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Ekel

Ekel ist das Gefühl eines sehr starken Widerwillens, einer tiefen Abneigung. Es wird etwas als hochgradig widerlich empfunden und dieses Gefühl kann körperliche Reaktionen auslösen wie Übelkeit, Brechreiz oder Schweißausbrüche. Im extremen Fall sinkt der Blutdruck ab bis hin zur Ohnmacht. Im äußeren Erscheinungsbild kommt es durch Mimik und Körperhaltung zu Abwehrreaktionen. Es ist auch erwiesen, dass Ekel das Immunsystem durch Ausschüttung von Stresshormonen schwächt, wodurch beispielsweise Herpes ausbrechen kann.

Ekel ist eine Basisemotion, also ein Grundgefühl, das ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Existenz ist. Basisemotionen sind Wut, Freude, Überraschung, Angst, Traurigkeit oder eben Ekel. 

Die Ekelemotion dauert etwa vier bis sechs Sekunden. Ekelgefühle werden nicht verlernt.

Das Gefühl Ekel ist angeboren (Lokalisierung limbisches System/Amygdala), vor was man sich ekelt, ist aber erlernt oder erworben. Es gibt allerdings auch Wissenschaftler, die die Meinung vertreten, dass Ekel keine Lernerfahrung, sondern genetisch bedingt sei.

Als Beispiel für den Lernprozess Ekel gelten Kleinkinder. Sie empfinden Ausscheidungen nicht als widerlich, mit der Sauberkeitserziehung lernen sie, dass Ausscheidungen eklig sind.

Der Ursprung des Ekels ist vermutlich nahrungsbezogen und soll vor schädlichen, unverdaubaren oder giftigen Einflüssen schützen. Ekel vor bestimmten Nahrungsmitteln, Schmutz, ganz besonders schlechten Gerüchen schützt also vor Krankheit und Tod. Allerdings ist das Empfinden auch kulturell und durch Erziehung geprägt. Zum Beispiel sind die Vorstellungen von ekligen Lebensmitteln in unterschiedlichen Kulturen völlig verschieden.  

 

Ekel ist also völlig normal und zeugt nicht von einem Kompetenzmangel.

Und somit ist es auch normal, in der Pflege bei der Arbeit Ekel zu empfinden. Die ständige Konfrontation mit Ausscheidungen und üblen Gerüchen erzeugt Ekel, der allerdings aus Rücksicht auf die Betreuten nicht offen gezeigt werden kann.

Es bringt absolut nichts, dieses Ekelempfinden zu verdrängen oder darüber hinwegzuspielen. Den Ekel zu verdrängen heißt, psychisch und physisch langfristig Schaden zu nehmen.

  • Die erste Maßnahme zur Bekämpfung des Ekels ist, zum Ekel zu stehen. Er ist ein natürliches Gefühl und hat eine wichtige Schutzfunktion.
  • Wer zu seinem Ekel steht, hat die Möglichkeit, sich ekelerregenden Situationen kontrolliert auszusetzen. Damit ist man nicht mehr der Situation hilflos ausgeliefert. Hilflosigkeit allein ist schwer zu ertragen, gepaart mit Ekel wird es unerträglich.
  • Die Grenzen der eigenen Belastbarkeit müssen erkannt sein. Ansonsten wird man nicht in der Lage sein, Copings zu entwickeln.
  • Das Wissen, dass Ekel kein Kompetenzmangel bedeutet und eine realistische Einschätzung der eigenen Ekelempfindung schützt vor Ängsten. Ängste werden wie Ekel in der Amygdala verarbeitet. Somit können sich beide Basisemotionen gegenseitig hochschaukeln.
  • Innerlich sich auf den Ekel einstellen, indem man sich bereits vorher klar macht, welche Situation auf einen zukommen wird.
  • Durch Hilfsmittel wie Handschuhe und Schutzkleidung wird Ekel gemindert.
  • Reduzierung ekelerregender Reinigungsarbeiten wie beispielsweise Bettpfannen oder Nierenschalen erreicht man durch Einmalnierenschalen oder ausgelegten Papiertüchern in diesen. 
  • Beim konzentrierten Arbeiten schwächt sich der Ekel ab. Je mehr die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte pflegerische Aufgabe fixiert wird, umso weniger Platz bleibt anderen Wahrnehmungen.
  • Ablenkung, in dem man zielgerichtet intensiv an etwas Anderes denkt.
  • Das Hineinversetzen in den Gepflegten und seine Situation fördert Gefühle, die den Ekel zurückdrängen. Stellt man sich beispielsweise vor, wie der Klient sich mit seinem Durchfall fühlt, mindert die Anteilnahme das Ekelgefühl.
  • Die Beachtung des Schamgefühls des Gepflegten senkt das Ekelgefühl des Pflegenden.
  • Ein wichtiger Faktor zur Bekämpfung des Ekelgefühls ist die Gewöhnung. 
  • Ekelerregende Anblicke wie beispielsweise Kot oder Erbrochenes möglichst schnell abdecken durch Zellstoff, Pflegeschaum usw.
  • Im Team das Ekelgefühl ansprechen. Dadurch hat man nicht das Gefühl, mit seinem Ekel alleine zu sein, denn andere empfinden genau so. Eventuell lassen sich im Team Lösungen finden, um eklige Situationen zu vermeiden oder abzuschwächen.
  • Ekelerregende Tätigkeiten immer zu zweit ausführen, um die Belastung zu senken.
  • Bei unverhofften ekelerregenden Situationen, wenn möglich, kurz raus, sich sammeln und vorbereiten, Hilfe holen und dann erst die erforderlichen Handlungen ausführen. 
  • Nach Tätigkeiten, in denen man Ekel verspürte, sollte man auf jeden Fall eine kurze Pause einlegen, beispielsweise für einige Minuten an die frische Luft gehen, sich gründlich waschen, eine Tasse Kaffee trinken, etc. Derartige Erholungsphasen können auch irgendwann als eine Form der Belohnung gewertet werden, was Ekelgefühle erträglicher macht.
     

Der wichtigste Schritt zum Abbau von Ekel ist eine gute Pflege. Je besser das Klientel versorgt ist, je optimaler Betreute gepflegt werden, umso geringer sind die Situationen, in denen Ekel entstehen kann.

Beispiel: Im gesamten Zimmer einer Klientin hängt ein ekelerregender Geruch. Bekäme die Klientin ausreichend zu trinken, würde ihr Urin nicht mehr so extrem stechend riechen. Die Klientin wäre orientierter, könnte sich eventuell dadurch rechtzeitig melden, wenn sie Harndrang verspürt. Eine gute Inkontinenzversorgung und Intimpflege würde zusätzlich Gerüche vermeiden. Die Klientin fühlt sich weniger abgelehnt und zeigt ein positiveres Verhalten, was den Ekel bei den Pflegekräften weiter senkt. 

 

 Gefühlswelten: Mit Ekel leben BR Mediathek