, wann das Sterben einsetzt: Es wird unterschieden zwischen der Terminalphase ( letzte Lebensphase eines Menschen mit einer unheilbaren und zum Tode führenden Erkrankung) und Finalphase (eigentliche Sterbephase). Sterben hat eine psychische, eine biologische, soziale und eine religiöse Dimension. 

 

Die Pflege ist immer weniger aktivierend, sondern immer mehr ausgleichend und "übernehmend" (kompensierend). 

 

  • Pflegemaßnahmen dürfen nicht stärker belasten als die Beschwerden selbst, keine unnötigen Pflegemaßnahmen.
  • Im Vordergrund ist das Recht auf einen friedlichen, schmerzfreien, würdevollen Tod.
  • Prinzipien des pflegerischen Handelns sind die Wahrung der menschlichen Würde und das Schaffen höchstmöglicher Lebensqualität.
    • Prüfen der Bedürfnisse des Sterbenden (eventuell möchte er lieber alleine sein)

    • sorgfältige und regelmäßige Durchführung der notwendigen Prophylaxen, um zusätzliche Beeinträchtigungen zu vermeiden

    • Vermeidung unnötiger Anstrengungen für den sterbenden Menschen (z.B. auf Ganzwaschung oder Bettbeziehen verzichten)

    • atmungserleichternde und bequeme Lagerung

    • behutsame, bedürfnisgerechte Körperpflege

    • vollständig kompensatorisches System, Bezugspflege

    • jederzeit Besuchsmöglichkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten für Angehörige, Bekannte, Freunde

    • Mitbewohnern die Möglichkeit zum Abschied zu geben

    • Angehörige sollten in die Pflege soweit einbezogen werden, wie sie es selbst wollen, können und es ethisch vertretbar ist

    • "Loslassen"

 

Beispiele für eine Pflegeplanung:

 

PROBLEM DES BEWOHNERS

PFLEGEZIEL

PFLEGEMAßNAHMEN

der Bewohner hat Angst vor dem Sterben und dem Tod

Der Bewohner kann seine Ängste und Bedürfnisse mitteilen. Er fühlt sich in seiner Umgebung geborgen

  • nach Möglichkeit eine Bezugsperson
  • Gesprächsbereitschaft signalisieren
  • Nonverbaler Kommunikation großen Stellenwert einräumen
  • Auf Signale und Äußerungen achten 
  • Gesprächen über Sterben und Tod nicht ausweichen: Keine ausweichende Antworten, Halbwahrheiten oder Oberflächlichkeiten - stören das Vertrauensverhältnis.
  • Für angenehme (ruhige) Atmosphäre sorgen

Bewohner hat Angst, allein zu sein, fühlt sich isoliert

Bewohner ist nicht allein, kann Abschied nehmen

  • jederzeit Besuchszeiten
  • Angehörige übernachten lassen
  • Bei Besuchen nicht unnötig stören
  • Angehörigen auf Wunsch Pflegeaufgaben übertragen
  • Bewohner nicht alleine lassen, falls keine Angehörigen

Bewohner möchte wichtige Dinge erledigen (z.B. Testament, Aussprachen)

Der Bewohner kann Unerledigtes regeln

  • Angehörige informieren
  • evtl. Termin beim Notar
  • ungestörte Atmosphäre schaffen
  • Erstellung eines Nottestaments

Bewohner hat religiöse oder spirituelle Bedürfnisse

Bewohner erhält den seelsorgerischen Beistand, den er sich wünscht

  • Bewohner oder Angehörige seelsorgerischen Beistand anbieten
  • Rituale des entsprechenden Glaubens ermöglichen (z.B. Krankensalbung)
  • bei Bedarf dem Bewohner vorlesen (z.B. Bibel) oder mit ihm beten
  • mit dem Bewohner Gespräche über religiöse oder spirituelle Fragen führen

Pflegerische Maßnahmen belasten den Bewohner

Der Bewohner muss keine vermeidbare Belastung oder Behandlung ertragen

  • Überflüssiges oder Routinearbeiten weglassen
  • Schmerzprotokoll für eine optimale Schmerztherapie

