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Stress

 

 

Untersuchungen in Europa ergaben

 

  • 50 % bis 60 % aller Krankheitstage von Arbeitnehmern stehen mit Stress in Verbindung
  • die Kosten für ausgefallene Arbeitsstunden und Behandlung der stressbedingten Erkrankungen kosten die Länder Milliarden Euros

 

Stress wird ausgelöst durch Stressoren  (= belastende Reize). 

Zum Beispiel:

  • chemische Stressoren (wie Drogen, Chemikalien)
  • körperliche Stressoren (wie Hitze, Lärm, Hunger, Krankheiten)
  • seelische Stressoren (wie Versagensängste, Zeitdruck, Über- Unterforderung)
  • soziale Stressoren (wie Konflikte, Verlust von Angehörigen, Isolation) 
  • strukturelle Stressoren (wie Bürokratismus, Hierarchien, unklare Kompetenzen)
  • berufliche Stressoren (wie monotone Beschäftigungen, z. B.  Fließbandarbeit; Beschäftigungen mit einseitiger Belastung der Sinne,  z. B. Bildschirmarbeit; Beschäftigungen mit gestörtem Biorhythmus, z. B. Schichtarbeit)
  • Kulturelle Stressoren (Rollenkonflikte, unterschiedliche Wertvorstellungen)
  • personenbedingte Stressoren (Übermotivierung, Unsicherheit, Ängste) 

 

Der österreich-kanadische Mediziner Hans Selye (mit ungarischer Abstammung), geboren 26.1.1907 in Wien, gestorben am 16.10.1982 in Montreal, entwickelte in den 1930er Jahren die Grundlagen für die Lehre vom Stress.

 

Nach seinem Konzept unterscheidet man zwei Arten von Stress: 

  • positiver Stress (Eustress)
  • negativer Stress (Disstress)

Positiver Stress

  • überlebenswichtig bei Gefahr und großen Anforderungen
  • steigert Aufmerksamkkeit und Konzentration
  • fördert die maximale Leistungsfähigkeit des Körpers

 

Negativer Stress

  • Stresssituationen ohne körperlichen Ausgleich
  • fehlende oder unzureichende Copings zur Stressbewältigung

 

Folgen negativen Stresses:

  • gesundheitliche Schäden
  • körperliche, seelische, geistige Beeinträchtigungen
  • Entwicklung von chronischem Stress
  • Burnout-Syndrom

 

 

Bei Stress wird das Nebennierenhormon Cortisol ausgeschüttet, dass den Stoffwechsel aktiviert und den Fett-, Kohlenhydrat- und Proteinstoffwechsel beeinflusst. Dadurch wird eine schnelle Energieversorgung gewährleistet, um den Körper auf Stressreaktionen wie Flucht oder Kampf vorzubereiten. Normalerweise ist die Cortisolkonzentration morgens am höchsten, fällt im Tagesablauf stark ab und ist abends am niedrigsten, um den Körper auf die Ruhe- und Erholungsphase in der Nacht vorzubereiten. Dieser Tag-, Nachtrhythmus ist bei chronischem Stress gestört. Eine übermäßige Ausschüttung führt zu dauerhaften Schäden wie verringerte Ausschüttung von Sexualhormonen, Muskelschwäche, Depression, Burnout, Erschöpfungszustände, Schlaf-, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Bluthochdruck, geschwächtes Immunsystem, erschwerte Glukoseverwertung in den Zellen, erhöhtes Diabetesrisiko, verstärkter Abbau und verminderte Aufnahme von Calcium, wodurch die Knochensubstanz geschädigt wird, erhöhter Körperfettanteil und Umverteilung der Fettmasse (Bauch-, Rumpfbereich), Hemmung der Schilddrüsenhormone und dadurch Einschränkung der Schilddrüsenfunktion.

 

Das im Nebennierenmark gebildete Adrenalin ist ein Stresshormon mit ähnlicher Wirkung wie Cortisol, also zuständig für die rasche Bereitstellung von Energiereserven, die in gefährlichen Situationen das Überleben sichern sollen. Im Gegensatz zu Cortisol, dass langsamer freigesetzt wird, wird Adrenalin in extremen Stresssituationen besonders stark ausgeschüttet und wirkt vor allem auf das Herz-Kreislauf-System. Das zentrale Blutvolumen steigt, kleine Blutgefäße werden verengt (besonders Haut, Nieren), zentrale und muskelversorgende Blutgefäße erweitert, die Herzfrequenz erhöht, Erregungsleitungen beschleunigt, die Muskelarbeit erhöht und die Reizschwelle gesenkt. Große Mengen von Adrenalin lassen die glatte Muskulatur erschlaffen, wodurch nicht akut benötigte Prozesse wie beispielsweise die Verdauung vorübergehend inaktiviert werden. Dadurch werden auch die Bronchien erweitert. Außerdem wird die Atmung beschleunigt und intensiviert. Der Fettabbau wird gesteigert, Glukose wird verstärkt freigesetzt, wodurch der Blutzuckerspiegel steigt und die Insulinproduktion gehemmt wird. Ein hoher Adrenalinspiegel kann sich bemerkbar machen durch eine erhöhte Schweißproduktion, Gänsehaut, Pupillenerweiterung und trockener Mund. 

