Suchprogramme, HTTP-Protokoll"> Berufsfachschule für Sozialpflege
 
 
 
 
 
 
 

Tiere in der Pflege

Um das Jahr 1900 waren Tiere in Pflegeeinrichtungen nichts ungewöhnliches. Denn zu vielen Einrichtungen, insbesondere für Menschen mit Behinderung, gehörte Landwirtschaft mit Tierhaltung dazu. Diese Einrichtungen senkten ihre Kosten durch starke Selbstversorgung.
 
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in den Pflegeeinrichtungen verstärkt der Schwerpunkt auf die Hygiene gelegt. In dem Konzept “satt und sauber” war kein Platz mehr für Tiere. In einigen Einrichtungen gab es noch im Eingangsbereich oder Tagesraum ein Aquarium, das zumeist vom Hausmeister oder Pflegekräften versorgt wurde. Angesichts der Personalkosten ein Luxus. 
 
Mit dem Schwerpunkt “Individualpflege” oder “Ganzheitlicher Pflege” rückten Tiere wieder in der Pflege in den Mittelpunkt. Es wurde immer deutlicher, dass der Umgang mit Tieren eine positive Wirkung auf Klienten hat. Das Robert Koch Institut stellt heute fest, dass das Zusammenleben mit Heimtieren sich sehr positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen auswirkt, aber auch Risiken birgt. 
 
 
Die Risiken sind 
 
 die Infektionsgefahr durch Viren, Bakterien, Pilzen und Parasiten
 Unfallgefahren durch Kratzen oder Beißen
 erhöhte Sturzgefahr
 Auslösung oder Verschlimmerung von Allergien
 
 
Tiere bedeuten für die Betreuten
 
 einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden
 höhere Lebenszufriedenheit
 Vermittlung des Gefühls des Gebrauchtwerdens
 Stärkung des Selbstvertrauens und der Selbstachtung
 Stressabbau
 vermehrte körperliche Bewegung
 mehr Sozialkontakte
 Steigerung der Kommunikation
 Verstärkung der Eigenpflege
 Verbesserung des subjektiv empfundenen Gesundheitszustandes
 
 
Nach der Abwägung Risiken gegen Nutzen empfiehlt das Robert Koch Institut eindeutig die Heimtierhaltung. ("Heimtierhaltung: Chancen und Risiken für die Gesundheit", Heft 19,  1.12.2003)
 
 
Welche Tiere sind für eine Pflegeeinrichtung geeignet?
 
 Es darf von ihnen keine Gefährdung ausgehen (z. B. Aggressionen, Giftigkeit)
 Die Tiere müssen in der Lage sein, sich der Situation anzupassen und entsprechend zu verhalten
 Eine Eignung, Beachtung der rassetypischen Merkmale
 
 
 
Tiere müssen artgerecht gehalten werden!
 
Es gibt zwei Möglichkeiten, Tiere in der Einrichtung zu halten. Entweder im Haus selber oder im Garten in Ställen und Freigehegen. Nicht nur in Alten- oder Heilerziehungspflegeeinrichtungen werden Tiere in der Arbeit integriert, sondern auch Krankenhäuser setzen zunehmend Tiere ein. 
 
Immer mehr Altenpflegeeinrichtungen gestatten es auch, dass Bewohner ihre Tiere mitbringen können, wenn es tragbar ist. Seine Katze, Hund oder Wellensittich in das Pflegeheim mitnehmen zu können befreit die alten Menschen von der Sorge um ihr Tier. Dazu fällt ihnen das Eingewöhnen in die neue ungewohnte Umgebung erheblich leichter. Für das Personal bedeutet dieses Tier Mehrarbeit und zusätzliche Verantwortung, aber dafür einen „pflegeleichteren“und glücklicheren Bewohner. Für das mitgebrachte Tier muss sich allerdings jemand vom Personal bereit erklären, im Notfall die Verantwortung zu übernehmen, also Bezugsperson zu sein.
 
Das Tier sollte prinzipiell eine feste Bezugsperson (Personal, Pflegekraft, Hausmeister, etc) haben. Die Versorgung eines Tieres vermittelt das Gefühl gebraucht zu werden. Wenn ein Klient in der Lage ist, das Tier zu versorgen, kann die Bezugsperson die Aufgabe an ihn delegieren, trägt aber weiterhin die Verantwortung. Es muss darauf geachtet werden, dass auch das Tier ausreichend artgerecht beschäftigt wird und Rückzugsmöglichkeiten hat. Genügend Auslauf und frische Luft versteht sich von selber. Der von "Leckerlis" gemästete Hund, der irgendwann nur noch fett und faul in der Ecke rumliegt, ist irgendwann kein Gewinn, sondern eine Belastung. 
 
Zur artgerechten Haltung gehört es auch, sich ausreichend über die Bedürfnisse des Tieres zu informieren. Einen Schwarmfisch beispielsweise im Aquarium als Einzeltier zu halten, ist Tierquälerei. Es sollte auch strikt darauf geachtet werden, dass das Tier nur die entsprechende Nahrung bekommt. Den Klienten muss klar gemacht werden, dass "Leckerlis" wie Schokolade oder die Leberwurst vom Abendbrot den Tieren schaden können. 
 
 
Minimierung der Risiken
 
Der Lebensraum des Tieres muss regelmäßig und vorbildlich sauber gehalten werden. Käfige und Liegeplätze müssen abwachbar oder waschbar und desinfizierbar sein. Eine tägliche Fellpflege ist selbstverständlich. Eine regelmäßige Entwurmung und Kontrolle auf Parasiten ist Pflicht. Das Tier muss turnusmäßig durch einen Tierarzt betreut werden und alle Impfungen erhalten. Beim geringsten Krankheitsanzeichen muss der Tierarzt konsultiert werden und das Tier bis zur Abklärung oder Heilung bei der Bezugsperson untergebracht werden.
 