Bewohner hat Schmerzen (körperlicher Dauerschmerz)

Bewohner soll möglichst keine Schmerzen ertragen

  • zeitgenaue Gabe der Medikamente
  • auf Schmerzäußerungen achten (Schmerzprotokoll)
  • Berücksichtigen von Wünschen und Bedürfnissen.
  • schmerzfreie Lagerung

Bewohner leidet unter Appetitlosigkeit und vermindertem Durstgefühl

Bestmöglicher Ernährungszustand
Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist

  • Lieblingsspeisen
  • Bilanzierung
  • Mundpflege

Bewohner hat Obstipation durch Bewegungsmangel und Opiattherapie

OIbstipationsprophylaxe

  • Ausfuhrbogen
  • auf Darmgeräusche achten
  • alternative Maßnahmen, z.B. ein lauwarmes Glas Wasser morgens, ballaststoffreiche Ernährung

Bewohner leidet an Übelkeit und Erbrechen

Belastungen werden gemindert

  • Beobachtung des Auftretens, von Regelmäßigkeiten und Zusammenhängen (eventuelle psychische oder medikamentöse Auslöser)

ausgetrocknete Mundschleimhaut

Augen verklebt

Hautzustände sind gut befeuchtet und läsionsfrei

  • gute Beobachtung der Mundschleimhäute
  • Mundpflege wird regelmäßig durchgeführt
  • möglichst häufig kleine Trinkmengen anbieten
  • Bei fehlendem Lidschlag 2 x tgl. Augensalbe oder mehrfach Augentropfen

Schluckbeschwerden 

Schluckreflex fördern

häufig kleine Trinkmengen anbieten

Bewohner ist unruhig, oder verwirrt. Es besteht die Gefahr von Fremd- und Selbstgefährdung

Gefährdungen minimieren

*Bewußtseinslage beobachten

  • Gefahrenquellen ausschalten
  • Vermehrte Kontrollgänge.

Bewohner leidet unter Schlafstörungen (psychisch, Schmerzen)

Schlafstörungen weitestgehend ausschalten

  • Beobachtung des Tages-Nacht-Rythmus
  • Schlafstörungen spezifizieren (Einschlaf-, Durchschlafstörungen usw)
  • Ängste besprechen
  • Schmerzäußerungen beachten
  • Rituale durchführen (Gebete, Licht, „Betthupferl“)

Bewohner hat Atemnot

Atmung erleichtern

  • Oberkörperhochlagerung
  • Fenster öffnen
  • durch Nähe beruhigen
  • Rücken einreiben, abklopfen
  • Atemtypus dokumentieren
 

(Quelle Pflegewiki http://www.pflegewiki.de/wiki/Pflege_eines_sterbenden_Menschen)

 


 

Es gibt Mitmenschen, die man als schwierig bezeichnen könnte. So ein Mitmensch liegt im Sterben. 

 

Es gilt:

Jeder Mensch hat ein Recht auf einen würdevollen Tod.

 

Zur Erinnerung:

Aufgaben der professionellen Pflege

 

> Erhalten und Fördern der Gesundheit

> Wiedererlangen von Gesundheit

> Verhüten von Krankheiten

> Hinleiten zu gesundheitsförderlichem Verhalten

> Neuorientierung bei bleibender Krankheit oder Behinderung

> Selbstständigkeitssteigerung 

> Befähigen zu angemessener Selbst- und Laienpflege

Würdevolles Sterben

 

Pflegekräfte sind weder Richter noch Gott und sollten ein Urteil über das Leben eines anderen Menschen denen überlassen, denen es zusteht.

 

 

Nach dem Eintritt des Todes sollte man noch eine geraume Zeit beim Verstorbenen bleiben.

Jegliche Gespräche über den Sterbenden oder über den Verstorbenen mit Dritten in seiner Gegenwart sind zu unterbleiben.

Angehörigen muss ermöglicht werden, sich alleine von dem Verstorbenen zu verabschieden.