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Gehörlosigkeit / Schwerhörigkeit

 

Allgemein für alle Behinderungen gilt: Es muss unterschieden werden zwischen einer Frühbehinderung (Angeborene Behinderung) und einer Spätbehinderung (Erworbene Behinderung).

Wer gehörlos oder schwerhörig geboren ist, für den ist dieser Zustand "normal". Derjenige kennt es nicht anders und hat daher auch kein Verlustempfinden. Psychische Probleme durch die Behinderung sind anerzogen durch

  • Vorurteile
  • Benachteiligung
  • Fehlende oder mangelnde Förderung
  • Fremdbestimmung 

Die Fremdbestimmung ergibt sich bereits grundsätzlich aus der Problematik, dass sein Umfeld in einer Fremdsprache kommuniziert, der Lautsprache. Für den Frühertaubten ist die Gebärdensprache die Muttersprache.

Wer durch Krankheit oder Unfall gehörlos oder schwerhörig wurde, kannte das "Hören". Derjenige hat bereits psychische Probleme aufgrund des erlittenen Verlustes. Der Verlust besteht nicht nur aus den verloren gegangenen Sinneswahrnehmungen. Denn die Muttersprache der Spätertaubten ist die Lautsprache. Die Gebärdensprache ist für ihn eine Fremdsprache. Er verliert also mit dem Hörverlust kommunikative Kompetenzen, die für ihn selbstverständlich waren. Zusätzlich erfährt er Vorurteile, Benachteiligung, fehlende oder mangelnde Förderung und Fremdbestimmung. Und muss feststellen, dass er aus der "normalen Gesellschaft" zunehmend ausgeschlossen wird. 

 

 

Die Schwerhörigkeit wird unterschieden nach dem Entstehungsort. Es gibt danach eine Schallleitungsschwerhörigkeit, Schallempfindungsschwerhörigkeit und eine kombinierte Schwerhörigkeit. Die kombinierte Schwerhörigkeit besteht aus den beiden Schwerhörigkeitsarten und ist am häufigsten.

Bei der Gehörlosigkeit wird unterschieden zwischen "Absoluter Taubheit" und "Praktischer Taubheit". Eine absolute Taubheit ist sehr selten. Bei der praktischen Gehörlosigkeit oder eine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit existiert ein Resthörvermögen, was die Wahrnehmung einzelner Töne oder Geräusche gestattet. In der Schwerhörigen- Gehörlosenpädagogik  spricht man dann von einer Gehörlosigkeit, wenn der Erwerb der Lautsprache nicht ohne Hilfsmittel möglich ist.

 

Schallleitungsschwerhörigkeit

 
(Früher auch als Altersschwerhörigkeit bezeichnet, was jedoch fachlich falsch ist, denn auch junge Menschen können davon betroffen sein)

 

Betroffen sind Außen- oder Mittelohr

 
Der Schall wird mangelhaft weitergeleitet (Effekt wie bei "Ohropax")
 
 
 
 
 
 
 
Schallempfindungsschwerhörigkeit
 
(Innenohrschwerhörigkeit)
 
Ursache:
  • Geschädigte oder fehlende Sinneszellen (Haarzellen) in der Hörschnecke (Cochlea)
  • geschädigter Hörnerv
  • Störungen im Gehirn
Schall wird verzerrt weitergeleitet
 
 
 
 
Kombinierte Schwerhörigkeit: Schallleitungsschwerhörigkeit und Schallempfindungsschwerhörigkeit
 
 
Ein Hörgerät ist keine Brille!
 
Einen Sehfehler kann man bei vielen Sehschwächen mit einer Brille ausgleichen. Man setzt sie auf und sieht wieder "normal". Das ist bei einem Hörgerät nicht möglich. Ein Hörgerät muss regelmäßig getragen, das Hören damit trainiert werden. Erst dann kann der Betroffene lernen, mit dem veränderten Hören umzugehen. Viele alte Menschen setzen das Hörgerät ein und stellen fest, dass ihnen das Hörgerät außer Nachteile (Krach, ungefilterte Nebengeräusche etc) nichts bringt. Enttäuscht entfernen sie das Hörgerät, fühlen sich unverstanden und verweigern das Tragen. Akustiker und Pflegepersonal sind hier gefordert, durch Beratung und Schulung diesen Menschen beim Umgang mit dem Hörgerät zu helfen.
 
