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Therapie der PTBS

 

 

Je schneller eine PTBS diagnostiziert und therapiert wird, umso größer sind die Heilungsaussichten. Eine lange unbehandelte PTBS hat lange Behandlungsverläufe, wiederholte Verschlechterungen des Krankheitsbildes und führt häufig zu wiederholten stationär-psychiatrischen Behandlungen. Es gibt unterschiedliche Ansätze zur Behandlung der PTBS. Bei einer schweren PTBS ist immer einer stationären Behandlung der Vorrang einzuräumen. In israelischen Traumakliniken wurde folgendes Schema entwickelt:

 

 

 

Therapiephasen der PTBS

 

  Stabilisierungsphase

 

  • An dieser Phase können auch Pflegende mitwirken

  • Die Schaffung einer als sicher wahrgenommenen Umgebung

  • Vermeidung weiterer Traumaeinwirkungen

  • Keine Vorwürfe oder "Strafen" für abweichendes Verhalten

 

  Traumabearbeitungsphase

 

  • Diese Phase kann nur von Fachleuten geleistet werden.

  • Kombination von Psychotherapie und medikamentöser Therapie.

  • Bei schwerer Traumatisierung kann eine stationäre Traumatherapie sinnvoll sein.

 

Häufig wird die Dissoziation therapeutisch genutzt: Der Mensch betrachtet sich quasi von außen, um Gefühle oder gefühlsmäßige Vorgänge wertfrei zu erkennen.

 

Albträume können mit dem Verfahren "imagery rehearsal" bekämpft werden. Eine typisch wiederkehrende Traumhandlung wird tagsüber in allen Einzelheiten durchgespielt und ein gutes Ende zum Traum erfunden. Dadurch können sich auch andere Symptome bessern.

 

  Integrationsphase

 

Das traumatische Ereignis kann in die gegenwärtige Lebenssituation eingebettet werden.

 

 

Das Pflegepersonal der Altenpflege wird aber mit Menschen konfrontiert, die in der Regel an einer chronischen PTBS leiden, die nur schwer und langwierig zu therapieren ist. In der Regel zu lange für die alten Menschen, abgesehen davon, dass sich für eine solche Therapie vermutlich kein Kostenträger finden würde. Auch eine stationäre Traumatherapie kommt für den Personenkreis selten in Betracht, zumal der damit verbundene Ortswechsel mehr Schaden als Nutzen anrichten könnte. 

 

 

Im Vordergrund muss stets die Erhöhung der Lebensqualität stehen!

 

Nichts tun?

 

Doch!

 

Die Traumabearbeitungsphase gehört in Fachhände. Aber wenn bei einem Bewohner oder Betreuten eine PTR (wozu die medizinische Diagnose PTBS nicht zwingend gestellt sein muss) festgestellt oder vermutet wird, sollte man in den Pflegezielen die Stabilisierungsphase ansteuern. Das bedeutet für die Pflegeplanung, der betroffenen Person eine Umgebung zu schaffen, in der er sich sicher fühlt. Weitere Traumaeinwirkungen sind unbedingt zu vermeiden. Abweichendes Verhalten sollte niemals mit Vorwürfen, "Strafen" oder Lächerlichkeit geahndet werden.

 

Das ist leichter gesagt als getan. Ich kannte als Kind eine Person, die grundsätzlich nie pünktlich zu einem Termin erschien. Natürlich ärgerte es mich, wenn diese Person wieder einmal drei Stunden später eintrudelte oder eine Stunde zu früh kam und dann empört war, weil ich es nicht geahnt hatte und auch früher gekommen war. Hätte ich damals über PTBS Bescheid gewusst, hätte ich nicht "normal" auf diese Unzuverlässigkeit reagiert. Denn es ist völlig sinnlos, jemanden wegen seiner Unpünktlichkeit zu rügen, der eindeutig unter einer PTBS leidet. Ich hätte gewusst, dass PTBS - Patienten Einschränkungen in der zeitlichen und räumlichen Orientierung haben können, was sie unfähig macht, zeitlich korrekt zu planen. Meine Vorwürfe, auch noch als Kind gegenüber einem Erwachsenen, führten zu einer weiteren Beschädigung seines Selbstbildes, vertieften die Orientierungsschwächen und erzeugten bei ihm Gefühle der Unsicherheit und Hilflosigkeit. In der Relation gesehen verursachte eine Kleinigkeit heftigste Reaktionen dieser Person. Nur dass ich als Kind diese Zusammenhänge mangels Wissens nicht überblicken konnte.

 

Aber es gibt auch drastische Beispiele, wie man nicht mit PTBS-Patienten umgehen sollte und dass in Einrichtungen und von Leuten, wo man eigentlich eine Professionalität erwartet. In einem Berliner Altenheim wurde beispielsweise von der Stationsleitung ein Pfleger mit russischem Akzent zu den Bewohnerinnen zum Katheterisieren geschickt, der dann die alten Damen aufforderte: "Machen sie mal die Beine breit!" Das ist mit den Erfahrungen zum Kriegsende dieser alten Frauen eine glatte Körperverletzung und ein unglaublicher menschlicher Zynismus. Auf die Anklagebank gehören aber am wenigsten der Pfleger, sondern die Stationsleitung und all diejenigen Leute, die sie aus- und weitergebildet hatten.

 

Solche Extreme passieren, aber auch die "Harmlosigkeiten" können PTBS - Betroffene quälen: eventuell zu lautes Klopfen an der Tür, Marschmusik, Fußgetrampel, Klingeln, zwangsweise Teinahme an Aktivitäten oder Geselligkeiten, oder oder oder. Hier sind genaue Beobachtungen und viel Sensibilität angezeigt, um schleunigst Reize auszuschalten, die traumatische Erinnerungen wecken. Schlimmer wird es bei persönlichen Eigenschaften. Der Pfleger mit russischen Akzent kann nichts für seinen Akzent. Eine blonde, blauäugige Pflegerin kann einen Patienten an eine KZ-Aufseherin erinnern, ein sächsischer Dialekt an einen Gestapobeamten, ein Berliner Dialekt an einen Denunzianten, ein hochgewachsener Pfleger an den Schinder in der Kriegsgefangenschaft. Für diese Bilder können Pflegende nichts und sie können nichts daran ändern. Statt Abwehrverhalten oder Antipathie sollte man es dann vermeiden, Reaktionen persönlich zu nehmen. Ruhig bleiben, den Bewohner kommen lassen, ihm die Möglichkeit des Beobachtens einräumen, viel, viel Geduld mitbringen und mit seinem persönlichen Verhalten ausgesprochen behutsam umgehen. Auf keinen Fall auf ihn eindringen, ihn überfahren, ihn überzeugen wollen. Erscheint die Situation unhaltbar, gehört das Problem im Team auf den Tisch, unter Umständen mit einer Verlegung oder Umbesetzung des Patienten.

 

 

 

Eine chronische PTBS kann zu demenzähnliche Erkrankungen  führen, bzw mit Demenz verwechselt werden. Eine nicht nur vorübergehende PTBS führt häufig zur Unfähigkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen oder Beziehungen aufzubauen.