 

Noradrenalin ist ein Neurotransmitter (Botenstoff) und ein Hormon. Es wird vom Körper im Nebennierenmark und im Gehirn produziert. Die Wirkung ist dem Adrenalin ähnlich, der chemische Aufbau weicht vom Adrenalin ab. Auch das Noradrenalin regt das Herz-Kreislaufsystem an. Eine erhöhte Konzentration an Noradrenalin lässt sich bei der Herzinsuffizienz feststellen.

 

Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter und die Vorstufe von den Hormonen Noradrenalin und Adrenalin. Dopamin beeinflusst Bewegung, Koordination, Steuerung der Muskulatur, Durchblutung, Konzentration, Wohlbefinden und Motivation.  Bei Dopaminmangel steigt das Hungergefühl und das Sättigungsgefühl tritt verzögert auf. Parkinsonkranke haben einen Dopaminmangel. Zuviel Dopamin wirkt neurotoxisch (neuro = betrifft Nervenzellen, toxisch = giftig). Außer den Schädigungen am Nervengewebe kommt es zu unterschiedlichen Beschwerden wie Antriebslosigkeit und chronischen Erschöpfungszuständen.

 

Auch Serotonin ist ein wichtiger Neurotransmitter und die Vorstufe des Hormons Melatonin. Bei chronischem Stress sinkt die Serotoninausschüttung durch einen Tryptophanmangel (Bestimmte Aminosäuren, die im menschlichen Körper zu Serotonin umgewandelt werden). Serotonin reguliert zum Beispiel die Spannung der Blutgefäße und wirkt auf die Magen-Darm-Tätigkeit und die Signalübertragung im Zentralnervensystem. Es wirkt insbesondere auf die Stimmungslage. Zuviel Serotin führt zu Halluzinationen. Ein Serotoninmangel führt zu Ängsten, Depressionen,Schlafstörungen, mangelhafte Appetitkontrolle, Erschöpfungszustände, Migräne, innere Unruhe, Muskelschmerzen, mangelnde Motivation und impulsiven Aggressionen. 

 

Beim Abbau von Tryptophan bilden sich andere Aminosäuren (Kynurenin), die wiederum einen großen Einfluss auf das Immunsystem haben. 

 

ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) ist ein Hormon, dass im Gehirn ( Hypophysenvorderlappen) gebildet wird. Es regt die Tätigkeit der Nebennierenrinde an. Erhöhte ACTH-Werte lassen sich bei Kälte, Stress und verschiedenen Krankheiten feststellen. 

 

CRH (Corticotropin-releasing Hormone) besteht aus 41 Aminosäuren und wird im Gehirn (Hypothalamus) gebildet. Es stimuliert die Ausschüttung von ACTH und den Sympathikus (Teil des vegetativen Nervensystems). Morgens ist die Ausschüttung normalerweise stärker als abends.

 

Chronischer Stress macht krank!

  • Das Cortisol schädigt mit der Zeit die Gehirnzellen. 
  • Die verminderte Darmtätigkeit und mangelhafte Blutversorgung der Magen- und Darmschleimhäute werden die Organe anfälliger für Geschwüre und andere Erkrankungen.
  • Schwächung des Immunsystems und damit erhöhtes Infektrisiko.
  • Erhöhter Blutdruck und Herzschlag verringern die Elastizität der Blutgefäße.
  • Ständige Erregung des Sympathikus (Teil des vegetativen Nervensystems) erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.
  • Durch den erhöhten Zuckerspiegel steigt das Risiko für Lebererkrankungen, aber auch anderer Organe.
  • Der erhöhte Cholesterinspiegel fördert die Gefahr von Thrombenbildung (Apoplex, Thrombose, Herzinfarkt, Lungenembolie).
  • Der erhöhte Muskeltonus (Tonus = Spannungszustand der Muskulatur) verursacht Verspannungen, Haltungs- und Gelenksschäden und anhaltende Kopfschmerzen.
  • Stresshormone, Überbeanspruchung und Dauerbelastung führen zu einer Atrophie ("Verkümmerung") des Hippocampus mit weitreichenden Auswirkungen auf die psychische und seelische Gesundheit.
    • Ängste
    • Depressionen
    • Denkblockaden
    • Müdigkeit
    • Konzentrationsstörungen
    • Emotionale Taubheit
    • Aggressivität
    • Gereiztheit
    • Sozialer Rückzug, Isolation
    • Unruhe, "Aktivismus"
    • Orientierungslosigkeit
    • Halluzinationen
    • Vergesslichkeit
    • Depersonalisation
    • Verminderte Kreativität
    • und andere

Kinder zeigen als Symptome für chronischen Stress: "Klammern", Daumenlutschen, Bettnässen, Ängste (vor Dunkelheit, vor der Nacht, vor Tieren, "fremdeln"), Sprachauffälligkeiten (Stottern oder Stammeln), Wehleidigkeit, Eifersucht, Alpträume, Schlafstörungen, Interesselosigkeit, Obstipation, Diarrhoe, Essstörungen, starkes Schwitzen, Rückzug, Mittelpunktstreben, kauen an den Fingernägeln, Konzentrationsstörungen, Hautprobleme, erhöhte Aggressivität, Unruhe mit häufig starkem Bewegungsdrang. Durch chronischen Stress können Kinder massiv in der altersmäßigen Entwicklung zurückbleiben, sowohl körperlich wie geistig.