Versorgung mit zwei Hörgeräten!
 
Wenn nur ein Ohr von Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit betroffen ist, geht das Richtungshören verloren. Das heißt, der Betroffene kann nicht mehr orten, woher ein Geräusch kommt. Darum müssen in der Regel immer beide Ohren mit Hörgeräten versorgt werden, um eine zusätzliche Verunsicherung der Betroffenen und Gefahrenquellen zu vermeiden.   
 
Achtung! Sturzgefahr!
 
Da das Innenohr auch für das Gleichgewicht zuständig ist, kann bei einer Hörschädigung auch das Gleichgewicht beeinträchtigt sein.
 
Hörentwöhnung!
 
Schwerhörige ohne Hörgerät leiden mit der Zeit an einer Hörentwöhnung. Es kommt schleichend zu einer Rückbildung des Hörnerven. Dadurch wird die Weiterleitung ans Gehirn immer schlechter und das Gehirn verlernt, Geräusche und Wörter richtig einzuordnen. Darum muss das Gehirn nach einer Hörgerätversorgung erst wieder lernen, Höreindrücke entsprechend zu verarbeiten.
 
 
Hörbehinderung in der Altenpflege
 
Bei alten Menschen tritt die Verschlechterung des Hörens in der Regel nicht plötzlich, sondern meist schleichend auf. Zum Beispiel reagieren sie immer weniger auf Klingel oder Vogelgezwitscher. Ihr Sprachverständnis leidet bei hohem Geräuschpegel wie beispielsweise bei Feiern. Immer häufiger klagen sie über Ohrengeräusche vor allem in ruhiger Umgebung. Ihr Augenausdruck wird misstrauisch, das Kommunikationsverhalten ändert sich, sie reagieren oft gereizt oder sogar aggressiv. Schließlich ziehen sie sich mehr und mehr zurück und vermeiden Sozialkontakte. Sie sind zutiefst verunsichert und zweifeln an ihrer Selbstwahrnehmung.

Mögliche Ursachen

 

  • Neurologische Erkrankungen
  • Durchblutungsstörungen
  • Störungen des Stützgewebes im Innenohr
  • Psychische Störungen 
  • Nebenwirkung von Medikamenten
  • Lärmeinwirkung
  • Infektionen

 

Pflegerische Intervention
 
  • Ursachen abklären lassen
  • Akute Probleme und Ressourcen feststellen
  • Einsatz von Hilfsmitteln prüfen
  • Kommunikationsform anpassen
  • Beobachtung (Auswirkungen der Hörbehinderung auf tägliche Aktivitäten, Reaktion auf Geräusche, Sozialverhalten)
 
Pflegeziel
 
  • Betreuter ist gut informiert und beraten zu seiner Hörbehinderung
  • Betreuter nutzt Hilfsmittel, Bewältigungsangebote
  • Betreuter nimmt am täglichen Leben der Einrichtung aktiv teil
  • Betreuter kommuniziert, pflegt soziale Kontakte
  • Betreuter kann subjektiv gesehen mit seiner Hörbehinderung umgehen
 
Pflegemaßnahmen
 
  • Gute Beleuchtung
  • Sturzprophylaxe
  • Unterstützung beim Anbringen und Warten des Hörgerätes
  • Geduld
  • Blickkontakt
  • Klare und einheitliche Reize und Gesten
  • Langsam und deutlich sprechen
  • Unverzerrtes Mundbild
  • "Normale" Gesprächslautstärke
  • Nebengeräusche vermeiden, minimieren
  • Deutliche Mimik
  • Unterstützende Gestik (Kein Herumfuchteln)
  • Kurze, klare Sätze mit angepasstem Wortschatz
  • Nicht von hinten ansprechen
  • Nie von hinten unvermittelt nähern (Im Blickfeld sein)

 

und niemals anschreien!
 
Das ist eine Todsünde im Umgang mit Schwerhörigen oder Gehörlosen, da zumeist bei ihnen die Schmerzgrenzen deutlich gesenkt  sind.

 

 

Für Betroffene allerdings weniger komisch

 

Signalhunde