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Naomi Feil
 
 
Wer behauptet, Pflege sei langweilig, kennt Naomi Feil nicht. Man kommt nach drei Stunden aus einem Vortrag heraus, denkt, es waren drei Minuten und hat nichts gelernt - aber alles begriffen. 
 
Geboren 1932 in München, aufgewachsen in Cleveland, Ohio (Vater: Leiter Altersheim, Mutter dort Leiterin der Abteilung Sozialarbeit); Studium an der Columbia University in New York: Masters Degree für Sozialarbeit; Arbeit mit alten dementen Menschen, Kritik an den traditionellen Arbeitsmethoden 
 
Zwischen 1963 und 1980 Entwicklung der Validations-Methode
1982: "Validation, The Feil Method" (dtsch. Titel: Validation, ein Weg zum Verständnis verwirrter alter Menschen, 1990)
1992 Überarbeitung des Buches
1993 "The Validation Breakthrough" (dtsch. Titel: Validation in Anwendung und Beispielen)
Zahlreiche Filme und Videos zum Thema Altern und Validation von ihr und ihrem Mann
Executive Director des Validation Training Institutes (VTI) 
Gefragte Referentin besonders in Nordamerika und Europa (seit 1989 drei Vorträge pro Jahr)
 
 
Grundprinzipien
 
Jemanden zu validieren bedeutet, seine Gefühle anzuerkennen, ihm zu sagen, dass seine Gefühle wahr sind. Ablehnung von Gefühlen verunsichert. Mit der Methode der Validation dringt man durch Einfühlvermögen in die innere Erlebniswelt der desorientierten Person vor und schafft so Vertrauen. Vertrauen schafft Sicherheit, Sicherheit schafft Stärke, Stärke stellt das Selbstwertgefühl wieder her, Selbstwertgefühl verringert Stress. Validations-Anwender fangen die Signale ihrer Patienten auf und kleiden sie in Worte. 
 
 
Validation ist:
 
  • Entwicklungstheorie für alte, mangelhaft / unglücklich orientierte und desorientierte Menschen
  • eine Methode, ihr Verhalten einzuschätzen
  • eine spezifische Technik, die diesen Menschen hilft, durch individuelle Validation und 
  • Validations-Gruppen ihre Würde wieder zu gewinnen
 
Validationziele sind:
 
  • Wiederherstellen des Selbstwertgefühls
  • Reduktion von Stress
  • Rechtfertigung des gelebten Lebens
  • Lösen der unausgetragenen Konflikte aus der Vergangenheit
  • Reduktion chemischer und physischer Zwangsmittel
  • Verbesserung der verbalen und nonverbalen Kommunikation
  • Verhindem eines Rückzugs in das Vegetieren
  • Verbesserung des Gehvermögens und des körperlichen Wohlbefindens
 
 
Theoretische Annahmen
 
Den theoretischen Annahmen von Validation liegen Grundprinzipien zugrunde, die von der behavioristischen (Behaviorismus = Verhaltens-wissenschaft), analytischen und humanistischen Psychologie entwickelt wurden:
 
1. Akzeptieren Sie den Patienten, ohne ihn zu beurteilen (Carl Rogers )
 
2. Der Therapeut kann weder Einsicht schaffen noch Verhalten ändern,   
    wenn der
· Patient nicht bereit ist, sich zu ändern
· oder nicht die kognitive Fähigkeit zur Einsicht hat (Sigmund Freud )
 
3. Der Patient ist ein einzigartiges Individuum (Abraham Maslow)
 
4. Ausgedrückte Gefühle werden schwächer, ignorierte oder geleugnete Gefühle stärker. Eine nicht beachtete Katze wird ein Tiger. (C. G. Jung)
 
5. Jedes Lebensstadium hat seine spezifische Aufgabe, die wir zu einem bestimmten Zeitpunkt lösen müssen. Wir müssen danach streben, die Aufgabe zu erfüllen und dann zur nächsten schreiten. (Erik Erikson)
 
6. Übergangene Aufgaben melden sich später wieder. (Erik Erikson)
 
7. Menschen streben nach Gleichgewicht. (S. Zuckermann )
 
8. Versagt das Kurzzeitgedächtnis, stellen alte Menschen durch frühe Erinnerungen das Gleichgewicht her. Lässt die Sehstärke nach, sehen sie mit dem inneren Auge; versagt das Gehör, holen sie Klänge aus der Vergangenheit. (Wilder Penfield)
 
9. Frühe, gefestigte Erinnerungen überleben bis ins hohe Alter. (F. G., Schettler und G. S. Boyd)
 
10. Das Gehirn ist nicht der einzige Verhaltensregulator im hohen Alter. Verhalten beruht auf einer Kombination von körperlichen, sozialen und intrapsychischen Veränderungen, die im Laufe des Lebens stattfinden. (Adrian Verwoerdt)
 
11. Autopsien haben ergeben, dass viele alte Menschen trotz ernster Beeinträchtigung des Gehirns relativ orientiert bleiben. (Charles Wells)
 
12. Es gibt immer einen Grund hinter dem Verhalten von desorientierten, alten Menschen. (Naomi Feil)
 
13. Jeder Mensch ist wertvoll - wie desorientiert er auch sein mag. (Naomi Feil)
 
 
 
Integrative Validation (IVA)
 
 
 
Die Integrative Validation (IVA) nach Nicole Richard ist eine verbale, nonverbale und paraverbale (nicht-inhaltliche, hörbare Bestandteile des Sprechens wie individuelle Sprechereigenschaft, Stimmlage, Resonanzraum, Sprechverhalten, Artikulation, Lautstärke, Sprechtempo, Sprachmelodie, etc). Kommunikationsform, die sich auf die Gefühlsebene konzentriert. 
 
Im Gegensatz zu Feil nimmt Richard an, dass dem desorientierten Verhalten dementer Menschen pathologisches Geschehen zugrunde liegt. 
 
IVA versteht sich daher nicht als Therapie zur Bewältigung ungelöster Lebensaufgaben und -probleme, sondern als Methode zum Umgang mit Demenzkranken, um Überforderung und Aggression zu vermeiden.
 
Oberstes Prinzip ist, die ausgedrückten Gefühle des Demenzkranken ernst zunehmen.
 
Zentrale Aspekte der IVA sind die Ressourcen der Verwirrten. Integrative Validation lässt sich auf die Sichtweise der Realität des Gegenübers ein, korrigiert nie. Gerade die hinter den (scheinbar) verwirrten Äußerungen Demenzkranker liegenden Mitteilungen und mit ihnen verbundenen Gefühle werden angenommen, wertgeschätzt und akzeptiert.
 
IVA wird einen maximalen Effekt nur in der Teamarbeit haben. Nutzt nichts, wenn ein Mitarbeiter der Station Validationstechniken beherrscht und anwendet, und der nächste nicht. 
 
Wesentlich ist, dass gezeigtes Verhalten versprachlicht wird. "Sie sind sehr wütend." So kann angestautes Gefühl abfließen und das Verhalten positiv beeinflussen.
 
Demenzkranke und Pflegepersonen haben weniger Stress und mehr Zufriedenheit. 
 
 

 

Die Pflege hat am 11.7.2014 eine bedeutende Persönlichkeit verloren:

Nicole Richard

          

Foto: N. Dietrich

„Du bist nicht mehr da, wo du warst, aber du bist überall, wo wir sind“ (Victor Hugo)