Es ist eine Frage der Erziehung, ob ein Tier regelmäßig im Weg liegt und nicht auf herannahende Schritte reagiert. Ein Hund sollte regelmäßig die Hundeschule besuchen und die Begleithundeprüfung erfolgreich abgeschlossen haben. Welpen, Hund oder Katze, sind für den Einsatz in Pflegeeinrichtungen eher ungeeignet. Da sollten sie in der Obhut ihrer Bezugsperson sein. 
 
Welches Risiko nicht verringert werden kann, sind allergische Reaktionen durch Tierhaare,  Einstreu, Futter oder tiergebundene Antigene (Speichel- und/oder Urinbestandteile, Hautschuppen). Nagetiere lösen häufiger Allergien aus wie Katzen, allerdings reagieren auf Katzen wesentlich mehr Menschen allergisch als auf Hunde. Allergische Reaktionen einzelner Klienten müssen berücksichtigt werden. Ein Fernhalten des Tieres ist zumeist erfolglos, weil die allergenen Stoffe auch über die Kleidung übertragen werden können. In dem Falle bleibt nichts anderes übrig, als sich von dem Tier zu trennen. Dabei müssen die Interessen des Tieres berücksichtigt werden, das heißt, dass es nicht einfach abgeschoben wird, sondern seiner Bezugsperson klar ist, dass sie das Tier langfristig übernehmen muss.
 
 
 Besuchsdienste 
 
Tiere kommen mit ihrem Halter stundenweise zu Besuch. Diese Besuche nennt man auch tiergestützte Aktivitäten (AAA = Animal assisted activities). Die Tiere sollen Abwechslung in das Leben der Klienten bringen. Der Vorteil ist, dass die Einrichtung nicht die Verantwortung für die Haltung des Tieres übernehmen muss. Der Nachteil, dass der Tierkontakt nur sporadisch ist und kein intensiver Kontakt zwischen Mensch und Tier hergestellt wird. Zusätzlich hat die Einrichtung keinen Überblick über Wesen und Gesundheitszustand des Tieres, muss sich da also auf den Halter verlassen.
 
 
 
Tiere als Therapeuten 

Therapieformen mit Tieren (Animal assisted therapy = AAT) sind im Gegensatz zur AAA professionelle Therapiekonzepte. Dazu gehört auch eine entsprechende Dokumentation. Studien belegen die therapeutische Wirkung von Tieren.

 

Rehabilitationshunde

Rehabilitationshunde sind Spezialisten mit einer intensiven Ausbildung. Ein großes Problem für Menschen mit Behinderung ist der Anschaffungspreis von etwa 25000 €.

Blindenführhunde

  • ermöglichen blinden oder hochgradig sehbehinderten Menschen eine gefahrlose Orientierung. Blindenführhunde gelten nach § 33 SGB V rechtlich als Hilfsmittel. Das weiße Führgeschirr ist ein Verkehrsschutzzeichen nach § 2 Absatz 2 FeV und verpflichtet alle Verkehrsteilnehmer zu besonderer Rücksicht. 
  • suchen auf Anweisung Türen, Zebrastreifen, Briefkästen, Sitzplätze und vieles mehr
  • müssen Hindernisse wie Straßenschilder, parkende Autos, Fußgänger etc erkennen und ihren Halter daran vorbeilotsen
  • müssen in der Lage sein, einen Befehl ausnahmsweise zu verweigern (sogenannter „intelligenter Ungehorsam“), um von ihrem Halter Gefahren abzuwenden

Signalhunde

  • zeigen hörbehinderten oder gehörlosen Menschen relevante Geräusche an
  • zeigen Anfallkranken bevorstehende Anfälle rechtzeitig an
Behindertenbegleithunde
  • begleiten rollstuhlfahrende Menschen
  • holen Gegenstände
  • bedienen Türen oder Schalter, helfen beim ausziehen, etc

 

 

 

 

 

Hippotherapie

In der Hippotherapie werden speziell geschulte Pferde eingesetzt. Menschen mit Behinderung trainieren durch sie ihren Gleichgewichtssinn. Dazu wird das Selbstbewusstsein gesteigert.

 

 

 

 

Delphintherapie
 
Das besondere an der Delphintherapie ist, dass den Delphinen eine aktive Rolle bei der Therapie zugesprochen wird. Das heißt, dass die sehr sensiblen Tiere die Probleme, Verspannungen, Bedürfnisse der Klienten spüren und darauf gezielt eingehen. 
 
Eine Therapiewoche (ca. zehn Tage mit acht Therapietagen) kostet ca. 2.500 € (ohne Unterkunft und Anreise). 
 
Nicht verschweigen darf man, dass diese Therapie oft zu Lasten der Tiere geht. Delfintherapie ist ein Geschäft und wird oft von Unternehmern angeboten, für die das Wohl der Klienten und Tiere nicht im Mittelpunkt steht. Zu kleine Delfinarien und schlechte Haltungsbedingungen machen die Tiere krank, sodass sie Hospitalismusschäden bekommen, die sich beispielsweise durch ein stupides Schlagen mit der Schwanzflosse zeigen (was auch die Klienten akut gefährdet), Selbstverletzungen und -verstümmelungen bis zum Suizid. Anbieter für eine derartige Therapie sollten im Vorfeld genau geprüft werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


powered by Beepworld